Von Mark Ludwig - 27.08.2011, 11.10 Uhr

Kopfhörer statt Boxen: So funktionieren die stillen Konzerte

Gemeinsam und doch für sich: Kopfhörer-Konzerte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Dabei wird Musik über Funk-Kopfhörer statt wie herkömmlich mittels Lautsprecher übertragen. Eine besonders intime Atmosphäre - für Musiker und Zuhörer.

Auch Schauspielerin Susanne Pätzold ist Fan von Kopfhörer-Konzerten. Bild: dpa

Den Besuchern des Abschlusskonzerts des Kölner Musikfestivals c/o pop bot sich ein merkwürdiges Bild: Rund 200 Musikfans hatten sich mit großen Kopfhörern auf den Ohren in nahezu völliger Stille in der Kölner Kirche St. Michael versammelt. Der Grund: Der Berliner Elektronikkünstler Oval hatte zu seinem ersten Silent Concert geladen. Einem Konzert, bei dem die Musik über Funk-Kopfhörer statt wie herkömmlich über Lautsprecher übertragen wird.

Fast wie eine kirchliche Andacht mutete die Szenerie des ungewöhnlichen Auftritts an: Von großen Kerzen ins rechte Licht gesetzt und an einem altarähnlichen Tisch stehend, zauberte der Berliner Markus Popp, der sich unter dem Namen Oval einen Namen als Pionier der experimentellen Elektro- und Ambient-Musik gemacht hat, ungewöhnliche Sounds aus seinem Laptop hervor. Die Zuhörer lauschten konzentriert zuhörend, fast in sich versunken auf Kirchenbänken sitzend, dem allein über Kopfhörer übertragenen, rund 90-minütigen Konzert.

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«Die Kopfhörerkonzerte erzeugen neue Klangerlebnisse und machen zudem Orte bespielbar, an denen sonst keine Konzerte möglich wären», erklärt Norbert Oberhaus, Leiter des c/o pop, den in Deutschland zunehmend in Mode kommenden Konzert-Trend. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht: In England werden bereits seit mehreren Jahren mit Erfolg Kopfhörer-Events veranstaltet. Die neue Art der Übertragung macht es möglich, die Nächte durchzufeiern, ohne auf Lärmschutzauflagen achten zu müssen.

Silent Discos in deutschen Clubs

In den deutschen Clubs hat der Trend zur stillen Party erst in den vergangenen zwei Jahren an Fahrt aufgenommen. 2009 veranstaltete der Kopfhörer-Hersteller Sennheiser die ersten Kopfhörer-Events in deutschen Clubs, mittlerweile stößt das neue Veranstaltungs-Konzept auf großen Zuspruch. «Die Silent Noise-Events sind stets ausverkauft und werden vom Publikum mit hoher Begeisterung aufgenommen», sagt Sennheiser-Marketingdirektor Torsten Stapel.

Auch bei den Besuchern der c/o pop rief das Konzept weitgehend Zustimmung hervor - nur ein paar einzelne Besucher verließen bereits nach wenigen Minuten irritiert das Konzert. «Zunächst konnte ich mir ein über Kopfhörer übertragenes Konzert nicht vorstellen», sagte eine 32-jährige Besucherin aus Köln. «Doch die intime Situation hat mir geholfen, mich besser auf die ja nicht sofort zugängliche Musik von Oval einzulassen.»

Das Hör-Erlebnis ist allerdings ein komplett anderes als bei herkömmlichen Konzerten. Der typische Druck des Live-Sounds fehlt, dafür sind klangliche Feinheiten, wie sie gerade bei einem Musiker wie Oval besonders auffallen, besser wahrzunehmen. Auch scheinen die Zuhörer weniger verbunden - der sonst bei Konzerten übliche Applaus zwischen den Stücken fällt am Sonntagabend aus. Nur ab und an setzen die Zuhörer die Kopfhörer ab und unterhalten sich im Flüsterton mit ihren Nachbarn.

Interessant ist die Möglichkeit, auf mehreren Kanälen parallel unterschiedliche Musik anzubieten. Dies wird insbesondere bei den Silent Discos genutzt: Partygäste können hier häufig zwischen verschiedenen DJs und Musikangeboten wählen - und so auch mit Freunden gemeinsam feiern, die eine andere Musik bevorzugen.

boi/rut/news.de/dpa

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