Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager - 04.05.2010, 15.45 Uhr

Krebs: «Ja» zum Leben im Angesicht des Todes

Die Ärzte hatten sie abgeschrieben. Eine missglückte Operation, eine Chemotherapie, die nicht anschlagen wollte - der Krebs hatte die Bauchspeicheldrüse von Carola Ries von Heeg fest im Griff. Dennoch wurde sie gesund und erzählt von ihrem Heilungsweg.

Erst als das Todesurteil kam, nahm sich Carola Ries von Heeg die Zeit und den Raum, um glücklich zu leben - und besiegte den Krebs. Bild: istockphoto

Die Überlebensrate ist verschwindend gering. Menschen, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken, sind zu 95 Prozent dem Tode geweiht. So die entmutigende Statistik. Dazu gehören der Tenor Luciano Pavarotti, der 2007 verstarb, und Dirty-Dancing-Ikone Patrick Swayze, der im vergangenen September den Kampf gegen den Krebs verlor. Aber es ist nicht unmöglich, die heimtückische und aggressivste Krebsart zu besiegen. Das beweisen Fälle, wie der von Sänger Chris Rea. Oder von Carola Ries von Heeg, die über ihren Überlebenskampf ein Buch geschrieben hat, um Betroffenen Mut zu machen. 

Als Ries von Heeg ihre niederschmetternde Diagnose bekam, gaben ihr die Ärzte nicht mehr lange zu leben. Sie hatte bereits einen neun mal sechs mal sechs Zentimenter großen Tumor. Eine Operation schlug fehl, sie musste abgebrochen werden. Der Eingriff hätte eine Arterie verletzen können und Ries von Heeg wäre auf dem OP-Tisch gestorben. Auch eine monatelange Chemotherapie konnte ihr nicht helfen. Die Todkranke wurde als «austherapiert» - somit als aufgegeben – nach Hause geschickt. Man sagte ihr, die Schulmedizin könne ihr nicht helfen.

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Dennoch: Heute ist der Tumor nur ganz klein und verkapselt. Die Ärzte sind zuversichtlich, dass der Körper mit dem kleinen Rest auch noch fertig wird. Was wie eine Wunderheilung klingt, ist für Ries von Heeg ein ganz logischer Weg zur Selbstheilung. Deshalb hat sie ihren ungewöhnlichen Ratgeber Tumor raus – rein ins Leben! geschrieben. Er soll Mut machen und richtet sich an andere Krebskranke, die in ihrer Diagnose, ihrer Todesangst gefangen sind. Sie gibt ganz konkrete Anleitungen, was man selbst tun kann, um seinen Körper zu gesunden.

Restlos glücklich über kleine Aktionen

Die trostbringenden Worte von Freunden und Familie seien in einer solchen Situation zwar hilfreich und stützend, aber man habe doch immer das Gefühl, nicht mehr zu ihnen zu gehören. «Man weiß zwar zu schätzen, wie sie sich um einen kümmern, doch angesichts des eigentlichen Problems, der Krankheit, sind einem, so seltsam das klingt, die fremden, aber kranken Menschen näher», musste Ries von Heeg feststellen.

Nachdem sie von den Ärzten aufgegeben worden war, schüttelte sie die Sorgen, die Todesangst, die Schmerzen, die OP und die fast unerträgliche Belastung durch die Chemotherapie ab und beschloss, die ihr gebliebene Zeit glücklich zu leben. Sie nahm alles bewusster war, genoss den Frühling, fütterte Enten, unternahm kleine Fahrradtouren und war «restlos glücklich», wenn sie die Aktionen bewältigte. Gleichzeitig begab sie sich in die Hände eines Heilpraktikers und setzte sich mit alternativen Heilmethoden auseinander.

Die tatsächliche Remission, die Rückbildung des Tumors, führt Ries von Heeg nicht auf eine Heilmethode oder allein ihre positiven Gedanken zurück. Es sei eine Kombination aus vielen ineinander verzahnten Faktoren gewesen, die ihr eine zweite Chance schenkten. Eine späte Reaktion auf die Chemotherapie haben die Ärzte ausgeschlossen. Weitere schulmedizinische Maßnahmen fielen nicht in den Zeitraum der Besserung.

Die Mithilfe des Kranken

Es höre sich zwar unbequem an, räumt Ries von Heeg ein, aber ohne aktive Mithilfe des Kranken sei eine Heilung des Krebses kaum möglich. Dazu müsse man sich zuerst von der Todesangst befreien. «Bevor du fähig sein wirst, überhaupt irgendetwas aufzunehmen, anzunehmen, gar klar zu denken, musst du aus dieser Angst herauskommen», schreibt sie.

Zwar rät sie dazu, Tränen zuzulassen, nur sollte man sich nicht von ihnen überwältigen lassen. Die Schmerzen als etwas Positives zu sehen, habe ihr geholfen. Schließlich würden Schmerzen nur dann auftauchen, wenn der Körper mit Heilung beschäftigt ist. Sie habe sich wie bei einer Weggabelung gegen den Pfad zum Sterben und für das Leben entschieden. Dieser einfach klingende und doch so schwere Schritt habe sie aus der Spirale der erstickenden Angst gezogen und Kraft gegen negative Gedanken gegeben. Der Körper sei viel zu geschwächt, um eine niederschmetternde Seele mitzutragen, schreibt Ries von Heeg. Gedanken wie «Ich bin gesund» oder «Ich werde leben» seien in solch einer Situation essentiell.

So makaber es für Außenstehende klingen mag, so sei Galgenhumor im Angesicht des möglichen Todes ein starker Verbündeter, der einem den Einfluss auf die Situation zurückgibt. Auch hat Ries von Heeg es geschafft, ihrer Leidensgeschichte etwas Positives abzugewinnen und die viele freie Zeit, die sie im stressigen Arbeitsalltag nie hatte, für sich zu nutzen. Sie lernte sich selbst zu lieben, macht viele Entspannungsübungen, hörte schöne Musik, ließ sich von Komödien zum Lachen bringen, vermied jeden Stress, jede Art von Traurigkeit und las mutmachende Gedichte.

Kombination vieler Faktoren

Auch ihre Ernährung stellte sie völlig um. Gerichtet hat sie sich dabei nach der Orthomolekularen Medizin. Diese geht davon aus, dass bestimmte Nährstoffe nicht nur das Immunsystem verbessern und Mangelerscheinungen vorbeugen, sondern auch die Erkrankung direkt beeinflussen.

Erst die Kombination aus eigener Kraft, positiven Gedanken, Musik, Humor, schulmedizinischer Betreuung, alternativen Heilmethoden, Bewegung und guter Ernährung habe ihren Heilungsprozess so erfolgreich auf den Weg gebracht. Der Schlüssel, um dies erreichen zu können, war aber immer, die lähmende Todesangst abzulegen. Eine Herkules-Tat, die nicht jedem gelingen wird.

Das Resultat hält sie nicht für sonderlich überraschend. Denn: Gerade Krebs stehe in starker Wechelwirkung mit dem seelischen Zustand eines Menschen. Botenstoffe, die durch Freude oder Depressionen im Körper verschickt werden, können die Krebszellen füttern oder auch bekämpfen. Das hätten bereits viele Studien belegt.

Heute ist Carola Ries von Heeg wieder gesund. Und sie ist glücklich. Sie hat gelernt, sich nicht von ihrem Job auffressen zu lassen, auf sich aufzupassen, es nicht jedem recht machen zu müssen, sich zu lieben und manchmal auch ein bisschen egoistisch sein zu dürfen. Die tödliche Krankheit hat sich für sie als ein Abschnitt erwiesen, der sie zu einer lebensbejahenden Einstellung geführt hat.

Lesetipp: Carola Ries von Heeg, Tumor raus – rein ins Leben!, Humboldt Verlag, 133 Seiten, 2010, 18,95 Euro.

sca/reu/news.de

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