Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 26.08.2011, 10.16 Uhr

Blasenkrebs: Wenn der Tumor auf die Blase drückt

Ständig das Gefühl, zur Toilette zu müssen oder Schmerzen beim Pinkeln? Das kann weit mehr als eine Blasenentzündung sein: Harnblasenkrebs - mit knapp 30.000 Neuerkrankungen pro Jahr eine der häufigsten Krebsarten.

Eine Blasenentzündung oder doch Krebs? Bei diesen Symptomen müssen Sie schnell zum Arzt.  Bild: ddp images

Das Gemeine am Tumor in der Blase ist, dass er keine eindeutigen Beschwerden verursacht. Deshalb ist es für den Patienten schwierig, ihn selbst zu erkennen, erklärt Dr. Reinhold Schaefer, Urologe und Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Uro-GmbH Nordrhein. Vor allem Männer müssen auf der Hut sein, denn von den 30.000 Neuerkrankungen pro Jahr gehören 21.000 davon dem starken Geschlecht an, wie die Deutsche Krebshilfe mitteilt.

Damit zählt der Blasenkrebs zu den vier häufigsten Tumorerkrankungen nach Prostata (58.500), Darm (37.800) und Lunge (32.000). Urologen raten daher, sich regelmäßig vom Spezialisten durchchecken zu lassen.

Erste Anzeichen für eine Krebserkrankung können sein, wenn sich der Urin beim Wasser lassen rot oder braun verfärbt und der Patient ständig unter Harndrang leidet, wobei nur kleine Mengen Urin bei häufigen Klobesuchen entleert werden. Spürt der Betroffene zudem noch Schmerzen beim Urinieren, ist der Gang zum Urologen unausweichlich, denn nur er kann feststellen, ob es sich um eine Blasenentzündung handelt oder Krebs vorliegt.

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Bei der schlechteren Diagnose gibt es aber eine gute Nachricht: Je früher der Tumor erkannt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Patient seine Blase behält. Hierzu untersuchen die Urologen zunächst den Urin des Patienten. «Darin können wir einzelne Blutzellen oder ein bestimmtes Protein nachweisen, welches Krebszellen vermehrt produziert», erklärt Schaefer. Im Verdachtsfall soll eine Blasenspiegelung Aufschluss geben. Dabei wird dem Patienten unter örtlicher Betäubung ein elastischer Schlauch durch die Harnröhre in die Blase geführt, der diese wie eine Kamera durchleuchtet. Über ihn kann zugleich Gewebe entnommen werden, das anschließend unter dem Mikroskop untersucht wird.

Jeder Vierte verliert seine Blase

Kleine oberflächliche Tumore, die am häufigsten vorkommen, entfernen sie meist schon während dieser sogenannten Zystoskopie mit einem elektrischen Messer - einer Schlinge, die um das Geschwür gelegt wird und dieses abklemmt. Kehren Wucherungen zurück, greifen die Ärzte zur Strahlen- und speziellen medikamentösen Therapien. Jedoch kommt bei einem Viertel aller Patienten jede Hilfe zu spät: Die Blase muss komplett entfernt werden.

Damit der Patient aber weiterhin Urin ausscheiden kann, gibt es verschiedene Möglichkeiten – unter anderem, dass er eine Ersatzblase bekommt. Dafür wird ein Teil der Darmschlinge verwendet. Die Harnleiter werden in die neue Blase eingesetzt, ebenso wie die Harnröhre. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Urin über den After auszuscheiden. Die Harnleiter werden direkt in ein Darmstück eingepflanzt.

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Wer das Krebsrisiko und die Folgen von vornherein gering halten will, dem bleibt nur eins: Mit dem Rauchen aufhören oder besser erst gar nicht beginnen. Auch Passivqualm vermeiden. Denn Tabakkonsum stellt in rund der Hälfte aller männlichen und etwa ein Drittel der weiblichen Erkrankungsfälle die Hauptursache dar. Denn die Schadstoffe gehen beim Rauchen ins Blut über, werden von der Niere aus dem Blut herausgefiltert und gelangen mit dem Urin in die Blase. Eine aktuelle Langzeitstudie aus den USA zeigt, dass Raucher ein vier Mal höheres Krebsrisiko als Nichtraucher haben. 

zij/news.de

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