Von news.de-Redakteur Ronny Kauerhof - 29.07.2013, 11.02 Uhr

Autowerkstätten im Test: Wo billig auch gut ist

Die Beratungsqualität vor anstehenden Reparaturen ist bei vielen unabhängigen Ketten nicht gut. Fehler werden nicht erkannt - nichtvorhandene Mängel stehen dafür auf der Rechnung. Diese Werkstätten wurden auf Herz und Nieren geprüft. Manche davon müssen sich in Zukunft warm anziehen.

Die Automechaniker müssen in den präparierten Autos eine stattliche Zahl an Fehlern finden. Bild: dapd

Erst nach Ablauf der Herstellergarantien suchen viele Autofahrer günstigere Alternativen zur Vertragswerkstatt. Doch zahlreiche markenunabhängige Anbieter blenden die Autofahrer mit überfreundlichen Mitarbeitern. Oft bleibt da die Fehlerdiagnose auf der Strecke.

Günstige Werkstätten im Test

Deutschlandweit wurden zwölf Anbieter auf Herz und Nieren von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) und N24 geprüft. Mit dabei: A.T.U, AUTO plus, Bosch Car Service, Euromaster, First Stop, pitstop, Pneuhage, Pneumobil, point S, Premio, Stop+go sowie Vergölst.

Getestet wurden Beratung und durchgeführte Reparaturen. Auf dem Programm stand ein allgemeiner Fahrzeug-Check mit Sicherheits- und Fahrtüchtigkeitskontrolle. Außerdem stand eine Überprüfung der Bremsen auf dem Programm. Die Tester fuhren auch mit mängelfreien Fahrzeugen vor, um betrügerische Machenschaften aufzudecken. Testkriterien waren Fehlersuche, Service- und Beratungsleistungen sowie der optische Ersteindruck.

Hinter die Fassade geschaut

Wichtig scheint den Firmen ein erster positiver Eindruck. Doch oft steckt hinter dem schönen Schein ein hart kalkuliertes Geschäft. Es fehlen zwar selten elementare Wohlfühlfaktoren wie ein Wartebereich, aber auch die im Umgang mit den Kunden erstklassig geschulten Mitarbeiter können nicht über das zu hohe Arbeitspensum hinwegtäuschen. So ist die Zeit für Reparaturen oft länger als angegeben und Abholzeiten werden nur selten eingehalten.

FOTOS: Hauptuntersuchung Gruselkabinett der Einfältigkeiten

Dringend überarbeitet werden sollte auch die Dokumentation von Reparaturen. Kundenunfreundlich ist der Vorgang, wenn es um Auftragsbestättigungen geht. Auch Prüfprotokolle wurden selten ausgegeben.

15 Prozent Fehlerquote

Mängel werden zwar in der überwiegenden Mehrzahl festgestellt und nach optimaler Beratung auch beseitigt. Allerdings wurden in 15 Prozent aller Fälle die falsche Diagnose gestellt. Notwendige Reparaturen wurden nicht angeboten. Dafür unnütze Sachen, die laut Experten nicht gemacht werden mussten.

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Die Ketten Stop+go und A.T.U sind die Testsieger. Insgesamt verteilten die Prüfer nur zwei Mal die Bestnote, aber immerhin noch sieben Mal gut. Drei Werkstätten konnten nicht überzeugen. Die Kette stop+go war bei Service, Personal und Fehlersuche exzellent. A.T.U kann mit der besten Beratung und Fehlersuche sowie gutem Service punkten. Euromaster landet mit guter Fehlerdiagnose und ausführlichen Erklärungen auf Rang drei.

Verbesserung zum ADAC-Test 2012

Damit hat sich vor allem die Werkstatt-Kette A.T.U gegenüber dem ADAC-Test 2012 stark verbessert. In dem Test sind fanden nur 28 Prozent der Werkstätten alle Fehler. In der Untersuchung schnitt auch der Bosch Car Service schlecht ab. Weniger als die Hälfte der Betriebe fanden alle Fehler. Einer stellt sogar den Fehlerkönig: Gerade 17 von 100 Punkten hatte eine Frankfurter Außenstelle.

Vertragswerkstätten auch nicht besser

In einem ähnlichen Test der Zeitschrift Auto, Motor und Sport schneiden Vertragswerkstätten auch nicht gut ab. Im vergangenen Jahr kamen BMW-Werkstätten auf eine Fehlerbehebungsquote von nur 68 Prozent. Auch Peugeot kam mit 65 Prozent nicht gut weg. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 77 Prozent. Fast alle an Marken gebundene Werkstätten hatten Schwächen bei der Einstellung der Scheinwerfer. Alle geprüften BMW- und VW-Mechaniker scheiterten bei der Inspektion daran. Insgesamt machte nur Mercedes eine gute Figur. Hier werden seit 2008 Quoten von etwa 85 bis 95 Prozent erreicht.

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sca/news.de

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