Gerstewitz: Jahrtausende alter Ritualort bei Gerstewitz
Eine geheimnisvolle Feuerstelle, ein junger Mann mit Schädelverletzung und uralte Rinderknochen: Was Archäologen bei Gerstewitz aus rund 4.500 Jahren Geschichte freilegen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Archäologen haben bei Ausgrabungen entlang der Stromtrasse des SüdOstLinks bei Gerstewitz (Burgenlandkreis) eine etwa 4000 bis 4500 Jahre alte Bestattung der "Schnurkeramischen Kultur" freigelegt. Der zum Zeitpunkt des Todes rund 25 Jahre alte Mann lag in einer Ofengrube.
"Solche Feuerstellen sind für den Mitteldeutschland typisch und als zweikammerige Systeme ausgeformt", erläuterte die Projektleiterin und Archäologin Johanna Kleinecke. "In ihrer Bauweise gleichen diese Befunde den bis heute immer wieder schnell im Gelände angelegten Hitzegruben."
Unterirdisch verbundene Gruben
Zwei unterirdisch verbundene Gruben ermöglichen eine besonders effiziente und heiße Verbrennung. "Hier bei Gerstewitz lagen die Überreste eines Mannes in der für die schnurkeramische Zeit typischen Hockerstellung auf der rechten Seite mit Blick nach Süden. Die Arme waren vor dem Kopfbereich angewinkelt. Zudem weist der Schädel eine Verletzung auf", sagte die Anthropologin Xandra Dalidowski.
Auch von weiteren im Zuge der Stromtrasse freigelegten Fundstellen sind vergleichbare Ofengruben belegt, doch diese sind in aller Regel fundleer, merkt Grabungsleiter Christan Pabst an. Selten liegen darin fast vollständige Rinder, in Ausnahmefällen teilzerstückelte Hundeskelette oder Mahlsteine. Immer wieder wurden solchen Feuerstellen im Nachgang ihrer eigentlichen Funktion also rituell genutzt.
Jahrtausendalte Geschichte
Der Bau der Stromtrasse SüdOstlink erfordert seit einigen Monaten immer wieder Ausgrabungen bei Gerstewitz. Die Anhöhe wurde seit 6000 Jahren, beginnend in der "Baalberger Kultur", als besonderer Platz empfunden. Zunächst entstand hier ein bis zu 15 Meter hoher Grabhügel, der eine aus Holz gefertigte Totenhütte überdeckte. Schon 500 bis 1000 Jahre später, während der "Salzmünder Kultur", entstand ein von einem dreifachen Wall-Graben-System umhegter Platz.
Nach Einschätzung der Forscher entwickelte sich die Umgebung von Gerstewitz zu einer Kulturlandschaft, die über Jahrtausende hinweg immer wieder aufgesucht wurde. "Solche Monumente waren über Jahrtausende hinweg Kristallisationspunkte", sagte Abteilungsleiterin Susanne Friederich vom Landesamt. Selbst 2000 Jahre nach seiner Errichtung sei der Grabhügel noch sichtbar gewesen. Sicherlich habe er die Landschaft sogar bis in die Neuzeit geprägt.
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