Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Wernigerode - 08.03.2011, 11.10 Uhr

Frank Schöbel : Die Beziehung mit dem Schlagerstar

Er war der erfolgreichste Schlagerstar der DDR. Im Osten der Republik tritt er auch heute noch vor ausverkauftem Haus auf. Mit seiner Ex-Frau Chris Doerk spielt er 40 Konzerte. Ein Nachmittag mit Frank Schöbel.

Mit Schlagerfaust und ehrlichem Lachen: Chris Doerk und Frank Schöbel sind auf Tour durch den Osten der Republik. Bild: Schöbel

Es ist der Jahrestag ihrer Scheidung. Als Chris Doerk und Frank Schöbel vor dem schwarzen Vorhang auf der Bühne im Kultur- und Kongresszentrum Wernigerode stehen, sind sie exakt 37 Jahre nicht mehr verheiratet. Der erfolgreichste Schlagersänger der DDR und seine Ex-Duett- und Ehepartnerin, die ohne ihn nie wieder so erfolgreich war. Sie sehen glücklich getrennt aus, grinsen sich breit und ehrlich an. Nach so langer Zeit haben sie sich zusammengerauft, «Hautnah» heißt die Tour. Schöbel und Doerk singen alte Duette (Vom Nordpol zum Südpol zu Fuß) und erzählen launige Geschichten aus ihrem gemeinsamen Leben. «Als wir uns kennenlernten, gab es ein teures Gewitter», sagt Schöbel. «Feuerwerk nennt man sowas», erwidert Doerk.

FOTOS: Frank Schöbel Die Treue der Fans hält seit 48 Jahren

Sie waren das Traumpaar Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre, Sohn Alexander ein Kind der Liebe. Die Trennung - ein Schock für die Fans. «Ich bin froh, dass ich mit Chris wieder eine Linie gefunden habe», sagt Frank Schöbel im Gespräch mit news.de. «Wir haben ein gutes Gefühl, sind wie Bruder und Schwester.» Schöbels erstes Lied heißt wie die Tour. Er singt es allein. Jubel brandet auf, als Chris Doerk mit Summertime auf die Bühne kommt. Als hätten alle auf diese Wiedervereinigung gewartet.

Ostalgieshow oder gar «Sterbebegleitung»?

In Wernigerode sind die Stuhlreihen gefüllt, wie überall, wo das nunmehr geschwisterliche Duo auftritt. An 40 Nachmittagen und Abenden spielen sie vor ausverkauften Häusern. 40 Termine, alle im Osten. Ein Umstand, der Schöbel für die Medien zum Ostalgiesänger macht. Kurz vor dem Auftritt um 16 Uhr sitzt Frank Schöbel in der Garderobe. Er trägt einen dunkelblauen Pullover mit Reißverschlusskragen. Scherzt mit den Musikern seiner Liveband. «Früher hatte ich Nachmittags- und Abendauftritte im Friedrichstadtpalast. Wenn ich zwischendurch rausgegangen bin, wollte ich gar nicht mehr da rein», sagt er. Draußen strahlt gerade die Sonne auf Harzer Fachwerk.

Zum Lachen ist dem Schlagersänger aber weniger zumute. Er ist enttäuscht, denn seine Fans wurden medienträchtig beleidigt. «Ich habe Herpes bekommen, so habe ich mich aufgeregt», sagt Schöbel. Eine Journalistin beschreibt in einer großen Tageszeitung das, was Schöbel tut als «Sterbebegleitung». Sie meint, dass er «nie im Westen angekommen» sei, genau wie sein Publikum. Nur Auftritte im Osten - das habe er sich so nicht ausgesucht, sagt Frank Schöbel. Ob der ausschließliche Erfolg im Osten zu seinem Lebensthema geworden ist? «Die Zeitungen machen ein Thema daraus», sagt der Sänger. Auch weil er nach der Wende im Westen Ablehnung erfahren habe. «Wir wollen keine Ossis», sei ihm damals die Devise entgegengeschlagen. Um Auftritte bemüht habe er sich trotzdem. «Die von drüben ziehen hier alle ein. Ich finde das auch normal, denn das ist Vereinigung.» Doch das Interesse an seinen Konzerten im Westen ist gering. «Das ist quasi ein Verbot, wie bei uns damals.»

«Es gehört einfach zu unserer Jugend»

Mit Ostalgie will er seine Auftritte nicht in Verbindung gebracht wissen. Vom «Politisieren» des Schlagers hält er noch weniger. Frank Schöbel ist froh über seinen Erfolg und die Auftritte sollen dem Publikum Erinnerungen an die Jugend zurückbringen, nicht an die DDR-Vergangenheit. «Ich hoffe, das will uns keiner nehmen», meint Schöbel, der sich bei dem Thema immer noch in gesetzte Rage reden kann, obwohl er an solche Diskussionen gewöhnt sein müsste. Mit den Fans ist er da auf einer Linie. «Wir sind Ossis, diese Musik gehört zu unserem Leben», sagt eine Dame im Publikum, sie ist Mitte 50 und hat sich fürs Konzert schick gemacht. Ihre Freundin fällt ihr ins Wort: «Ja, aber die Ostalgie ist für mich vorbei. Die Musik gehört zu unserer Jugend.»

Auf der Bühne sprüht Frank Schöbel dann vor Lebensfreude, sieht für seine 68 Jahre noch mal jünger aus als dahinter. Er schwingt die Hüften, singt, erzählt, nimmt sich zurück, wenn seine Sangespartnerin Entfaltungsspielraum braucht. Das Publikum ist begeistert, die meisten hält es dennoch auf den Stühlen. Sie sind mit Chris Doerk und Frank Schöbel aufgewachsen. Heute haben sie ihre Sonntagsblusen angezogen und machen einen älteren Eindruck als die Protagonisten auf der Bühne.

Während sich der Großteil mit Klatschen zufrieden gibt, tanzt Christiane Grohl mit ihren Freundinnen neben der Bühne. Sie sind der Schöbel-Fanclub Wernigerode, seit 1998. «Vorher brauchten wir keinen Fanclub, da sind alle Leute einfach so zum Frank gekommen», sagt die 42-Jährige, lacht und prostet mit einem Glas Sekt. Der Frank, er ist einer von ihnen, in jeder Lebenslage. Für ihn reise der Fanclub überall hin. Die blonde Frau mit den lockigen Haaren erzählt wie sie vor einem Berliner Auftritt Frank Schöbel zufällig am Bahnhof getroffen habe. «Hallo Frank, wo finden wir dich?», so die Frage nach dem Weg zum Konzert. Und Schöbel soll geantwortet haben: «Springt rein, ich nehm euch mit.» Jetzt winkt ihr Star von der Bühne, hält den Daumen hoch. Durch die Musik seien sie alle Freunde geworden, im Fanclub und auch mit Frank.

«Tralala-Musik der Westsänger»

«Wenn er Zeit hat, bleibt er nach dem Auftritt noch einen Moment und wir unterhalten uns.» Dass er nicht aufgesetzt sei, ist wichtig für die Frauen. Da dürfe Frank Schöbel auch mal sagen, dass er keine Lust hat zu reden. «Das ist eine Beziehung geworden, kann man sagen», meint Christiane Grohl und versichert sich mit einem Blick Richtung Ehemann, der neben ihr steht. Eifersüchtig? «Nö», sagt Dirk Grohl bestimmt. «Nicht mehr», fügt seine Frau hinzu. Dass er im Westen keinen Erfolg hat, finden alle schade. «Das tut mir leid für ihn, weil er ein Supersänger ist», sagt Regina Ludwig. Der «Tralala-Musik der Westsänger» könne Frank Schöbel allemal etwas entgegensetzen, findet die 64-Jährige, auch sie ist im Fanclub.

Am Ende singen Schöbel und Doerk Du bleibst ein Teil meines Lebens, ein neues Lied. Ob das Märchen nicht perfekt wäre, wenn beide wieder ein Liebespaar wären? «Nein, um Gottes Willen», meinen die Schöbel-Fans. Zu seinem 45. Bühnenjubiläum standen sie schon mal gemeinsam, aber steif, auf der Bühne. Am Jahrestag ihrer Scheidung seien sie nun lockerer denn je. Auch Schöbel selbst denkt, dass die Auftritte mit Doerk einmalig sind. Er ist gut beschäftigt. Im nächsten Jahr will er die Hautnah-Tour mit einem anderen Gesangspartner fortsetzen. Mit wem, wird noch nicht verraten. Sicher ist nur, es wird durch den Osten der Republik gehen und die Konzerte werden ausverkauft sein.

Weitere Termine der «Hautnah»-Tour von Chris Doerk und Frank Schöbel

08.03. Gardelegen
12.03. Güstrow
13.03. Salzwedel
18.03. Freiberg
19.03. Schwerin
20.03. Zeuthen
25.03. Cunewalde
26.03. Greiz
27.03. Niesky
01.04. Berlin
02.04. Sömmerda
03.04. Wittenberge
07.04. Greifswald
15.04. Schwedt
18.04. Stralsund

ruk/ivb/news.de

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