Global Peace Index: Das sind die (un)friedlichsten Länder der Erde
Die weltweite Friedenslage verschlechtert sich weiter. Ein neuer Bericht zeigt eine dramatische Zunahme globaler Konflikte. Besonders alarmierend: Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg waren so viele Länder gleichzeitig in Kriege verwickelt.
Von news.de-Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Global Peace Index 2026: Weltweite Friedenslage verschlechtert sich zum 12. Mal in Folge
- Über 181.000 Kriegstote im vergangenen Jahr – zweithöchster Wert seit Beginn der Erhebung
- Die unsichersten und sichersten Länder im Überblick
Erneut hat sich die weltweite Friedenslage verschlechtert. Und das bereits zum zwölften Mal in Folge. Das zeigt der aktuelle Global Peace Index 2026, den das Institut für Economics & Peace veröffentlicht hat. Besonders alarmierend: Die Zahl der aktiven zwischenstaatlichen Konflikte liegt derzeit höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Seit 2008 hat sich die Anzahl der Länder, die in externe Konflikte verwickelt sind, nahezu verdoppelt – von 59 auf 103.
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Die Bilanz der Opfer ist verheerend. Mehr als 181.000 Menschen starben im vergangenen Jahr durch Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen. Damit verzeichnet der Index die zweithöchste Zahl an Konflikttoten seit seiner Einführung vor fast zwei Jahrzehnten. Nur 2023 forderten Kriege noch mehr Menschenleben.
Global Peace Index 2026: Das sind die sichersten Staaten der Welt
Angesichts der eskalierenden Lage stellt sich die Frage: Welche Länder gelten im Falle eines großen Konflikts als sicherste Zufluchtsorte? Im Ranking der 163 untersuchten Staaten belegt Russland erneut den letzten Platz. Damit gilt das Land wie schon im Vorjahr als unfriedlichstes der Welt. Auf den hinteren Rängen folgen der Sudan, die Demokratische Republik Kongo, die Ukraine und Israel. Am anderen Ende der Skala behauptet Island seine Spitzenposition – bereits zum 19. Mal in Folge. Der Inselstaat im Nordatlantik gilt damit weiterhin als friedlichstes Land weltweit. Neuseeland verbesserte sich um einen Rang auf Platz zwei, während die Schweiz auf den dritten Platz zurückfiel.
Der Index zeigt eine wachsende Kluft zwischen stabilen und instabilen Regionen. Während die friedlichsten Länder ihr Niveau weitgehend halten können, verschlechtert sich die Lage in den Krisengebieten weiter dramatisch. Insgesamt verzeichneten 99 der erfassten Staaten eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr.
Sudan, Ukraine und der Zwölf-Tage-Krieg treiben die Gewalt
Drei Konflikte prägen die dramatische Verschlechterung der globalen Friedenslage maßgeblich. Der Bürgerkrieg im Sudan und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sind für den Großteil der über 181.000 Kriegstoten verantwortlich. Hinzu kommt der kurze, aber folgenschwere Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel, den Vereinigten Staaten und dem Iran im Juni 2025.
Die Experten des Instituts für Economics & Peace sehen die Welt heute in einem "fragileren und militarisierteren Zustand als jemals zuvor seit Bestehen des Index". Kriege werden zunehmend internationaler und lassen sich gleichzeitig schwerer beenden. Der Anteil der Konflikte, die mit einem Friedensabkommen enden, sank von 23 Prozent in den 1970er Jahren auf nur noch etwa vier Prozent in den 2010er Jahren. Weltweit identifiziert der Bericht acht klar abgegrenzte Konfliktcluster, zu denen nahezu jedes einzelne Konfliktland gehört.
KI verkürzt Entscheidungszeit auf fünf Sekunden
Künstliche Intelligenz verändert die moderne Kriegsführung grundlegend. Die Zeitspanne von der Zielerfassung bis zum Abfeuern hat sich in einigen Systemen auf nur noch fünf Sekunden verkürzt – in den 1990er Jahren dauerte dieser Vorgang bei Marschflugkörpern noch einen ganzen Tag. Gleichzeitig stieg die Zahl der Drohnenangriffe zwischen 2018 und 2025 um das 115-Fache. Diese Entwicklung erhöht das Risiko für Zivilisten drastisch. KI-gestützte Systeme reduzieren die menschliche Entscheidungskompetenz erheblich. Der Bericht warnt: "Militärische Fähigkeiten entwickeln sich schneller als die rechtlichen und regulatorischen Rahmenwerke, und die Rolle des menschlichen Urteils innerhalb dieser Systeme wird immer ungewisser." Während Milliarden in militärische KI-Anwendungen fließen, bleiben Initiativen für KI-gestützte Friedensförderung chronisch unterfinanziert.
Gewalt kostet die Weltwirtschaft 21,8 Billionen Dollar
Die wirtschaftlichen Folgen von Konflikten und Gewalt erreichen astronomische Ausmaße. Im Jahr 2025 beliefen sich die Kosten auf 21,8 Billionen US-Dollar – das entspricht 10,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Belastung verteilt sich dabei höchst ungleich: In den zehn am stärksten betroffenen Ländern verschlingen gewaltbedingte Kosten durchschnittlich 23,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während es in den zehn friedlichsten Staaten nur 2,2 Prozent sind. Die weltweiten Militärausgaben stiegen zum zehnten Mal in Folge und erreichten insgesamt 2,9 Billionen US-Dollar. Besonders NATO-Staaten rüsteten massiv auf – ihre Verteidigungsbudgets wuchsen real um etwa 20 Prozent. Allein die Militärausgaben machen 43 Prozent der gesamten ökonomischen Gewaltkosten aus. Demgegenüber stehen die Investitionen in Friedensförderung und Peacekeeping mit lediglich 49,2 Milliarden US-Dollar – gerade einmal 0,5 Prozent der globalen Militärausgaben.
Geopolitische Risiken übersteigen Niveau des Kalten Krieges
Das Institut für Economics & Peace beschreibt den aktuellen Zustand als "Große Fragmentierung". Die Ära der rasanten Globalisierung nach 1990 ist demnach beendet und wurde durch eine Phase zunehmender Zersplitterung abgelöst. Multilaterale Institutionen verlieren an Einfluss, während sich Handelsbeschränkungen seit Beginn der Messungen verdreifacht haben. Gleichzeitig gewinnen sogenannte Mittelmächte an Bedeutung. Staaten wie die Türkei, Indonesien und Mexiko agieren zunehmend unabhängig von den traditionellen Großmächten. Die Zahl dieser Mittelmächte hat sich seit 1991 nahezu verdoppelt. Europäische Großmächte hingegen verloren massiv an wirtschaftlichem Gewicht: Deutschlands Anteil am globalen BIP sank zwischen 1995 und 2023 um 49 Prozent. Die geopolitischen Risiken übersteigen laut dem Bericht heute das Niveau des Kalten Krieges – angetrieben durch steigende Militärausgaben und den wachsenden Wettbewerb zwischen Groß- und Mittelmächten.
Terrorismus-Tote auf niedrigstem Stand seit 2008
Trotz der düsteren Gesamtbilanz verzeichnet der Global Peace Index auch positive Entwicklungen. Die Zahl der Todesfälle durch Terrorismus ist auf den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken. Auch bei den UN-Friedensmissionen zeigt sich ein Aufwärtstrend – dieser Indikator verzeichnete sogar die größte Verbesserung aller 23 gemessenen Kategorien. Leichte Fortschritte gab es zudem in den Bereichen Sicherheit und Militarisierung. Als einzige der acht Weltregionen wurde Osteuropa und Zentralasien trotz des anhaltenden Ukraine-Konflikts etwas friedlicher. Dennoch bleibt das Ungleichgewicht eklatant: Während Milliarden in Rüstung fließen, sind Friedensinitiativen nach wie vor fragmentiert und unterfinanziert. Der Bericht warnt, dass sich ohne gezielte Investitionen in Friedensstrukturen der negative Trend im kommenden Jahrzehnt fortsetzen dürfte.
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bua/ife/news.de
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