Nations League: Treus Dankes-Spitze: "Gut, dass jemand die Augen aufmacht"

Deutschland hat keinen Rechtsverteidiger? Nein, sagt Jürgen Klopp schon vor dem 1:1 in Holland. Der Bundestrainer präsentiert bei seiner Premiere einen Debütanten, der das Zeug zur Premium-Lösung hat.

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Aktuelle Nachrichten über den SC Freiburg lesen Sie auf news.de. Bild: picture alliance/dpa | Tom Weller

Sein erstes Länderspiel-Trikot trug Philipp Treu in einer schwarzen Tüte wie einen Schatz aus der Fußball-Arena in Amsterdam. Das schwarze Shirt mit der Nummer 13 soll daheim einen ganz besonderen Platz bekommen. Nur wo? Eine Idee hatte der 25-Jährige spontan parat. "Das wird irgendwo aufgehangen, vielleicht im Wohnzimmer. Da muss ich die Freundin mal fragen, ob es da hängen darf", sagte Treu - und lachte erst einmal herzlich.

Mit leuchtenden Augen stand das nur 1,72 Meter große Energiebündel vom SC Freiburg als der größte Gewinner beim 1:1 der neu formierten Nationalelf gegen die Niederlande in den Katakomben. Und war vor allem einer Person dankbar: Jürgen Klopp.

Jahrelang hieß es in Deutschland, es gebe keine(n) Rechtsverteidiger. Bis der neue Bundestrainer bei seiner Premiere gleich eine Alternative präsentierte, die sich in den kommenden Monaten und Jahren als Premium-Lösung entpuppen könnte. Eine "außergewöhnliche" Leistung bescheinigte Klopp dem Neuen.

"Das ist mal gut zu hören, dass jemand die Augen aufmacht und nach Freiburg geguckt hat", sagte Treu. Es war eine kleine, feine verbale Spitze gegen Klopps Vorgänger. Er sei froh darüber, "dass Jürgen Klopp mich auf dem Schirm hat und Bock hatte auf mich", sagte Treu. Anders als Julian Nagelsmann, der beim WM-Flop in Amerika seinen Kapitän Joshua Kimmich nach außen (ab)schob.

Treu kontra Gakpo: "Defensiv hat der keine Lust"

Treu setzte um, was Klopp in ihm sieht. Er rannte die Linie rauf und runter, er malochte mit Hingabe. Der Bundestrainer habe "gar nicht viel" zu ihm gesagt vor dem Spiel: "Er meinte, gib Gas und hab Spaß. Das habe ich versucht. Er hat mir eine gewisse Lockerheit gegeben. Ich muss sagen, nervös war ich überhaupt nicht."

Treu erfüllte den anspruchsvollen Job gegen Cody Gakpo defensiv sehr ordentlich. Das Tor des Liverpool-Stars in der Nachspielzeit ging nicht auf sein Konto. Klopp hatte Treu gut auf seinen ehemaligen Vereinsspieler vorbereitet - und Angst vor großen Namen kennt der kleine Freiburger Junge eh nicht.

"Für mich ist das Extra-Motivation, wenn ich weiß, mein Gegenspieler ist Cody Gakpo. Jürgen Klopp hat zu mir gesagt: "Ey, offensiv kann der gut kicken. Aber defensiv hat der nicht so Lust, mit nach hinten zu arbeiten." Ich glaube, da habe ich ihn auch genervt. Er hatte immer wieder auch weite Wege nach hinten."

Paradebeispiel war das 1:0 von Felix Nmecha. Treu war nach einem Sprint die Linie hinauf einer der Vorbereiter. "Karim (Adeyemi) kam zu mir und meinte, er hat die Vorlage bekommen. Aber es war ein cooles Gefühl", erzählte Treu. Nach der Pause hätte er einmal sogar selbst im Strafraum abschließen können. "Da muss ich noch besser werden, mir das Herz nehmen und selbst schießen."

Die stolzen Eltern winken: "Ein unfassbares Gefühl"

Für Treu ist im Länderspiel-Klassiker gegen Oranje "ein Traum in Erfüllung gegangen", auf den der fast 26-Jährige lange warten musste. "Ich war nicht der Schnellzünder. Ich habe mich immer rangepirscht. Ich wollte mich peu à peu auf die linke Überholspur setzen und meine Konkurrenten überholen. So war meine Karriere schon immer", sagte er zu seinem Werdegang im Hintergrund.

Ein Dauerlächeln hatte er bei seinen Worten im Gesicht. "Wenn ich dann auf die Tribüne gucke und meine Eltern mit ganz viel Stolz nach dem Spiel winken, ist das ein unfassbares Gefühl. Jetzt hier das erste Mal zu stehen, ist Wahnsinn."

Dieser Wahnsinn soll aber nur der Anfang von mehr sein. "Jetzt geht es erst richtig los", kündigte er an: "Da gibt es kein Ausruhen, jetzt muss noch mehr gearbeitet werden." Schon am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) geht es in der Nations League mit dem ersten Heimspiel gegen Griechenland in Augsburg weiter.

Kimmich rühmt die Debütanten

Treus starke DFB-Premiere überstrahlte die weiteren Debüts des ebenfalls couragiert auftretenden Frankfurters Younes Ebnoutalib, der den früh verletzten Kai Havertz im Sturm ersetzte. Und von Treus Vereinskollege Yanik Engelhardt, der in der Endphase im Mittelfeld ebenfalls zum ersten Länderspiel kam.

Von Kapitän Kimmich gab es ein kollektives Lob. "Sowohl Philipp als auch Younes haben es überragend gemacht. Und auch Yannik hat noch mal alles reingeschmissen." Gerade die "Beiden, die länger ran durften, haben auch fußballerische Qualität gezeigt, die uns weiterhelfen wird. Davon bin ich überzeugt." Und gerade auch Kimmich wird heilfroh sein, dass Klopp allen in Deutschland einen rechten Verteidiger mit Zukunft geschenkt hat.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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