Olympia 2026: Alarm im Eishockey-Team: Ex-Kapitän warnt vor Blamage

Obwohl die Ausgangslage vor der K.-o.-Runde bei Olympia günstig ist, knallt es im deutschen Eishockey-Team. NHL-Stars und DEL-Spieler funktionieren nicht als Einheit. Der Ex-Kapitän spricht Klartext.

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Die Olympischen und Paralympischen Ringe vor einem Bergpanorama. (Foto) Suche
Die Olympischen und Paralympischen Ringe vor einem Bergpanorama. Bild: Adobe Stock / M. Claushallmann

Der Weg zu einer erneuten olympischen Medaille ist für das nur auf dem Papier beste deutsche Eishockey-Team jemals ohne eigenes Zutun geebnet. Vor der Pflichtaufgabe gegen Frankreich in der Viertelfinal-Qualifikation am Dienstag (12.10 Uhr/ARD und Eurosport) offenbaren sich jedoch erhebliche Probleme, die selbst eine völlige Blamage gegen den großen Außenseiter nicht unmöglich erscheinen lassen.

"Man muss demütig genug sein, dass wir gegen jeden Gegner hier verlieren können. Das muss in unseren Kopf rein", warnte der langjährige DEB-Kapitän Moritz Müller nach der verkorksten Vorrunde, die mit einem 1:5 gegen Weltmeister USA endete. Anschließend platzte es aus vielen Spielern heraus, warum es trotz des top-besetzten Kaders bislang nicht richtig läuft in Mailand.

Stützle genervt, Hohn für Draisaitl

"Mir geht es ein bisschen auf den Keks, dass immer nur über NHL-Spieler geredet wird. Das interessiert keinen, wer wo spielt. Wir sind eine Mannschaft, und die DEL-Spieler sind genauso wichtig wie wir alle", polterte Tim Stützle.

Der NHL-Starstürmer der Ottawa Senators ist mit vier Treffern - unter anderem dem Ehrentreffer gegen die USA - zusammen mit dem Kanadier Macklin Celebrini erfolgreichster Olympia-Torschütze. NHL-Weltstar Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers erlebte dagegen gegen die USA einen bitteren Abend ohne einen einzigen Torschuss und musste sich auch noch von den eigens auf ihn abgestellten Brüdern Matthew und Brady Tkachuk wegen seiner bisherigen Titellosigkeit verhöhnen lassen.

"Immer nur die Brautjungfer, niemals die Braut, was Leon", höhnte Matthew Tkachuk vom Stanley-Cup-Sieger Florida Panthers auf dem Eis und nahm Draisaitl in Manndeckung aus dem Spiel. Von der deutschen Bande oder aus dem Team kam kein Impuls, sich dagegen zu wehren. "Was soll ich machen? Beide Tkachuks haben gegen Leon gespielt. Ich kann nichts machen", sagte Bundestrainer Harold Kreis erstaunlich hilflos.

Alarmierende Worte von Ex-Kapitän Müller

Entnervt stapfte der deutsche Kapitän Draisaitl wortlos in die Kabine. Klartext sprach dagegen der für Olympia und die drei NHL-Stars Draisaitl, Stützle und Moritz Seider abgesetzte Kapitän. "Im Vorfeld ist viel darüber gesprochen worden, wie gut diese Mannschaft ist. Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe – das war 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen", sagte Routinier Müller, der vor acht Jahren Olympia-Silber gewann und vor drei Jahren Vize-Weltmeister geworden war.

Gegen die USA erhielt der 39 Jahre alte Abwehrspieler deutlich mehr Eiszeit als zuvor gegen Dänemark (3:1) und Lettland (3:4) und war mit seinem Körpereinsatz neben Stützle auffälligster deutscher Spieler. Mit seinen alarmierenden Worten verdeutlichte Müller, dass es in der Mannschaft nicht funktioniert. "Wir haben mit Sicherheit die besten Spieler dabei. Aber wir müssen auch verstehen, wie wir als Mannschaft auf dem Niveau zu spielen haben. Da braucht es halt eine geschlossene Mannschaftsleistung und geradliniges Eishockey", sagte Müller.

Kurios: Medaille trotzdem nicht ausgeschlossen

Mit viel Glück und dank dänischer Schützenhilfe wurde die DEB-Auswahl trotzdem Gruppenzweiter. Die Ausgangslage mit dem Spiel gegen Frankreich und einem im Erfolgsfall folgenden Viertelfinale am Mittwoch (12.10 Uhr) gegen die Slowakei ist nun günstig. "Man kann sagen, dass man so ein bisschen mit einem blauen Auge davongekommen ist", sagte NHL-Verteidiger Seider (Detroit), und Stützle bekannte trotz Platz zwei in der Gruppe: "Vor dem Turnier hätte das jeder mitgenommen. Wir müssen auf jeden Fall noch einige Schippen drauflegen, damit es hier weitergeht."

Laut Müller und selbst Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm ist noch zu viel auf die NHL-Stars und ihr Spiel zugeschnitten. "Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, die mit zu den besten auf der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn jemand von denen auf dem Eis ist, dass wir denen jedes Mal die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert", kritisierte Müller und Sturm ergänzte: "Weil wir jetzt die Spieler haben, die auch Spielmacher sind, kommen wir manchmal ein bisschen von unserem System weg. Und das ist immer noch verteidigen und hinten stabil stehen und nicht in Schönheit sterben." Sturms Prognose für die Pflichtaufgabe gegen Frankreich: "Wie Dänemark und Lettland, ekelhaft."

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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