Politik

Friedrich Merz: Plötzliches Riesen-Lob bei Markus Lanz – muss ihn in "Schutz" nehmen

Er stand zuletzt schwer in der Kritik - Bundeskanzler Friedrich Merz. Bild: dpa/Carsten Koall

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  • Bundeskanzler Friedrich Merz wird für seine Politik gelobt von Joachim Gauck
  • Ex-Bundespräsident stellt sich hinter den Kanzler: "Er will, dass dieses Land nach vorne kommt"
  • Abrechnung mit der AfD und Spekulationen über mögliche Bundespräsidenten-Anwärter:innen

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat in der Nacht zu Freitag bei "Markus Lanz" Kanzler Friedrich Merz überraschend gegen seine Kritiker in Schutz genommen. Der Kanzler, der unter anderem wegen des neuen Reformpakets im Netz massiv angegangen wurde, habe laut Gauck keine bösen Absichten im Sinn.

Bundeskanzler Friedrich Merz bekommt überraschend Unterstützung von Joachim Gauck

"Erst mal muss ich ihn ein bisschen in Schutz nehmen", erklärte der 86-Jährige im ZDF-Talk am Mittwochabend und verwies darauf, dass Merz "ja schon runtergeschrieben" worden sei, bevor er überhaupt mit dem Regieren begonnen habe.

"Er will, dass dieses Land wieder nach vorne kommt"

Der ehemalige Staatschef lobte den Reformwillen des CDU-Politikers mit deutlichen Worten: "Er will, dass dieses Land wieder nach vorne kommt." Man müsse von Merz nicht befürchten, dass er Deutschland "irgendwie in die Irre führt". Gauck forderte mehr Fairness im Umgang mit dem Kanzler und kritisierte gleichzeitig die Verunsicherung im Land sowie die Anziehungskraft der AfD.

Joachim Gauck bei Lanz: "Der Deutsche fühlt sich wohl, wenn er sich unwohl fühlt"

Gauck zeigte Verständnis für die kommunikativen Stolperer des Kanzlers in dessen Anfangszeit. Merz sei jahrelang nicht mehr aktiv in der Politik gewesen und habe nicht täglich mit der Öffentlichkeit kommuniziert. Da seien "manche Wortschöpfungen oder manche Halbsätze vielleicht nur zweite oder dritte Wahl", so der Altbundespräsident. "Sowas passiert."

Gleichzeitig rechnete er mit der deutschen Nörgelkultur ab: "Der Deutsche fühlt sich eigentlich wohl, wenn er sich unwohl fühlt." Besonders wer intelligent wirken wolle, dürfe ja nicht glücklich oder dankbar sein. Stattdessen müsse man demonstrieren, alles zu durchschauen. Man solle daher nicht jeden missglückten Satz des Kanzlers "zu einem Fanal des Unvermögens erheben" – das sei "natürlich Blödsinn".

Ex-Bundespräsident kritisiert AfD – "kontaminiert mit alten Denken"

Deutlich schärfer fiel Gaucks Urteil über die AfD aus. Auf die Frage, ob er Verständnis für Menschen habe, die aus Existenzängsten zur Partei flüchten, antwortete er mit einem klaren "Nein". Diese Wähler befänden sich auf einem Irrweg: "Es ist für mich und meine Freunde unmöglich, diese Partei zu wählen, weil sie kontaminiert ist mit einem alten Denken und einem Grundverdacht gegenüber unserer offenen Gesellschaft."

Trotz der aktuellen Umfragehöhenflüge der AfD – etwa in Sachsen-Anhalt, wo im September gewählt wird – warnte der Ex-Präsident vor Panik. Er wolle "keinen Alarmismus" verbreiten, "weil er uns lähmt". Selbst ein AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt werde Deutschland nicht zum Untergang bringen, könnte aber andere Deutsche "aufwecken" und "kampfesmutiger machen".

Eine Frau fürs Schloss Bellevue?

Zum Abschluss des Gesprächs äußerte sich Gauck auch zur Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Zwar solle man die Entscheidung nicht allein am Geschlecht festmachen, doch stellte er die rhetorische Frage: "Wie lange hatten wir jetzt Männer?" Es gebe schließlich zahlreiche Frauen mit großen Verdiensten um das Land.

Der 86-Jährige wurde dabei sogar konkret und brachte einen bestimmten Typus ins Spiel: "Es könnte mal eine katholische Intellektuelle sein." Namen nannte er allerdings nicht. Seit Gründung der Bundesrepublik haben ausschließlich Männer das höchste Staatsamt bekleidet – eine Tradition, die nach Gaucks Vorstellung durchaus enden könnte.

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/bua/news.de/stg

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