24.02.2009, 14.01 Uhr

Studie: Warum geistige Arbeit erschöpft

Ein geistiger Kraftakt beeinträchtigt auch die körperliche Leistungsfähigkeit: Wer sich mental verausgabt, empfindet eine anschließende körperliche Belastung als anstrengend und fühlt sich eher erschöpft, sagen britische Forscher.

Auch geistige Arbeit kann anstrengen und sich auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirken. Bild: dpa

Verantwortlich dafür sind jedoch weder die Muskeln noch das Herz-Kreislauf-System, denn beide arbeiten ohne messbare Veränderungen weiter. Vielmehr scheint das Gehirn die Toleranz für körperlichen Einsatz zu senken, indem es den subjektiv empfundenen Grad der Anstrengung heraufsetzt. Konsequenzen könnte die Entdeckung für die Behandlung von Erschöpfungszuständen wie etwa dem chronischen Erschöpfungssyndrom haben, glauben die Forscher. Das Team um Samuele Marcora von der Universität im walisischen Bangor beschreibt seine Ergebnisse im Fachmagazin Journal of Applied Physiology.

Die 16 Studienteilnehmer mussten zwei Mal antreten: Einmal schauten sie sich eine langweilige 90-minütige Dokumentation an, bevor sie ein intensives Training auf einem Fahrradergometer begannen, während sie beim zweiten Mal einen ebenfalls anderthalb Stunden dauernden anspruchsvollen Reaktions- und Gedächtnistest vor dem Training absolvierten. Das Training selbst endete, wenn der Proband erschöpft war und es ihm trotz Ermutigung nicht mehr gelang, eine bestimmte Trittgeschwindigkeit zu erreichen.

In beiden Fällen wurden während der Bewegung physiologische Daten wie Blutzucker, Sauerstoffsättigung im Blut und Herzfrequenz gemessen. Um die Motivation zu steigern, versprachen die Wissenschaftler den jeweils Besten jedes Tests eine Geldprämie.

Nach dem Reaktions- und Gedächtnistest schafften die Probanden im Schnitt nur 85 Prozent der Leistung, die sie nach der Dokumentation gezeigt hatten. Interessanterweise unterschied sich jedoch nicht der Grad der Anstrengung, bei dem sie aufhörten, sondern der zu Beginn: Die vom Test ausgelaugten Teilnehmer empfanden bereits den Anfang der Übung als sehr viel anstrengender und erreichten daher auch das Maximum des möglichen Krafteinsatzes schneller. Die physiologischen Werte unterschieden sich dagegen nicht zwischen den beiden Sitzungen. Auch die Motivation war gleich hoch.

Die geistige Erschöpfung nach dem Test beeinflusste demnach offenbar die Sensitivität und auch die Toleranz der Probanden gegenüber körperlichem Engagement - möglicherweise über eine direkte Veränderung der zuständigen Kontrollzentren im Gehirn. Heißer Kandidat für eine Schlüsselposition wäre etwa der Gyrus cinguli, ein Teil des Limbischen Systems, in dem motorische Kontrolle mit Emotionen und kognitiven Prozessen zusammengeführt wird.

Der starke Einfluss des Gehirns auf die körperliche Ausdauer bei unveränderter physiologischer Leistungsfähigkeit sollte dabei zu denken geben, betonen die Forscher. Gelänge es, ihn zu verringern, etwa mit Hilfe von Botenstoffen wie Dopamin, könnte unter anderem Menschen mit chronischem Erschöpfungssyndrom geholfen werden. Diese Patienten leiden ebenfalls häufig unter nachlassender körperlicher Leistungsfähigkeit, ohne dass physiologische Veränderungen vorliegen.

car/mas

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