Gesundheitsministerin: Millionen unnötiger Arztbesuche - nur wegen Rezepten

Trotz Gesetz können sich Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung bis heute einfach nicht einigen. Die Folge: Noch immer müssen Millionen Patienten unnötig zum Arzt gehen - nur für Rezepte.

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Millionen von chronisch kranken Patienten müssen zu eigentlich unnötigen Terminen - nur, um sich ihr Rezept abzuholen. (Foto) Suche
Millionen von chronisch kranken Patienten müssen zu eigentlich unnötigen Terminen - nur, um sich ihr Rezept abzuholen. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
  • Millionen chronisch Kranker müssen nur wegen Rezepten zum Arzt
  • Das Gesetz schreibt eigentlich vor, dass Rezepte ein Jahr gültig sein dürfen
  • Zentrale Hürde bei der Umsetzung ist Uneinigkeit über bürokratische Details

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Eigentlich haben chronisch Kranke in Deutschland seit 2025 einen gesetzlichen Anspruch darauf, ihre Rezepte nur noch einmal jährlich statt vierteljährlich erneuern zu müssen. Und doch warten Betroffene nun seit mehr als einem Jahr vergeblich auf die praktische Umsetzung der Regelung. Der Grund:Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen haben sich bis heute nicht auf die konkreten Details geeinigt.

Hintergrund: Das Gesetz wurde noch unter dem damaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach von der Ampel-Koalition verabschiedet. Eigentlich hätte der zuständige Bewertungsausschuss bereits bis Ende August 2025 eine verbindliche Regelung vorlegen sollen, doch eine Einigung konnte bisher nicht erzielt werden. Der regelmäßige Pflichtbesuch in der Arztpraxis bleibt damit vorerst Alltag.

Immer wieder zum Arzt - trotz bester Gesundheit

Die sogenannte Quartalslogik zwingt Patienten mit chronischen Erkrankungen derzeit alle drei Monate in die Praxis – selbst wenn es ihnen gut geht und keine neuen Beschwerden vorliegen. Der Hintergrund ist rein organisatorisch: Arztpraxen rechnen quartalsweise ab und erhalten ihre Pauschale nur, wenn Patienten persönlich erscheinen.

Das Ausmaß dieser bürokratischen Hürde ist enorm. Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom RWI-Institut beziffert die jährlichen Arztkontakte in Deutschland auf rund eine Milliarde. Davon entfalle ein erheblicher Anteil allein auf Rezeptverlängerungen. "Ich gehe davon aus, dass von der einen Milliarde ein relevanter Teil, vermutlich eine siebenstellige Zahl, der Quartalslogik geschuldet ist", sagte der Experte der "Bild". Das bedeutet: Mehrere Millionen Termine pro Jahr belasten Patienten und Gesundheitssystem gleichermaßen – ohne medizinische Notwendigkeit.

Ministerin Warken droht mit Eingriff in den Streit

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zeigt sich angesichts der nun schon länger als geplant andauernden Verhandlungen ungeduldig. Die CDU-Politikerin fordert eine rasche Einigung und erhöht den Druck auf die Verhandlungspartner. "Angesichts begrenzter Versorgungskapazitäten macht es Sinn, entbehrliche Arztkontakte und Wartezeiten zu reduzieren und die bisherige Quartalslogik für Chroniker zu überwinden", erklärte sie.

Die Ministerin kündigte an, notfalls selbst einzugreifen: "Sollte es zu weiteren deutlichen Verzögerungen kommen, werden wir im Rahmen unserer Rechtsaufsicht die erforderlichen Schritte prüfen." Gleichzeitig betonte Warken, dass die Reform weder für Krankenkassen noch für Beitragszahler zu Mehrkosten führen werde.

Grundsätzlich einig, aber technisch kompliziert

Sowohl Ärztevertreter als auch Krankenkassen betonen ihre prinzipielle Unterstützung für die Reform. Stefanie Stoff-Ahnis, Co-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, bezeichnete Jahresrezepte als "gut und richtig". Bestimmten chronisch Kranken würden unnötige Wege erspart, gleichzeitig entlaste es die Praxen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verweist allerdings auf eine "komplexe Herausforderung". Die neue Jahrespauschale müsse in das bestehende Abrechnungssystem integriert werden - technisch sei das schwierig. Zudem stehe die Höhe der Pauschale pro Patient noch nicht fest. Ein KBV-Sprecher rechnet dennoch mit einer Vereinbarung im Frühjahr.

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