Ricarda Lang reicht es: Ex-Grünen-Chefin knöpft sich Friedrich Merz vor
Auch bei ihr stößt das Reformpaket der Bundesregierung auf Widerstand: Grünen-Abgeordnete Ricarda Lang (32) kritisiert den Umgang mit dem Krankenstand in Deutschland scharf. Sie spricht von reiner Symbolpolitik. Bild: dpa/Michael Kappeler
Von news.de-Redakteurin Ines Fedder
03.07.2026 10.43
- Grünen-Politikerin Ricarda Lang äußert sich zur Kranken-Debatte um Friedrich Merz
- Abrechnung mit schwarz-roter Koalition bei Instagram - reine Symbolpolitik
- Lang wirft Merz Misstrauen und falsche Wirtschaftspolitik vor
- Zahlreicher Zuspruch für Lang-Ansage im Netz - Bürger verzweifeln an Friedrich Merz
Die schwarz-rote Koalition hat am Donnerstagmorgen ihr großes Reformpaket vorgestellt. Während Bundeskanzler Friedrich Merz davon sprach, Deutschland wieder "flottkriegen" zu wollen, stoßen die Reformen nur wenig später im Netz auf zahlreichen Widerstand. Sogar eine Anti-Merz-Demonstration wurde bereits angekündigt.
So will die Bundesregierung gegen den "exorbitanten Krankenstand" vorgehen
Vor allem zwei Punkte im geplanten Maßnahmenkatalog sorgen für Entrüstung: Die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) am ersten Tag sowie zeitgleich der Wegfall der telefonischen Krankmeldung. Man wolle sich mit dem "exorbitanten Krankenstand" nach der Coronazeit nicht abfinden", erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz. Daher treffe man nun eine "harte Entscheidung."
Dass diese Entscheidung in den Augen vieler allerdings nicht nur "hart", sondern auch vollkommen überflüssig und sogar wirkungslos ist, davon wolle der Bundeskanzler nichts hören. Bei "Anne Will" gab sich Merz nach dem Reform-Hammer am gestrigen Tag gelassen und sprach sogar von einer "genialen Idee" - eine, die nun von Grünen-Abgeordneten Ricarda Lang gehörig auseinandergenommen wurde.
Ricarda Lang reicht es – für Friedrich Merz sind Kranke nur ein "Wettbewerbsnachteil"
"Du bist krank? Dann bist du leider für unseren Bundeskanzler Friedrich Merz ein Wettbewerbsnachteil", beginnt die ehemalige Grünen-Chefin ihre Ansprache bei Social Media. Am besten man gehe in die "volle Arztpraxis" oder lieber krank zur Arbeit, fährt Ricarda Lang ironischerweise fort.
Die Abschaffung der telefonischen Krankmeldung in Kombination mit der AU-Forderung am ersten Krankheitstag ist für die Grünen-Politikerin "das beste Beispiel für schlechte Symbolpolitik". Die Regierung richte damit "nur Schaden" an, für die Wirtschaft bringe das gar nichts. Ein überfordertes Gesundheitssystem, überlastete Arztpraxen, eine erhöhte Ansteckungsgefahr im Wartezimmer oder bei der Arbeit - alles Faktoren, die den Krankheitsstand in Deutschland nicht verringern, sondern erhöhen, so der Vorwurf.
"Wir müssen doch die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken"
Dass sie mit dieser Meinung nicht alleine ist, zeigen zahlreiche Videos bei Instagram und Co., in denen sich entrüstete Hausärzte und Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen zu Wort melden.
Was ist mit Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz?
Ein weiterer wesentlicher Punkt, der hier von der Regierung vernachlässigt wird, sei der, dass man nicht an die Ursachen des hohen Krankenstandes in Deutschland herangeht, kritisiert Lang. Dafür hat die Politikerin auch gleich ein paar Beispiele parat: Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, Stressreduktion, Zugang zu psychotherapeutischer Unterstützung..."Wir müssen doch die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken", so die Ansage an Merz, Klingbeil und Co.
Kann das alles nicht mehr - Bürger verzweifeln an Friedrich Merz
Gute Wirtschaftspolitik und neue Jobs als Kontrast dafür, Familien und Arbeitnehmern nicht das Leben schwer zu machen, so der Ansatz der Grünen-Politikerin. Und genau dieser Ansatz kommt bei ihren über 317.000 Followern im Netz ziemlich gut an. In der Kommentarspalte hagelt es Zustimmung - und verzweifelte Wortmeldungen angesichts der aktuellen, politischen Lage:
- "Ich komme mir vor wie in einer Zeitmaschine die rückwärts in der Zeit fährt. Tragisch!"
- "Ich kann das alles - und das meine ich aus dem tiefsten meines Herzens - wirklich nicht mehr."
- "Ich hoffe inständig, dass der Widerstand groß sein wird. Nicht zuletzt von den Arztpraxen, den Gewerkschaften und den Arbeitgebern!"
- "Als Hausärztin frage ich mich ernsthaft, wer solche Vorschläge für praxistauglich hält.
Wenn Beschäftigte künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigen und die telefonische Krankschreibung wegfällt, führt das nicht zu mehr Gesundheit, sondern zu mehr Bürokratie. Menschen mit banalen Infekten sitzen wieder im Wartezimmer, stecken andere an und blockieren Termine für diejenigen, die tatsächlich ärztliche Hilfe benötigen. Gerade im Herbst und Winter bedeutet das für Hausarztpraxen: Noch vollere Wartezimmer, längere Wartezeiten, mehr Verwaltungsaufwand und weniger Zeit für die medizinische Versorgung schwer kranker Patientinnen und Patienten. Wer das Gesundheitssystem stärken will, sollte Hausarztpraxen entlasten, nicht sie zum Schauplatz politischer Symbolpolitik machen." - "Warum mag Merz und die Bundesregierung eigentlich die Bevölkerung nicht?? Wir sind weder zu faul, noch arbeitsscheu oder notorische Krankmacher! Danke Ricarda für deine Klarheit!"
- "Ich finde diesen Generalverdacht und das grundsätzliche Misstrauen gegenüber der ganzen Bevölkerung einfach nur irre"
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