Nations League: Tuchel trotz WM-Kritik zuversichtlich: "Kein Neuanfang"
Für das bittere WM-Aus bekam Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel viel Kritik. Dennoch geht der deutsche Coach betont zuversichtlich in die Nations League. Er spricht auch schon vom EM-Titel.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Der kollektive Schmerz über das dramatische Scheitern bei der Fußball-Weltmeisterschaft sitzt in England immer noch tief. Doch vor dem Start der Nations League war Nationaltrainer Thomas Tuchel bemüht, Zuversicht zu verbreiten. "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir jetzt einen Neuanfang machen", sagte er bei der Vorstellung seines Kaders. "Wir bauen auf einem soliden und sehr wertvollen Fundament auf."
Zum Auftakt empfängt Tuchel mit den Three Lions am Samstag (20.45 Uhr MESZ) Weltmeister Spanien im ausverkauften Wembley-Stadion, bevor es am Dienstag (20.45 Uhr) in Prag gegen Tschechien geht. Weiterer Gruppengegner ist Kroatien.
Trotz Kritik – Tuchel bewahrt seinen Humor
Nach dem Halbfinal-Aus gegen Argentinien (1:2) hatte Tuchel viel Kritik einstecken müssen. Beim Stand von 1:0 hatte der frühere Chelsea- und Bayern-Coach defensiv gewechselt, in der Schlussphase kassierten die Three Lions noch zwei Gegentore. Ärger mit den Verantwortlichen beim englischen Fußballverband (FA) habe es dafür nicht gegeben. "Ich habe natürlich einen Rüffel für meine Auswechslungen bekommen", sagte der 53-Jährige und schob hinterher: "Nur ein Scherz."
Man habe das Turnier ausführlich aufgearbeitet, um daraus zu lernen. "Das ist manchmal schmerzhaft, manchmal emotional, manchmal wunderschön", so Tuchel, "weil die Menschen offen aussprechen, was sie bewegt, und über Situationen und Momente sprechen, die für einen selbst vielleicht keine so große Bedeutung hatten, ihnen aber sehr viel bedeutet haben." Die kritischen Punkte blieben allerdings "hinter verschlossenen Türen".
Tuchel spürt "volle Unterstützung"
Nach der WM war in britischen Medien eine Personaldebatte entstanden. Tuchel selbst hatte nie Zweifel an seiner Zukunft als Nationalcoach. "Ich kann Ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich während der gesamten WM die volle Unterstützung all meiner Vorgesetzten gespürt habe."
Schon vor dem mitreißenden Achtelfinalsieg (3:2) in Unterzahl gegen Mexiko hätten ihm die FA-Bosse gesagt, dass im Fußball alles passieren könne, sie aber mit ihm weitermachen wollten. "Das war ein wunderschöner Moment für mich als Trainer", sagte Tuchel. Er habe sich dadurch frei gefühlt.
Auch bei den Anhängern, die seit 60 Jahren auf einen Titel warten, spüre er trotz des verpassten WM-Endspiels keinen Groll. "99,9 Prozent der Fans reden nicht über Auswechslungen und taktische Dinge", meinte Tuchel. Stattdessen erzählten sie, wo sie das Mexiko-Spiel verfolgt hätten und wie nervenaufreibend die Partie gegen die DR Kongo gewesen sei. "Das ist es, was wir geschaffen haben, und so soll es sein."
Aussagen "einstudiert und realitätsfern"?
Seine Einschätzung sorgte für einige Irritationen. "Dann müssen wir anderen in den vergangenen zwei Monaten wohl immer mit genau den 0,1 Prozent der England-Fans gesprochen haben, die das anders sehen", kommentierte ein Kolumnist des "Telegraph" sarkastisch.
Und weiter: "Das Ganze wirkte ziemlich einstudiert und realitätsfern. Aber vielleicht hatte Tuchel ein unrealistisches Bild von der Lage bekommen, weil er zu viel Zeit mit den Verantwortlichen der FA verbracht hatte, die ihm, wie sich herausstellte, schon vor dem Sieg gegen Mexiko eine Jobgarantie gegeben hatten."
Tuchel steht weiter unter Druck
Für Tuchel mag das Thema abgehakt sein – in der öffentlichen Debatte scheint das Aus gegen Argentinien aber weiterhin alles zu überschatten. Daran konnte auch der spektakuläre 6:4-Erfolg über Frankreich im Spiel um Platz drei nur kurzfristig etwas ändern.
Klar ist, dass sich Thomas Tuchel weiterhin beweisen muss. Wenn es überhaupt eine Schonphase für Englands Nationaltrainer gab, ist sie längst vorbei - und der deutsche Coach steht unter besonderer Beobachtung. Aus der Ruhe scheint ihn das nicht zu bringen. Vielmehr gab er schon die nächsten Ziele aus – zunächst die Nations League zu gewinnen und dann"natürlich die Europameisterschaft im eigenen Land".
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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