Mette-Marit nach der Lungentransplantation: Norwegen-Royals wegen Kronprinzessin am Pranger - wurde das Gesetz gebrochen?
Aufgrund von Lungenfibrose verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Kronprinzessin Mette-Marit drastisch - nun wurde der Ehefrau von Kronprinz Haakon eine Spenderlunge transplantiert. Bild: picture alliance/dpa/NTB | Lise Åserud
Erstellt von Claudia Löwe
19.06.2026 09.58
- Neuer Wirbel im norwegischen Königshaus: Wurde gegen das Gesetz verstoßen?
- Erfolgreiche Lungentransplantation bei Kronprinzessin Mette-Marit wirft Fragen auf
- So streng sind die Organspende-Gesetze in Norwegen
Royals-Fans in Norwegen und der ganzen Welt bangten in den vergangenen Jahren um Kronprinzessin Mette-Marit: Die Schwiegertochter des norwegischen Königs Harald V. hatte 2018 ihre Diagnose Lungenfibrose öffentlich gemacht, in den vergangenen Monaten hatte sich der Gesundheitszustand der norwegischen Kronprinzessin rapide verschlechtert. Nur wenige Tage, nachdem das norwegische Königshaus Anfang Juni 2026 mitteilte, Mette-Marit sei auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt worden, verkündete der Palast am 17. Juni, der lebensrettende Eingriff bei der 52-Jährigen sei bereits durchgeführt worden.
Kronprinzessin Mette-Marit erhält lebensrettende Lungentransplantation
Die Nachricht von Mette-Marits Lungentransplantation löste bei einigen Beobachtern Stirnrunzeln aus, wieso die Thronfolgergattin derart rasch ein Spenderorgan bekam, während andere Patientinnen und Patienten deutlich länger auf eine Transplantation warten müssen. Nun entbrennt zudem juristischer Zoff um das norwegische Königshaus: Haben die skandinavischen Royals gegen die strengen Organspende-Gesetze Norwegens verstoßen?
Norwegen hat strenge Gesetze zum Datenschutz beim Thema Organspende
Eine einordnende Antwort darauf wagte Rechtsanwältin Sandra Günther in einem "Bunte"-Beitrag. Die Dortmunder Fachanwältin für Familienrecht und Strafrecht nahm in ihren Ausführungen Bezug auf die strikten gesetzlichen Regelungen, die für Organspende in Norwegen gelten - im Fokus steht dabei das Thema Geheimhaltung und Datenschutz. Weder die Identität des Spenders eines Organes noch die des Empfängers dürfen preisgegeben werden. Das norwegische Gesetz verbietet ausdrücklich auch solche Angaben, die Rückschlüsse auf die jeweils andere Person zulassen oder eine Verbindung zwischen beiden Seiten herstellen könnten.
Selbst vermutete Zusammenhänge dürfen von den zuständigen Behörden weder bestätigt noch kommentiert werden. Die in Norwegen geltende Regelung zielt darauf ab, jegliche direkte oder indirekte Zuordnung zwischen Organspender und Organempfänger zu unterbinden. Dass das norwegische Königshaus die lebensrettende Operation bei Kronprinzessin Mette-Marit zeitnah nach dem Eingriff publik machte, ließ die Frage aufkommen, ob die Royals gegen die strikten Gesetze verstoßen und eine Klage riskiert haben könnte. Nach Einschätzung von Rechtsanwältin Sandra Günther wurden bei der Bekanntgabe von Mette-Marits Transplantation jedoch keine Informationen veröffentlicht, die eine Identifizierung des Spenders ermöglichen würden. Ein konkreter Rechtsverstoß des Königshauses sei derzeit nicht erkennbar.
Datenschutz in Gefahr? Problematischen "Puzzleteileffekt" erzürnt Kritiker
Kritik richtet sich weniger gegen die Bekanntgabe der Operation selbst als gegen die Kommunikationsstrategie des Palastes. Das norwegische Königshaus hatte im Vorfeld des Eingriffs eine nahezu vollständige Nachrichtensperre verhängt. Diese Maßnahme bewirkte jedoch das Gegenteil des Beabsichtigten: Die Medien konzentrierten sich umso intensiver auf mögliche Organspenderfälle im Land.
In einem vergleichsweise kleinen Staat mit nur rund 5,5 Millionen Einwohnern birgt dies besondere Risiken. Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen eines verstorbenen Spenders kennen naturgemäß den Zeitpunkt und die Umstände des Todesfalls. Durch die Kombination einzelner Informationen könnten theoretisch Rückschlüsse auf die Identität des Spenders möglich werden – der sogenannte "Puzzleteileffekt". Die Sorge vor solchen indirekten Verbindungen ist laut Experten nicht unbegründet, auch wenn bislang keine konkreten Anhaltspunkte für einen Rechtsverstoß vorliegen.
Schwer kranke Mette-Marit sorgt für Boom bei Organspende-Registrierungen
Die öffentliche Aufmerksamkeit für Kronprinzessin Mette-Marits Schicksal hat einen bemerkenswerten Nebeneffekt. Seit der Palast am 5. Juni die Aufnahme der Kronprinzessin auf die Transplantationsliste bekannt gab, ließen sich laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB rund 12.000 Menschen als Organspender registrieren. Das entspricht einem Anstieg um das 180-fache im Vergleich zum Vormonat.
Die Stiftung Organspende in Norwegen bestätigte diese Zahlen. Derzeit warten im Land etwa 600 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. Die Warteliste speziell für Lungentransplantationen ist nach Angaben des Lungenfacharztes Are Holm momentan relativ kurz. In Norwegen gilt grundsätzlich die Widerspruchslösung, wobei Angehörige stets in die Entscheidung einbezogen werden und eine Organentnahme ablehnen können.
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