Olympia 2026: Crashs und Pech: Snowboardern drohen medaillenlose Spiele
Kollisionen, verpasste Finals und enttäuschte Gesichter: Warum die deutschen Snowboarder trotz Kampfgeist und teils guter Leistungen bei Olympia hinterherfahren – und was sich jetzt ändern soll.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Leon Ulbricht raste mit Wut im Bauch den letzten Lauf hinunter, Noah Vicktor verließ das Olympia-Gelände sichtlich enttäuscht. Nach dem bislang medaillenlosen Abschneiden der deutschen Snowboarder zog Sportdirektor Andreas Scheid eine ernüchternde Bilanz: "Das, was wir gezeigt haben, war im Großen und Ganzen nicht nach unseren Vorstellungen."
Die Liste der Rückschläge ist lang: Unter anderem schied Ramona Hofmeister als Medaillenkandidatin im Parallel-Riesenslalom nach einem Einfädler frühzeitig aus. Ulbricht und Martin Nörl kollidierten im Snowboardcross miteinander. Vicktor blieb im Big Air und im Slopestyle ohne Chance auf ein Finalticket. Christoph Lechner verpasste in der Halfpipe ebenfalls die Entscheidung. Lediglich Annika Morgan kann am Dienstag im Slopestyle-Finale (13.00 Uhr) noch für einen versöhnlichen Abschluss sorgen, eine Medaille wäre aber ziemlich überraschend.
Differenzierte Betrachtung
"Es gibt zu jedem Rennen eine eigene Geschichte", sagte Scheid der Deutschen Presse-Agentur. In seiner Analyse unterscheidet er jedoch klar zwischen den Disziplinen: Während die deutschen Athletinnen und Athleten im alpinen Bereich konkurrenzfähig seien, sei der Abstand im Freestyle deutlich größer.
Noah Vicktor bekam das zu spüren. Er sagte zu seinen verpassten Final-Einzügen: "Man arbeitet so lange hin auf dieses Event. Wenn es dann nicht klappt, tut das einfach weh."
Hofmeister hatte sich mit zwei Weltcupsiegen eindrucksvoll aus einer langen Verletzungspause zurückgemeldet, doch der Sprunggelenkbruch hatte ihre Vorbereitung erheblich beeinträchtigt. Bei Ulbricht und Nörl kam nach Einschätzung des Funktionärs vor allem Pech hinzu.
Ulbricht, von Scheid als "Diamant" bezeichnet, wollte die Leistung dennoch nicht schlechtreden. "Unsere Performance war gut, das ist auch die Einschätzung des Trainerteams", sagte der 21-Jährige. Sowohl im Einzel bis zu seinem Sturz als auch im Mixed-Team habe man gezeigt, dass man mithalten könne. "Der Hype im Team ist echt spürbar, auch wenn es für Leute schwer zu verstehen ist, die nicht hier dabei sind."
Wie schon bei den Spielen 2022 in Peking bleibt die Ausbeute jedoch hinter den Erwartungen zurück. "Die Medaillenbilanz repräsentiert nicht das Können des Verbandes", findet Athletin Jana Fischer. Im Teamwettbewerb konnte sie eine aussichtsreiche Ausgangslage nicht nutzen.
Niveau bei Olympia noch einmal höher
Scheid verwies darauf, dass es in der Vorbereitung an nichts gefehlt habe. Trotz meist guter materieller Voraussetzungen droht Snowboard Germany den Wettlauf gegen Nationen wie Australien, Japan, China und Neuseeland zu verlieren - insbesondere in den Freestyle-Wettbewerben. "Es gibt die Weltcups und dann gibt es noch die Olympischen Spiele - und da hatte ich das Gefühl, dass manche noch einmal 20 Prozent nach vorn gekommen sind."
Mit Blick auf die internationale Konkurrenz spricht Scheid davon, dass man keine Zeit verlieren dürfe. Die ausbleibenden Erfolge sind längst keine Momentaufnahme mehr, sondern die Auswirkungen eines strukturellen Problems. Daraus leitet Scheid konkreten Handlungsbedarf ab.
Mit gezielten Ausbildungskonzepten, besseren Trainingsmöglichkeiten und vor allem mehr Zeit in der Halfpipe und im Snowpark möchte Scheid den Trend stoppen. "Wir müssen konkurrenzfähig werden - nicht bleiben, sondern erst einmal werden."
Allerdings könnten die ausbleibenden Erfolge Auswirkungen auf die finanzielle Förderung haben. Olaf Tabor, Chef de Mission vom Deutschen Olympischen Sportbund, bestätigte: "Die aktuellen Ergebnisse bei den Winterspielen in Mailand und Cortina beeinflussen die künftige Bundesmittelförderung. Allerdings ist ein direkter Rückschluss auf die Höhe der Förderung ohne Kenntnis der übrigen Parameter nicht möglich."
Für Scheid geht es nun darum, Vertrauen zurückzugewinnen, um die Pläne realisieren zu können. "Mit Sicherheit werden das harte Verhandlungen", erklärte der Funktionär. "Wir bleiben da dran und geben Gas."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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