Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 28.04.2011, 00.00 Uhr

Ehering: Die Handschelle für den Mann

Für die Frau ist der Ehering der schönste Liebesbeweis. Für den Mann eher eine Fessel. Jüngster Bedenkenträger ist Prinz William, der nach der Hochzeit keinen Ring trägt. Ein schlechtes Omen?

Prinz William macht sich nichts aus dem Ehering. Und wird ihn nicht tragen. Bild: dapd

Der Ehering - ein sichtbares Symbol dafür, dass Mann und Frau sich lieben und ewig aneinander binden. In der Realität sieht das oft anders aus. Bei vielen Ehepaaren ist nichts vom Ring zu sehen. Oder nur seitens der Frauen, die das kleine goldene Ding mit Stolz und Freude zur Schau stellen. Bei Männern hingegen fällt die Beringung schwächer aus.

Prominentestes Beispiel für die Spezies, die den Ringfinger nackt präsentieren, ist derzeit der britische Prinz William. Er verzichtet nach seiner Hochzeit mit Kate Middleton auf den goldenen Liebesbeweis. Das Brautpaar hat sich nach Angaben des britischen Königshauses darauf geeinigt, dass nur die Braut einen Ring tragen werde.

Doch was sagt das über die Beziehung aus? Nichts, wie Dr. Stephan Lermer meint. «Das lässt sich nicht pauschalisieren», sagt der Münchner Kommunikationspsychologe und Paartherapeut. Während Männer ohne Ring die besten und liebsten Ehepartner sein können, gibt es im Gegensatz genau jene, die es trotz Ehering nicht mit der Treue halten.

FOTOS: William und Kate Ein royales Traumpaar

«Der Ring ist Sache der Einstellung. Und eine Frage der Tradition», sagt Lermer. Gerade Letzteres will die Nachrichtenagentur AP bei Prinz William als Grund gegen den Ring ausgemacht haben. Einem Bericht zufolge hat sich der Trend zum Ehering für Männer auf der Insel erst in jüngster Zeit verbreitet - viele Mitglieder der britischen Oberklasse sind demnach noch immer nicht der Herr der Ringe.

So verzichtet unter anderem Prinz Philip, Williams Opa und Gatte von Queen Elizabeth, auf den runden Liebesbeweis. Vater Charles hingegen glaubt ein wenig mehr an die Symbolkraft. Als Zeichen seiner Ehe mit Camilla trägt er einen schmalen Goldreif unter seinem Siegelring - und zwar am kleinen Finger der linken Hand.

Angst vor der Domestizierung

Doch was ist der Grund, warum das starke Geschlecht dem Ring nichts abgewinnen kann? Einerseits gibt es praktische Gründe, die gegen das Symbol sprechen - beispielsweise bei handwerklichen Berufen, in denen der Ring ein Sicherheitsrisiko bedeuten kann. Nicht wenige Personen vertragen zudem kein Metall auf der Haut. Zwar ist die Nickelallergie die bekannteste Form der Abstoßung, aber auch Silber und Gold können zu nässendem Hautausschlag führen.

Andererseits entwickeln die Männer eine «mentale Allergie», die Lermer so erklärt: «Manche Männer wollen souverän wirken. Bei einem Ring fühlen sie sich in einer gewissen Art domestiziert, also gebändigt», so der Therapeut. «Sie haben das Gefühl, beringt zu sein wie ein Vogel», fügt der Experte etwas überspitzt hinzu. Umso wichtiger sei es, dass der Mann seine Haltung frühzeitig vor der Heirat mit der Braut bespricht. «Er muss seine Liebe im Gespräch beweisen», erklärt Lermer.

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Dass die Damen sich mehr Akzeptanz der Ringe bei Männern wünschen, hat dem Therapeuten zufolge eine andere zwischenmenschliche Komponente - noch weit vor der Ehe: bei der Partnersuche. «Wir befinden uns in einer komplexen Zeit, in der sich vor allem die Frauen ein einfaches Zeichen wünschen, um festzustellen, ob jemand vergeben ist. Und das bekannteste Symbol ist der Ehering», macht Lermer deutlich.

ham/zij/ivb/news.de

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