Nations League: Ter Stegen und das neue Torwart-Glück: "So nicht ausgemalt"

Ein Jahrzehnt steht Marc-André ter Stegen im Schatten von Manuel Neuer. Immer wieder werfen ihn zudem Verletzungen zurück. Doch jetzt scheint die Zeit für ihn als deutsche Nummer eins gekommen.

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Der Pokal der UEFA Nations League steht vor dem Spiel im Stadion (Symbolbild). (Foto) Suche
Der Pokal der UEFA Nations League steht vor dem Spiel im Stadion (Symbolbild). Bild: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Marc-André ter Stegen geht mit ruhigem Schritt auf den Trainingsplatz. Er streift sich ohne Eile die Torwarthandschuhe über. Er lächelt. Die Rückkehr zur Fußball-Nationalmannschaft ist für den lange leidgeprüften Schlussmann eine wundervolle Wendung. Die Schatten der Vergangenheit sind vertrieben. In einer Geschichte schier unendlicher Enttäuschungen bahnt sich ein fast schon kitschiges Happy End an.

"Verrückt, muss ich sagen. Habe ich mir auch so nicht ausgemalt", sagte ter Stegen über Amsterdam als Schauplatz seines erneuten Comebacks im DFB-Trikot nach viel Schmerz und auch großen Zweifeln in einem TV-Interview mit RTL/Sky. In Amsterdam hat ter Stegen als Nummer eins bei Ajax gerade eine neue Fußball-Heimat gefunden.

Ausgerechnet Amsterdam

In der Johan-Cruyff-Arena wird er am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) für Deutschland als Nummer eins in die Ära von Jürgen Klopp starten. Der neue Bundestrainer hat den Status des 34-Jährigen im DFB-Trikot klargemacht.

"Er macht einen sehr, sehr guten Eindruck und sehr guten Job. Er ist auch ein fußballspielender Torwart, das sind die anderen auch, das ist auch wichtig. Aber zuallererst geht's mal darum, dass man Bälle hält, und da finde ich ihn außergewöhnlich", sagte Klopp über ter Stegen. Der Torwart sei für ihn "Teil einer Achse".

Amsterdam soll aber nur Startpunkt sein. Natürlich will ter Stegen jetzt dauerhaft das deutsche Tor hüten. Und endlich einmal ein großes Turnier spielen. London, Wembley, am 9. Juli 2028 im EM-Finale. Das wäre der Gipfel.

Weltklasse reichte nicht

Ein großes Turnier hat ter Stegen für Deutschland nämlich noch nicht gespielt. Nur beim Confed-Cup-Sieg 2017 war er Stammkraft, als Manuel Neuer geschont wurde. Ansonsten war der Über-Torwart immer im Weg. Obwohl, wie es Klopp formuliert, ter Stegen "auch Weltklasse war". Auch wenn Neuer verletzt fehlte, war der ehemalige Gladbacher da. So kamen immerhin schon 44 Länderspiele zusammen.

Aber: Vor der WM 2018, der WM 2022 und der Heim-EM 2024 wähnte sich ter Stegen in guter Position. Gespielt hat aber dann immer Neuer. Das bleibt als Makel. Wäre das nicht ärgerlich genug, folgte nach dessen erstem DFB-Rücktritt vor zwei Jahren ter Stegens unfassbare Verletzungspechsträhne - der Rücken, das Knie, ein Oberschenkelmuskel, irgendwas war immer.

Wieder war es also nichts mit ter Stegen und der Nationalmannschaft. Im geliebten Barcelona ging unter Trainer Hansi Flick auch noch der Stammplatz flöten. Die Leihe zum FC Girona war auch schnell beendet - wieder verletzt.

Hoffnung nie aufgegeben

Vermutlich konnte ter Stegen den Torwart-Ärger von Oliver Baumann gut nachempfinden, als der im Sommer den WM-Platz für Neuer kurzfristig räumen musste. Eine Sympathie- oder Mitleidswelle wie für den Hoffenheimer gab es für ihn aber nie. Warum? Ter Stegen hatte nie eine richtige Lobby in der deutschen Fußball-Welt. Vielleicht, weil er früh durch den Wechsel zum FC Barcelona aus dem deutschen Tagesgeschäft verschwunden war. Vielleicht, weil Neuer alles überstrahlte.

Dabei ist ter Stegen eine öffentliche Figur, gibt auf Social-Media-Plattformen auch private Einblicke. Das Ehe-Aus, eine neue Liebe, das dritte Kind. Auch hier hat sich Schmerz in neues Glück gewandelt.

"Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich nicht auch öfter mal gezweifelt habe - gerade nach einer Verletzung, gerade wenn die eine in die nächste übergeht", berichtete er von den sportlich dunklen Tagen. Doch die Hoffnung hat er nicht aufgegeben und geschuftet für das Comeback. "Weil das meine Mentalität ist und ich mich als Mensch auch so sehe", sagte ter Stegen.

Konkurrenz lauert

Konkurrenzlos ist er keineswegs. Klopp hat ihn als Routinier geholt, statt Baumann. "Im Moment" sei er die Nummer eins. Dahinter lauern gleich vier jüngere Torhüter im großen Klopp-Kader. Alexander Nübel (29), Finn Dahmen (28), Noah Atubolu (24) und natürlich Jonas Urbig (23), der als Backup schon bei der WM dabei war. Den designierten Neuer-Nachfolger beim FC Bayern sehen viele schon als logische Nummer 1 der Zukunft. Ter Stegen wird für sein Happy End wieder gegen einen Münchner kämpfen müssen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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