Verkehr: Italienisches Lebensgefühl auf zwei Rädern - Vespa wird 80
Kaum ein Fahrzeug steht so sehr für Italien wie die Vespa. 1946 begann ihr Siegeszug. Aus einem Motorroller wurde ein italienisches Nationalsymbol und eine Design-Ikone mit Fans auf der ganzen Welt.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Vor Büros und Wohnhäusern stehen sie in Italien dicht an dicht, Roller in allen Farben. Männer im schicken Anzug, Frauen im Kostüm, aber auch alle anderen steigen auf und fädeln sich waghalsig in den Verkehr der engen Straßen, das Handy am besten noch in den Helm eingeklemmt, damit die Hände frei bleiben. Die Vespa ist in Italien Teil des Alltags - zwischen Arbeit, Einkäufen, der Verabredung zum Aperitivo oder dem schnellen Weg durch die Stadt.
Vielen außerhalb Italiens gilt dieses Bild als Inbegriff italienischen Lebensgefühls: Auf dem "motorino" durch die Gassen Roms oder entlang der kurvigen Straßen der Amalfiküste brausen. Vor allem in Deutschland wurde und wird diese Leichtigkeit mit einer großen Portion Sehnsucht betrachtet. Die Vespa hat davon profitiert: Sie wurde zum Exporterfolg - sie ist nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern vermittelt, wie sich Alltag in Italien anfühlt.
80 Jahre Kult um Roller
In diesem Jahr feiert die Vespa ihren 80. Geburtstag. Im Jahr 1946 rollten im Stammwerk des Herstellers Piaggio im toskanischen Pontedera die ersten Modelle vom Band und ein Mythos war geboren. Von einem "weltweiten Phänomen" spricht Piaggio-Chef Matteo Colaninno acht Jahrzehnte später. In Rom wurde anlässlich des Jubiläums eine große Geburtstagsparty gefeiert.
Wie bei so vielem, das später zum Kult wurde, begann auch die Erfolgsstory der Vespa unscheinbar. Der Flugzeugbauer Piaggio wollte sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein zweites Standbein aufbauen. Der damalige Chef Enrico Piaggio hatte die Idee, ein kostengünstiges Fortbewegungsmittel für die breite Masse zu schaffen. Er entschied sich schnell, einen Motorroller herzustellen.
D'Ascanio erschuf etwas Neuartiges
Piaggio beauftragte den Ingenieur Corradino D'Ascanio, ein Modell zu entwerfen. Dieser war aber überhaupt kein Freund von Motorrädern: D'Ascanio hielt sie für unbequeme und klobige Fahrzeuge mit Reifen, die bei einer Panne schwer zu wechseln waren. Außerdem hielt er sie wegen der Kette für zu schmutzig.
Aus dieser Abneigung heraus entstand ein für die damalige Zeit revolutionäres Fahrzeug: D’Ascanio erschuf einen Roller mit einem 125-cm-Zweitaktmotor und selbsttragender Karosserie. Damit war der Motorroller leichter als herkömmliche Zweiräder. Durch den Direktantrieb am Hinterrad musste niemals eine Kette geschmiert werden. Und der freie Durchstieg vor dem Sitz war nicht nur bequem, sondern auch alltagstauglich - mit genug Platz etwa für Einkäufe.
Als Piaggio vor dem neuen Prototyp mit seinem breiten Hinterteil und der schmalen Taille stand, soll er begeistert ausgerufen haben: "Sieht aus wie eine Wespe!" Vespa ist das italienische Wort für Wespe. So war die Vespa geboren.
Nur wenige Jahre später gewann die Vespa deutlich an internationaler Bekanntheit. Einen wichtigen Beitrag leistete dabei das Kino: In dem Hollywood-Film "Ein Herz und eine Krone" flitzten Audrey Hepburn und Gregory Peck 1953 auf einer Vespa durch Rom und ließen den Zweirad-Roller zur Ikone werden.
Veränderungen an Modellen nur behutsam
Mittlerweile wurden fast 20 Millionen Exemplare verschiedener Modellgenerationen weltweit verkauft - über die 80 Jahre immer getragen von einem Design, das über die Zeit hinweg konsequent weiterentwickelt, aber nie grundlegend verändert wurde und so seine Wiedererkennbarkeit bewahrte. Die neuesten Modelle Primavera und Sprint S sowie die E-Modelle sind somit noch immer als klare Nachfolger des Modells Vespa 98 von 1946 zu erkennen.
Anlässlich des 80. Geburtstags des Rollers brausten zahlreiche - wenn nicht sogar alle - Modelle seit Produktionsbeginn 1946 durch Rom. Auch wenn der offizielle Geburtstag der Vespa der 23. April 1946 ist - an jenem Tag wurde der Roller formell zum Patent angemeldet - stieg erst wenige Monate später die große Geburtstagsparty für das italienische Nationalsymbol Vespa.
Natürlich in Rom: Kaum eine andere Stadt ist mit der Vespa verbunden wie die Ewige Stadt. Ein Teil des monumentalen Sportkomplexes Foro Italico im Nordwesten Roms hatte sich dafür in das sogenannte Vespa Village verwandelt. Höhepunkt der Feierlichkeiten war eine große Vespa-Parade: Zahlreiche Fans aus aller Welt fuhren bei hochsommerlichen Temperaturen durch das historische Zentrum unter anderem am Kolosseum und den Kaiserforen vorbei.
Auch deutsche "vespisti" für Parade in Rom
Mitglieder von mehr als 60 Vespa-Clubs - ja, so beliebt ist der Roller, dass es eigene Clubs gibt - aus aller Welt hatten sich angekündigt. Auch deutsche "vespisti" - so nennen sich Vespa-Liebhaber - waren dabei. Etwa 600 bis 800 Fans aus Deutschland waren offiziell als Parade-Teilnehmer angemeldet.
Mit der Knatterparty in Rom hat sich gezeigt, dass die kleine italienische Vespa auch 80 Jahre nach ihrer Geburt nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat. In den Straßen des historischen Zentrums der Hauptstadt war der typische summende Lärm, der ohnehin zum Klang der Ewigen Stadt gehört, noch etwas lauter in den Gassen und Prachtstraßen zu hören als sowieso sonst schon.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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