Viktor Orbán: Wutausbruch vor aller Augen - plötzlich eskalierte er komplett

Viktor Orbán verliert bei einer Wahlveranstaltung die Beherrschung und brüllt Gegendemonstranten an, sie würden nach ukrainischer Pfeife tanzen. Der ungewohnte Gefühlsausbruch des ungarischen Premiers könnte zum Wendepunkt werden.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Viktor Orbán konnte bei einem Wahlkampfauftritt nicht mehr an sich halten. (Foto) Suche
Viktor Orbán konnte bei einem Wahlkampfauftritt nicht mehr an sich halten. Bild: picture alliance/dpa/AP | Omar Havana
  • Viktor Orbán eskaliert bei Wahlkampfveranstaltung und brüllt plötzlich los
  • Orbán könnte Wahl nach Ausraster verlieren
  • Opposition spricht von "gebrochenem Mann" und Kontrollverlust

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in der westungarischen Stadt Győr kam es zu einem bisher unbekannten Gefühlsausbruch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. In der 130.000-Einwohner-Stadt hatten sich Oppositionelle unter die Kundgebungsteilnehmer gemischt und den 62-Jährigen mit Buhrufen empfangen. Videos beim Kurznachrichtendienst X belegen die Szene.

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Viktor Orbán eskaliert bei Wahlkampfveranstaltung und brüllt plötzlich los

Die Reaktion des ungarischen Regierungschefs überraschte Beobachter durch ihre Schärfe.

  • "Ihr tanzt nach der ukrainischen Pfeife und steht nicht an der Seite der Ungarn", schrie Orbán die Störer frei übersetzt an.

Er warf ihnen vor, das Land verraten zu wollen:

  • "Ihr wollt eine pro-ukrainische Regierung, die das Geld der Ungarn in die Ukraine bringt! Das ist die Wahrheit!"

Der laute Wutanfall markiert einen ungewöhnlichen Moment im laufenden Wahlkampf. Solche emotionalen Entgleisungen kennt man vom sonst beherrscht auftretenden Premier nicht. Der Vorfall ereignete sich nur zwei Wochen vor der entscheidenden Parlamentswahl am 12. April.

Orbán könnte Wahl nach Ausraster verlieren

Die Szene könnte das sorgfältig gepflegte Image des Regierungschefs nachhaltig beschädigen. Beobachter sprechen von einem potenziell entscheidenden Augenblick, der die Wahlkampfdynamik endgültig zugunsten der Opposition verschieben könnte.

Die Attacke des Ministerpräsidenten gegen die Opposition könnte sich als Bumerang erweisen. Ausgerechnet einige wohlhabende Weggefährten Orbáns stehen derzeit selbst im Verdacht, Vermögen außer Landes zu schaffen. Der Vorwurf, andere würden ungarisches Kapital verschwenden, wirkt damit deutlich weniger glaubwürdig.

  • Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch frische Enthüllungen zu den Kreml-Kontakten der Regierung. Außenminister Péter Szijjártó soll während EU-Gipfeltreffen in den Pausen mit Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow telefoniert haben. Ziel der Gespräche war es offenbar, Moskau über die internen Beratungen der Europäischen Union zu informieren.
  • Die Regierung in Budapest bestreitet diese Vorgänge nicht einmal. Stattdessen zeigt sie sich empört darüber, dass EU-Partner die Telefonate abgehört haben sollen. Diese Reaktion verstärkt den Eindruck einer engen Verbindung zum Kreml noch weiter. Für Orbáns Glaubwürdigkeit beim Thema Loyalität kommt die Affäre zur Unzeit.

Viktor Orbán:Opposition spricht von "gebrochenem Mann" und Kontrollverlust

Oppositionsführer Péter Magyar von der Tisza-Partei nutzte den Vorfall umgehend für seine Zwecke. Der 45-Jährige verbreitete seinen Kommentar auch in englischer Sprache über soziale Medien, um internationale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Seine Wortwahl zielte direkt auf den Zustand des Amtsinhabers.

  • "Obwohl er mein politischer Gegner ist, ist es dennoch traurig mitanzusehen, wie der Premierminister mit seinen inneren Dämonen kämpft - ein gebrochener Mann", schrieb Magyar.
  • Er attestierte dem Regierungschef einen vollständigen Kontrollverlust. Orbán rede inzwischen "wirres Zeug", so der Herausforderer.
  • Magyar wies den Ukraine-Vorwurf des Premiers entschieden zurück. Niemand strebe eine pro-ukrainische Regierung an, stellte er klar. Das einzige Ziel der Opposition sei ein funktionierendes Land.
  • Mit dieser Botschaft versucht die Tisza-Partei, sich als sachliche Alternative zur emotional aufgeladenen Regierungsrhetorik zu positionieren.

Umfragen prognostizieren Ende von Orbán

Die Meinungsforschungsinstitute sehen derzeit einen deutlichen Vorsprung für Herausforderer Magyar vor der anstehenden Abstimmung. Zum ersten Mal seit 2010 droht der Fidesz-Partei der Verlust ihrer parlamentarischen Dominanz. Seit 16 Jahren verfügt Orbáns Bewegung durchgehend über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament.

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