Kassel/Frankfurt: Picknick am Grab - Wie Hessen um Haustiere trauern
Tierurnen fürs Wohnzimmer, Armbänder aus Fell: In Hessen trauern Menschen kreativ und intensiv um ihre Tiere. Warum ein Tierfriedhof für viele mehr als nur ein Ort der Erinnerung ist.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Pfotenabdrücke in Gips gepresst, Armbänder aus Tierhaaren geflochten, Urnen in Regenbogen- und Herzform handgefertigt: Wenn ein Haustier stirbt, findet die Trauer viele Ausdrucksformen. "Die Menschen wollen das Tier damit würdigen und die Leere aufzeigen, die es hinterlässt", sagt Tatjana Ahle-Rosental vom Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Haustiere hätten heute einen ganz anderen emotionalen Stellenwert als früher. "Sie sind Begleiter im Alltag, Familienmitglied, und laufen nicht mehr einfach so nebenher", erklärt die Kuratorin.
Wohin mit dem verstorbenen Haustier?
"Wohin mit dem Hund?", fragt das Museum, in dem sich alles um die Themen Sterben, Tod und Totengedenken dreht, deshalb in einer Sonderausstellung. Sie widmet sich der Mensch-Tier-Beziehung - im Leben wie im Tod. Gezeigt werden bis zum 1. November neben Exponaten wie Urnen und Särgen unter anderem Fotografien und Interviews. Auch einen klitzekleinen Fliegensarg gibt es zu sehen.
Wer will, kann auch selbst aktiv werden. Die Besucher werden etwa aufgefordert anzukreuzen, welches Tier sie beerdigen würden - von Hund über Katze und Pferd bis zum Wal, Huhn und zur Ameise.
Hunderte Gräber auf Tierfriedhof in Frankfurt
Und welche Tiere werden in Hessen tatsächlich beigesetzt? Auf dem Tierfriedhof in Frankfurt-Rödelheim ruhen neben Hunden und Katzen auch Schildkröten, Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen, berichtet Geschäftsführer Hans-Peter Clieves. Etwa 600 Gräber gibt es dort aktuell, darunter bis zu 20 Urnengräber. "Tierurnen dürfen ja mit nach Hause genommen werden. Das machen auch die meisten", erklärt Clieves, der selbst Tierbestatter ist.
Der Friedhof, der vom Tierschutzverein getragen wird, werde hauptsächlich von Menschen genutzt, die ihre Haustiere nicht verbrennen lassen wollten. Die Nachfrage habe deutlich zugenommen. Tierbesitzer wollten immer häufiger eine "anständige" Bestattung. Im vergangenen Jahr habe es auf dem Tierfriedhof in Frankfurt rund 100 Beisetzungen gegeben.
Zeit für den Abschied
Die Tierhalter können dort wählen zwischen einem Pachtgrab und einer anonymen Grabstätte. "Mindestens drei Viertel entscheiden sich für das Pachtgrab", berichtet Clieves. Vor der Bestattung werden die Tiere in einer Abschiedslaube aufgebahrt. "Die Besitzer haben so lange Zeit, wie sie möchten, um sich zu verabschieden", erklärt Clieves.
Zur Bestattung kämen Einzelpersonen ebenso wie Großfamilien. Eine Familie habe ein Picknick veranstaltet. "Sie haben einen kleinen Leichenschmaus mit all den Dingen gemacht, die der Hund besonders gerne gemocht hat."
Wie es danach weitergeht, sei sehr unterschiedlich. "Es gibt Leute, deren Tier ist seit 15 Jahren tot, aber sie kommen immer noch einmal die Woche", schildert Clieves. Besonders für ältere Menschen sei das Tier oft ein Lebenspartner gewesen. "Sie stellen sich eine Bank auf und sitzen lange am Grab." Der Friedhof sei häufig auch Treffpunkt für trauernde Tierbesitzer.
"Machen das aus Tierliebe"
"Andere hingegen kommen einmal zur Beisetzung und lassen das Grab dann verlottern." Der Friedhof biete daher auch Grabpflege an. Der überwiegende Teil der Tierhalter aber besuche und pflege die Grabstätte. Die Mindestruhezeit beträgt laut Clieves drei Jahre und kann jeweils um ein Jahr verlängert werden. "Die, die sich kümmern, verlängern auch fast alle."
Ein Tierfriedhof sei kein "dolles Geschäft", sagt Clieves. Aber: "Wir machen eine schwarze Null und sind damit zufrieden." Man mache das schließlich aus Tierliebe.
Einzelkremierungen am häufigsten
"Tierliebe, Empathie und Verständnis sind den Tierhaltern, die zu uns kommen sehr wichtig", sagt auch Janina Zakel von der Tierbestattung Rosengarten. Das Unternehmen betreibt bundesweit rund 60 Filialen, drei davon in Hessen - in Gudensberg, Heusenstamm und Lahnau. Die Tiere werden dort eingeäschert, entweder einzeln oder mit mehreren Tieren zusammen.
Viele Tierbesitzer wünschten sich eine Einzelkremierung, berichtet Zakel. Eingeäschert würden Klein- und Haustiere wie Hamster, Ratten, Meerschweinchen, Katzen, Hunde, manchmal auch Vögel, Fische und Schildkröten. Auch Pferde kremiert das Unternehmen, Nutztiere wie Hühner, Schafe, Kühe und Schweine hingegen sind nicht erlaubt.
Die Halter wollten einen guten und würdigen Abschluss, erklärt Zakel. "Sie wollen keine Verwertung ihres Tieres, sondern eine Bestattung nach ihren Wünschen." Sie brauchten diesen Abschluss, um zu trauern und Abschied zu nehmen.
Besondere Mensch-Tier-Beziehung
Wichtig sei ein verständnisvoller Rahmen, ein sicherer Raum zum Austausch. "Halter und Tier hatten eine intensive Beziehung, das Tier hat ihr Leben begleitet." Tier-Mensch-Beziehungen überdauerten manche Mensch-zu-Mensch-Beziehung. Nicht jeder habe für diese besondere Verbindung Verständnis. Für Kinder etwa seien die Jahre mit dem Tier oft prägend gewesen. Sie seien mit ihm groß geworden und kämen beim Tod des Tieres manchmal erstmals mit dem Thema Sterben in Berührung.
Der Tod des Haustiers sei für viele Besitzer ein Tabuthema, meint Zakel. "Sie denken nur ungern darüber nach, solange das Tier lebt." Dabei sei es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, was man sich für es wünscht. "Der Tod gehört zum Leben dazu, auch der eines Haustiers." Die Tierbestattung sei eine "gute und pietätvolle Möglichkeit des Abschieds, die keinen Schrecken haben muss."
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