Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - Uhr

Amphetamine: Partydroge schlägt aufs Herz

Für eine gesteigerte Leistungsfähigkeit ein mehr als hoher Preis: Amphetamine sind als Partydroge unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Doch die Wirkung von Crystal und ähnlichen Substanzen ist fatal. Sie können so schwere Herzstörungen verursachen, dass nur noch ein Spenderorgan hilft.

Ein aktueller Fall aus Krefeld macht fassungslos: In der vergangenen Woche mussten drei Patienten im Alter von 19 bis 23 Jahren in die Klinik gebracht werden. Diagnose: schwerste Herzschäden. Die Betroffenen hatten sich regelmäßig mit Amphetaminen aufgeputscht. Die bittere Wahrheit, um für ein paar Stunden gut drauf zu sein: Zwei der Patienten brauchen jetzt ein Spenderherz, der Dritte wird mit einem Kunstherz am Leben gehalten.

«Bei allen drei Patienten sind beide Hauptkammern stark erweitert, die Pumpleistung ist hochgradig vermindert», erläutert Professor Heinrich Klues, Chefarzt für Kardiologie am Helios-Klinikum Krefeld, den Zustand seiner Patienten. Ihre Herzmuskeln seien schwer vergiftet.

Krefeld ist nicht die Ausnahme - Kardiologen zeigen sich bundesweit alarmiert. Wie die Helios-Kliniken mitteilten, brachte eine Umfrage unter den Herzspezialisten in Deutschland 37 ähnliche Fälle ans Licht, unter anderem auch in Eisenach, Meiningen, Eisleben, Halle (Saale), Dresden, Brandenburg und Berlin.

Drogenrate geht zurück, nicht aber bei Amphetaminen

Illegale Amphetamine sind drastisch auf dem Vormarsch, zeigt der Drogenbericht der Bundesregierung. Beim sogenannten kristallinen Methamphetamin - geläufiger unter dem Namen Crystal - wurden im vergangenen Jahr 1693 Konsumenten erstmals auffällig. Im Vergleich zu 2010 ist das eine Steigerung um satte 163 Prozent. Damit gab es in der Bundesrepublik zum ersten Mal mehr Erstkonsumenten von Crystal als von Ecstasy.

Wie das Bundeskriminalamt mitteilt, wurde 2011 eine Rekordmenge von rund 1,4 Tonnen Amphetamin und Methamphetamin sichergestellt. Vor allem beim Crystal fanden die Sicherheitsbehörden deutlich größere Mengen als im Jahr zuvor.

Und das alles nur für einen Rauschzustand. Egal wie die Amphetamine zusammengesetzt sind, sie haben alle die gleiche Wirkung. Sind die Pillen geschluckt, setzt der Körper vermehrt die Botenstoffe Noradrenalin, Serotonin und Dopamin frei. Dadurch fühlt sich der Konsument leistungsstärker, ist gut drauf und wird offener.

Das ist doch nur eine Seite der Medaille. Die Kehrseite ist viel bedrohlicher. Durch die Hormonausschüttung kann der Drogennutzer die Alarmsignale seines Körpers nicht mehr richtig deuten. Man hat keinen Hunger, zudem ist die Müdigkeit wie weggeblasen. Ebenso sinkt das Schmerzempfinden. Durch den Drogencocktail erweitern sich die Bronchien - Blutdruck, Puls und Körpertemperaturen steigen an. Ohne es zu merken - und bis es zu spät ist. Zudem sind je nach Dosis Psychosen, Depression oder aggressives Verhalten nicht selten.

Zusammensetzung wird immer gefährlicher

Einmal ist keinmal? Weit gefehlt: Amphetamine machen schon nach dem ersten Konsum psychisch abhängig. Weil der Gedanke an den Rauschzustand überwiegt. Das wurde den drei Jugendlichen aus Krefeld zum Verhängnis.

Hinzu kommt, dass kein Drogenkonsument wirklich weiß, was er hinunterschluckt. Das wissen nur die Drogenpanscher selbst. Sie verändern die Substanzen quasi wöchentlich so, dass der Rauschzustand immer heftiger wird und länger anhält.

Auch wenn man es den wenigsten Drogennutzern ansieht, ob sie schon gesundheitliche Schäden davon getragen haben: Leistungsschwäche, Atemnot, Herzstolpern und Wasseransammlung in den Beinen können Professor Klues zufolge Symptome für eine Herzmuskelerkrankung sein. Der Gang zum Arzt ist dann unausweichlich. Sonst ergeht es einem wie den drei Krefelder Partymachern, die für ein paar kurzweilige Stunden ihr ganzes Leben verspielt haben.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

loc/ham/news.de/dpa