TV-News: Serienmörder-Jagd im Weltkriegs-Prag
Eine Mordserie erschüttert 1945 Prag. Wie Jonas Nay als Kripoermittler nach dem Täter sucht, zeigt der neue ARD-Mehrteiler "Sternstunde der Mörder". Der Lübecker hat dafür sogar Tschechisch gelernt.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Mitte Februar 1945 heulten im bis dahin vom Krieg wenig berührten Prag die Luftschutzsirenen. Nur fünf Minuten später fielen die ersten Bomben. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, mehr als 700 Menschen verloren ihr Leben. Die amerikanischen Piloten gaben später an, die von den Nationalsozialisten besetzte Stadt mit ihrem eigentlichen Ziel Dresden verwechselt zu haben.
In dem neuen ARD-Mehrteiler "Sternstunde der Mörder" (4 mal 45 Minuten, Karfreitag ab 20.15 Uhr im Ersten; in der ARD-Mediathek seit 29.3.) spielt sich zur gleichen Zeit ein schreckliches Verbrechen ab.
Ein brutaler Mörder überfallt eine deutsche Witwe, die Baronin von Pommern, in ihrer Wohnung am Moldau-Ufer. Er entnimmt der Frau bei lebendigem Leibe die Organe - und steckt ihr Herz in seinen Koffer. Jan Morava (Jonas Nay) übernimmt die Ermittlungen - und wird dabei von dem Gestapo-Beamten Erwin Buback (Nicholas Ofczarek) überwacht.
Vorlage vom Altmeister Pavel Kohout
Die Romanvorlage hat 1995 der bekannte tschechische Dramatiker Pavel Kohout (heute 97) geliefert. Die Schrecken der letzten Kriegsmonate und -tage in Prag erlebte er als damals als Jugendlicher selbst mit.
Die Deutschen hätten sich auf ein "blutiges Finale" vorbereitet, die Tschechen auf eine "grausame Abrechnung", schrieb er einmal. Er habe für beide Seiten je eine Hauptfigur gesucht, die in dieser Zeit noch in Kontakt gekommen seien, und habe sie in einem tschechischen und einem deutschen Kriminalbeamten gefunden.
Regisseur Christopher Schier evoziert in der historischen Miniserie gekonnt die düstere und unsichere Stimmung einer Stadt, in der es ein skrupelloser Mörder auf verwitwete Frauen abgesehen hat. Eine kleine Liebesgeschichte darf nicht fehlen, um den Zuschauer vor allzu großer Niedergeschlagenheit zu bewahren.
Während die Amerikaner von Westen und die Sowjets von Osten heranrücken, erhebt sich der tschechische Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Gelingt es dem Mörder, in dem entstehenden Chaos unterzutauchen?
Mehrsprachigkeit stärkt Authentizität
Für Jonas Nay, bekannt aus "Deutschland 83", bedeutete die Rolle des Kripo-Ermittlers Jan Morava eine doppelte Herausforderung: Er spricht in der Serie nicht nur Deutsch mit tschechischem Akzent, sondern auch fließend Tschechisch. Für das erste Casting habe er den Text lautmalerisch auswendig gelernt, "so wie man als Kind englische Songs singt", sagte der Schauspieler der Deutschen Presse-Agentur.
Für die Rolle nahm er dann einen intensiven Crash-Kurs bei einem Berliner Theater-Coach und verfeinerte mit einer zweisprachigen Kollegin noch am Set Aussprache und Betonung. Eine der schwierigsten Stellen, wie er verrät: "třináctého března" - am 13. März. Ausgesprochen etwa: tschinahztäho bschesna.
Kripoermittler mit "innerem Drive"
Das im Tschechischen übliche gerollte "r" bereitete dem gebürtigen Lübecker Nay zum Glück keine Probleme: "Das konnte ich noch, weil ich es als Chorknabe hier in meiner Heimatstadt bei den Bachcantaten quasi mit in die Kinderstube bekommen hatte."
An dem fertigen Mehrteiler gefällt ihm besonders die Bildgestaltung des Kameramanns Philip Peschlow: "Es zieht einen so unheimlich in diesen Tunnel - und man fällt da nie raus, weil irgendwo irgendetwas visuell nicht stimmig wäre." Kriminalassistent Morava ist für Nay jemand, der einen "sehr positiven inneren Drive hat" und versucht, trotz der schwierigen Umstände Moral und Menschlichkeit aufrechtzuerhalten.
Prag in Wien gedreht
In zahlreichen Hollywood-Filmen hat Prag als Kulisse für andere Städte gedient. Hier ist es zur Abwechslung einmal umgekehrt: Gedreht wurde in Wien, dem Zentrum der einstigen österreichisch-ungarischen Monarchie, zu der auch das Königreich Böhmen mit Prag gehörte.
Nur ortskundigen Kennern dürften daher die Unterschiede auffallen - etwa, wenn das Foyer vom Funkhaus Wien statt des historischen Rundfunkgebäudes in der Vinohradská-Allee zu sehen ist. Hier wurde mit dem vereinbarten deutsch-tschechisch gemischten Satz am 5. Mai 1945 das Signal zum Prager Aufstand gegen die Deutschen gegeben: "Je právě sechs hodin" (Es ist gerade sechs Uhr).
Filmmusik als zweite Berufung
Nach dem Abschluss dieses Projekts widmet sich Jonas Nay nun seiner anderen Berufung, ehe es gegen Sommer wieder mit der Schauspielerei losgeht: "Ich komponiere sowohl Filmmusik als auch Songs für meine Band Pudeldame", berichtet er.
Und er musste neulich sogar gemeinsam mit einem befreundeten Klavierbauer zum Hammer greifen. Denn mit seiner ersten Filmgage hatte er sich einst einen Traum erfüllt und einen rund hundert Jahre alten New Yorker Steinway-Flügel gekauft. "Und da ist mir der gesamte Block mit den Pedalen heruntergekracht."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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