Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 23.01.2010, 15.13 Uhr

Schwindel: Lesen Sie auf Seite 3, warum der Drehschwindel so gefährlich ist

Schwindelanfälle können viele verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen Störungen bis zu ernsten Krankheiten reichen. Bild: Istockphoto

Der Drehschwindel ist die gefährlichste Schwindelform, denn die kurzen Attacken können unter anderem auch Vorboten eines Schlaganfalls sein. Betroffene, die eine solche Attacke erleben, sollten umgehend einen Arzt aufsuchen.

Zu erkennen ist der Drehschwindel daran, dass der Körper oder die Umgebung sich urplötzlich zu drehen scheinen. Übelkeit und Erbrechen treten auf, und Sitzen oder gar Stehen wird unmöglich. Zusätzlich bewegen sich die Augen unkontrolliert ruckartig. Ursache kann eine Verletzung oder Entzündung des Gleichgewichtsnervs mit Viren wie Herpes, Grippe oder Masern sowie Durchblutungsstörungen des Innenohrs sein.

Auch die Menière-Krankheit, die bislang nicht heilbar ist, hat ihren Ursprung im Gleichgewichtsorgan. «Die Betroffenen leiden unter heftigem Drehschwindel, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Ohrgeräuschen oder einem Druckgefühl im Ohr», zählt Freimann auf.

Die Beschwerden werden durch eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Innenohr ausgelöst. Die Flüssigkeit wird entweder nicht richtig abtransportiert oder vermehrt produziert. Durch die Stauung ändern sich die Druckverhältnisse im Innenohr und die empfindlichen Membranen können reißen. Schlimmstenfalls kann das zu Taubheit und Tinnitus führen. Warum es zu den Stauungen oder Abflussschwierigkeiten der Endolymphflüssigkeit kommt, ist bislang nicht ganz geklärt.

Schließlich gibt es noch den Schwankschwindel, der in vielen Fällen durch seelische Störungen – eine Angsterkrankung oder Depression - verursacht wird. «Der Schwindel ist in vielen Fällen ein Alarmzeichen des Körpers, das etwas nicht stimmt, aus dem Gleichgewicht geraten ist», sagt Freimann.

Die Betroffenen leiden häufig nicht nur unter dem Schwindel, sondern auch unter Übelkeit oder Herzrasen, Atmenot oder einem Engegefühl in der Brust. Die Schwindelattacken erleben viele als seien sie betrunken. Bei anderen dreht sich plötzlich alles.

Eine Verhaltenstherapie kann helfen

Ganz gleich, um welche Schwindelform es sich handelt: Um den Teufelskreis aus Schwindel und Angst zu durchbrechen, kann eine Verhaltenstherapie helfen. «Die Behandlung soll in erster Linie Mut machen. Das Konzept dieser Therapie besteht darin, Angst auslösende Situationen, wie zum Beispiel das Betreten eines Supermarktes oder eines überfüllten Busses, nicht zu vermeiden, sondern sich diesen Situationen auszusetzen», erläutert Freimann. Durch das Üben wird der Patient mit der Zeit immer sicherer und verliert seine Angst.

Der vermeintlichen Menière-Patientin Sonja Winter ging es jahrelang mal besser, mal schlechter. Ein Gespräch mit einer Nachbarin brachte die entscheidende Wende: Sie empfahl einen Besuch in einer psychosomatischen Klinik. Dort erfuhr Sonja Winter, dass sie gar nicht unter Morbus Menière litt und auch keine Medikamente benötigte. Sie hatte ein paar Steinchen im Ohr, die der Arzt durch rasche Änderungen der Kopflage aus den Bogengängen des Gleichgeiwchtsorgans beförderte. «Danach war ich etwas benommen», erzählt Sonja Winter. «Aber der Schwindel war weg.»


Weitere Informationen:Kliniken mit Schwindelambulanzen sind auf der Homepage der Selbsthilfegruppe für Morbus Meniére Patienten www.kimm-ev.de zu finden.

Lesetipp: Anne Freimann: Schwindel. So kommt die Welt wieder ins Gleichgewicht, Schlütersche Verlagsgesellschaft, 102 Seiten, 12,90 Euro.

voc/news.de

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