Erfurt: CSDs in Thüringen: Die Unbeschwertheit ist weg
In Thüringen werden Christopher Street Days von steigenden Anfeindungen begleitet. Warum sich Organisatoren dennoch für mehr Akzeptanz einsetzen und welche Herausforderungen sie sehen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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In Thüringen laufen die Vorbereitungen für die diesjährigen Christopher Street Days (CSDs). Bis in den Spätsommer hinein sind im Freistaat insgesamt 13 Veranstaltungen geplant - zudem ein "Dyke March" in Weimar, um für lesbische Sichtbarkeit zu demonstrieren.
Neben Städten wie Jena (20. Juni), Weimar (27. Juni) und Erfurt (5. September) gibt und gab es Regenbogen-Paraden auch in kleineren Kommunen wie Neustadt/Orla, Sonneberg, Suhl oder Mühlhausen.
"Das Ziel ist es, mehr Akzeptanz für queere Personen aufzubauen, damit sich niemand verstecken muss", sagte Matthias Gothe vom Verein QueerWeg in Jena.
Die Organisatoren sehen sich dabei zunehmenden Herausforderungen gegenüber. Eines der größten Probleme sei die zunehmende Bedrohung vor allem aus dem rechtsextremen Spektrum, hieß es etwa von den Sprechern des CSD Gera, Mühlhausen, Weimar und Erfurt.
"Für unseren CSD in Mühlhausen macht uns die teilweise gegen uns aufgehetzte Stimmung Sorgen", sagte eine Sprecherin des Orga-Teams. "Allerdings bekommen wir auch viel Zuspruch und Unterstützung - was umso mehr zeigt, dass unser Engagement richtig ist."
Wenn Sichtbarkeit Schutz braucht
Vor allem die kleineren CSDs seien unverhältnismäßig stark von Störungen und Anfeindungen betroffen, sagte Gothe vom Jenaer Verein. Im vergangenen Jahr habe es bei zehn der elf Demos für sexuelle Vielfalt im Freistaat Zwischenfälle in Form von Beschimpfungen oder gar Übergriffen gegeben. "Dieses Problem ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen."
Dies wirke sich auch auf die Teilnehmer aus, so Gothe. Während einige aus Angst fernblieben, gebe es auch immer wieder Menschen, die sich selbst nicht als "queer" definierten, aber sich aus Solidarität an den friedlichen Demonstrationen beteiligten.
Vor allem die An- und Abreise der Teilnehmer geschehe aus Angst vor Anfeindungen mittlerweile oft in Gruppen oder "inkognito". Bei den Queer-Paraden selbst würden inzwischen auch Sicherheitskonzepte erstellt, sagte Gothe. "Das ist eine neue Dimension, die es früher nicht gab."
Teilweise sorgen auch ausbleibende Hilfen bei der Finanzierung für Probleme. Unter anderem für den CSD in Gera gebe es mittlerweile keine finanzielle Unterstützung durch das Bundesprogramm "Demokratie Leben!" mehr. Während dieser Ausfall in anderen Städten durch Spenden habe aufgefangen werden können, sei das in Gera deutlich schwieriger, hieß es aus dem Vorstand.
In Weimar kritisieren die Veranstalter eine mangelnde Unterstützung durch die Stadt. Die aktuellen Entwicklungen seien sehr bedauerlich, meinte Gothe. "Die Unbeschwertheit ist teilweise verschwunden. Es gibt mehr Bedenken und Vorsicht."
Vom Protest zur festen Tradition
Den ersten CSD im Freistaat gab es laut Gothe 1999 in Jena. Die dortige Veranstaltung ist auch die größte ihrer Art in Thüringen. Neben den Umzügen finden im Zuge der CSDs in Thüringen auch Lesungen, Workshops oder andere Veranstaltungen statt.
Die Bezeichnung Christopher Street Day bezieht sich auf die gleichnamige Straße im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, wo Homosexuelle und andere queere Menschen im Jahr 1969 gegen Polizeiwillkür demonstrierten. In New York findet der CSD-Straßenumzug jedes Jahr am letzten Samstag im Juni statt.
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