Regen speichern statt ableiten: Der Schwammgarten spart Tausende Euro

Zisternen kosten bis zu 20.000 Euro. Dabei liegt der beste Wasserspeicher direkt unter unseren Füßen. Ein Landschaftsarchitekt erklärt, wie der eigene Gartenboden Hunderte Liter Regenwasser aufnehmen kann.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen im Garten. (Foto) Suche
Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen im Garten. Bild: AdobeStock / Wellnhofer Designs
  • Schwammgarten speichert Regenwasser direkt im Boden – statt teurer Zisterne
  • Ein Kubikmeter humusreicher Boden kann mehrere hundert Liter Wasser aufnehmen
  • Landschaftsarchitekt Jens Daute erklärt, wie man den Garten in einen Schwammgarten verwandelt

Trockenperioden und Starkregen wechseln sich immer häufiger ab. Für Gartenbesitzer ist das eine echte Herausforderung. Wer seinen Garten widerstandsfähig gegen diese Wetterextreme machen möchte, musste bisher oft tief in die Tasche greifen. Landschaftsarchitekt Jens Maute kennt das Problem aus seiner 36-jährigen Berufserfahrung: Große Zisternen kosten zwischen 5.000 und 20.000 Euro. In seinem Ratgeber "Wasser im Garten clever managen" stellt er nun eine deutlich günstigere Alternative vor: den Schwammgarten. Das Prinzip dahinter ist simpel. Der Gartenboden selbst wird zum Wasserspeicher. Wie ein Schwamm soll sich das Erdreich mit Regenwasser vollsaugen und es bei Trockenheit wieder an die Pflanzen abgeben.

Gartenboden speichert Hunderte Liter Wasser

"In unseren Gärten steckt ein riesiges Potenzial zur Regenwasserspeicherung – und das für sehr wenig Geld", erklärt Maute. Mit einfachen baulichen Maßnahmen lässt sich dieser natürliche Speicher aktivieren. Der Erdboden ist laut Maute der größte und zugleich günstigste Wasserspeicher, den Gartenbesitzer nutzen können. Die Zahlen sind beeindruckend: Ein einziger Kubikmeter humusreicher Gartenboden nimmt mehrere hundert Liter Wasser auf. Allerdings unterscheiden sich die Speicherkapazitäten je nach Bodenart erheblich. Die höchste Aufnahmefähigkeit besitzen Tonböden. Sie können zwischen 30 und 45 Prozent des Niederschlags speichern.

Für einen funktionierenden Schwammgarten spielen drei Faktoren zusammen: die Geschwindigkeit, mit der Wasser abfließt, die Eindringtiefe ins Erdreich und die aufgenommene Wassermenge. Je nach Hanglage, Bodenart und vorhandener Bepflanzung braucht jeder Garten eine individuelle Lösung. Verdichtete Böden lassen sich durch gezielte Maßnahmen verbessern.

Verlangsamen, verteilen, versickern: Der Weg zum Schwammgarten

Das Herzstück des Schwammgarten-Konzepts bildet die Methode "Slow it, spread it, sink it" – auf Deutsch: verlangsamen, verteilen, versickern. Statt Regenwasser schnell abzuleiten, wird es gezielt im Garten gehalten. Der erste Schritt: Den eigenen Garten bei Regen beobachten und dem Weg des Wassers folgen. So lässt sich erkennen, wo Wasser abfließt und wo es sich sammelt. Anschließend wird der Abfluss gebremst und das Wasser auf mehrere Bahnen verteilt. Bei Hanggrundstücken empfiehlt Maute, kleine Hügel quer zur Neigung anzulegen. Stauden und Bodendecker stabilisieren zusätzlich den Boden und verhindern Erosion. Aus einem einzelnen Rinnsal entstehen so viele kleine Wasserläufe, die langsam ins Erdreich einsickern. Diese Vorgehensweise verhindert Pfützenbildung und schützt Beete vor Überschwemmungen. Gleichzeitig stabilisiert sich das Kleinklima im Garten.

Sickermulden und bepflanzte Rinnen als Gestaltungselemente

Für die praktische Umsetzung des Schwammgarten-Prinzips nennt Maute verschiedene bauliche Elemente. Sickermulden, Kiesmulden und Kiesgräben leiten das Wasser gezielt ins Erdreich. Bepflanzte Rinnen verbinden dabei Funktion mit Ästhetik. Ein wichtiges Gestaltungsprinzip: Wege sollten höher angelegt werden als die angrenzenden Beete. So fließt Regenwasser automatisch in die Pflanzflächen statt auf versiegelte Bereiche. Auch flache Mulden im Rasen oder in Beeten helfen bei der Wasseraufnahme. Versiegelte Flächen lassen sich mit Kies oder Rasengittersteinen entsiegeln. Mulch und Kompost verbessern zusätzlich die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Das sogenannte Höhenlinien-Design nutzt die natürliche Geländeneigung: Gräben, Hügel und Senken werden so angelegt, dass sie das Wasser optimal verteilen.

Maute erklärt in seinem Buch unter anderem, wie man einen Höhenlinien-Graben, ein Hügel-und-Senken-System, Versickerungsmulden, Sickerlöcher sowie verschiedene Überläufe anlegt. Zu jedem Projekt liefert der Ratgeber Bauanleitungen mit Materialangaben, Werkzeuglisten und passenden Pflanzvorschlägen.

Doppelter Nutzen für Garten und Nachbarschaft

Die Wasserhalteeinrichtungen im Schwammgarten wirken in zwei Richtungen: Bei Starkregen verhindern sie Überflutungen, bei Trockenheit versorgen sie die Pflanzen aus dem gespeicherten Vorrat. Maute betont, dass der Bau dieser Elemente nicht nur das eigene Grundstück verbessert. Gleichzeitig wird die örtliche Kanalisation entlastet. Ein weiterer Vorteil ist die sogenannte Verdunstungskälte. Wenn gespeichertes Wasser langsam verdunstet, kühlt sich die Umgebung ab. Davon profitieren auch die Nachbarn. Das Mikroklima im Garten wird angenehmer, was besonders in heißen Sommern spürbar ist. Zusätzlich fördert ein Schwammgarten die Artenvielfalt. Wechselfeuchte Bereiche bieten Lebensraum für verschiedene Pflanzen und Tiere. Das Grundwasser wird aufgefüllt, statt dass Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation abfließt. "Wer frühzeitig auf die neue Situation reagiert, kann sich besser anpassen und natürliche Ressourcen langfristig erhalten", fasst Maute zusammen.

"Wasser im Garten clever managen" von Jens Maute (Foto) Suche
"Wasser im Garten clever managen" von Jens Maute Bild: Kosmos Verlag

Fazit: Extreme Wetterlagen werden bleiben. Doch Gärten können lernen, damit umzugehen. Mit "Wasser im Garten clever managen" liefert Jens Maute einen fundierten, praxisnahen Leitfaden für Hobbygärtner, die Regenwasser nicht länger als Problem sehen wollen, sondern als wertvolle Ressource. Ein Buch für alle, die ihren Garten in eine grüne Oase verwandeln möchten – egal ob bei Dauerregen oder Dürre.

Titel: "Wasser im Garten clever managen"
Autor: Jens Maute
Verlag: Kosmos Verlag, 2026
Seitenzahl, Buchart: 128, Paperback
Preis: 22,00 Euro
ISBN: 978-3-440-18411-0

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