TV-News: Finnische Serie "All the Sins": Nordic Noir mit Tiefgang
Ein Ermittler mit düsterer Vergangenheit, eine finnische Gemeinde voller Tabus: Die Arte-Serie "All the Sins" deckt mehr als nur einen Mord auf. Was verbirgt sich hinter ihrer frommen Fassade?
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Es gab eine Zeit, da schien halb Europa in skandinavischem Nieselregen zu ermitteln. Da war jeder Ermittler emotional verkorkst, die Mordfälle jagten dem Zuschauer die Schauer über den Rücken. Dänische, schwedische, später auch isländische Krimis prägten das Fernsehen mit gesellschaftlichen Abgründen und einer Kälte, die mehr war als Wetter.
Der große Hype um die moralisch aufgeladenen Storys ist zwar vorbei – geblieben aber ist ein etablierter Stil, der das Verbrechen als Spiegel sozialer Risse versteht.
Ein Ermittler zwischen Schuld, Scham und Vergangenheit
Genau in dieser Tradition steht auch die finnische Serie "All the Sins", deren sechs Teile Arte ab dem 19. Februar jeweils donnerstags im Dreierpack zeigt. Sie setzt in ihren insgesamt drei Staffeln weniger auf Tempo als auf Atmosphäre und Entschleunigung. Finnland pur und Nordic Noir in Reinform: Die melancholische Ästhetik und tiefe Blicke ziehen sich durch die Szenen wie eine leise Melodie.
Kommissar Lauri Räiha (Johannes Holopainen), ein schwuler Ermittler aus Helsinki, kehrt nach zehn Jahren in seine Heimat Varjakka zurück, um zwei rituelle Morde an Gemeindemitgliedern aufzuklären. Begleitet von seiner Vorgesetzten Sanna Tervo (Maria Sid), einer scheinbar promiskuitiven, aber innerlich zerrissenen Frau.
Glaube, Sünde und die Suche nach Vergebung
Die beiden müssen in die Abgründe einer konservativen Laestadianer-Gemeinde im nordfinnischen Varjakka eindringen – einer fiktiven Kleinstadt nahe Oulu, die als Hochburg dieser strengen lutherischen Erweckungsbewegung dient.
Viele Mitglieder lehnen Verhütungsmittel ab und sehen den Menschen als zu bekehrendes sündiges Wesen an. Doch bietet diese so fromm wirkende Anschauung auch einen Nährboden für religiös motivierte Morde?
Räinha muss sich dabei in sechs Episoden nicht nur mit seinen Taten auseinandersetzen, sondern auch mit der traumatischen Vergangenheit in seiner laestadianischen Familie. Die Ermittlungen werden ein ums andere Mal gebremst von Räinhas Aggressionsproblemen und Sannas Reue über ihr Verhältnis zur Tochter und den getöteten Ehemann. Als ein dritter Mord geschieht, wird klar: Die Opfer sind miteinander verbunden.
Atmosphäre statt Tempo
"All the Sins" (von Mika Ronkainen und Merja Aakko) fokussiert weniger das "Wer", sondern das "Warum" der Tat. Themen wie Schuld und Scham, Geschlechterrollen und Vergebung verleihen der Serie psychologische Tiefe und sozialkritische Relevanz.
Dabei gelingt es, auf Klischees zu verzichten: Die misshandelten Leichen bleiben unsichtbar, Nordfinnland zeigt sich nicht in verschneiten Landschaften, sondern präsentiert grüne Felder, Dorfkirchen und strahlende Lichtverhältnisse.
Dennoch kommt echte Spannung nur sporadisch auf. Zudem ist unübersehbar, dass die Serie bereits etwas in die Jahre gekommen ist. Lässt man sich jedoch auf das ruhige Tempo und die dichte Atmosphäre ein, entwickelt sie durchaus ihren Reiz.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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