Klare Machtverschiebung in der AfD: Alice Weidel immer mächtiger – die neue Hackordnung
Beim AfD-Parteitag hat Alice Weidel ihre Machtposition ausgebaut. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
Erstellt von Anika Bube
06.07.2026 09.07
- Alice Weidel verbessert ihr Wahlergebnis bei der Wahl zur Parteivorsitzenden auf 81,3 Prozent
- Tino Chrupalla erhält nur 70,05 Prozent der Stimmen und schneidet deutlich schwächer ab
- Mehrere Weidel-nahe Kandidaten ziehen in den neuen Bundesvorstand ein
Nach dem Parteitag in Erfurt steht fest: Alice Weidel hat ihre Machtposition in der AfD deutlich ausgebaut. Die 47-jährige Co-Vorsitzende erhielt 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen – ein besseres Ergebnis als noch vor zwei Jahren, als sie 79,8 Prozent erreichte. Ihr Co-Chef Tino Chrupalla hingegen musste einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen. Der 51-Jährige kam lediglich auf 70,05 Prozent Zustimmung. Die Kluft zwischen beiden Parteichefs ist damit so groß wie nie zuvor. Nach außen präsentiert sich das Führungsduo weiterhin harmonisch. Chrupalla bezeichnete die Zusammenarbeit als "ein Herz und eine Seele". Doch hinter den Kulissen zeichnet sich ein anderes Bild ab: Eine Einzelspitze unter Weidels Führung gilt mittlerweile als realistisches Szenario. Der neue Bundesvorstand ist jünger und klar auf die promovierte Ökonomin ausgerichtet.
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Das Netzwerk hinter Weidels Aufstieg
Alice Weidel verdankt ihren Machtzuwachs nicht allein den guten Umfragewerten der Partei. Entscheidend war ein strategisches Bündnis mit dem sogenannten Münzenmaier-Lager. Sebastian Münzenmaier, 37 Jahre alt und Vizechef der Bundestagsfraktion, gilt als eigentlicher Organisator ihrer Machtbasis. Der gelernte Finanzanlagen- und Versicherungsfachmann führt ein Netzwerk aus ehemaligen Funktionären der aufgelösten Jungen Alternative. Diese Jugendorganisation hatte der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Zu Münzenmaiers Verbündeten zählen unter anderem René Aust, Hannes Gnauck sowie Jean-Pascal Hohm, der neue Chef der AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland".
Das Lager zeichnet sich durch straffe Organisation aus und wird dem rechten Flügel zugeordnet. "Die Machtdemonstration ist gelungen", erklärte ein Parteifunktionär gegenüber "Bild". Mit diesem Rückhalt sicherte sich Weidel die Mehrheit im Bundesvorstand. An Münzenmaier kommt in der AfD kaum noch jemand vorbei.
Chrupallas Stern sinkt rapide
Für den Malermeister aus dem sächsischen Weißwasser war der Parteitag ein Desaster. Mit nur 70 Prozent Zustimmung erlitt Chrupalla den deutlichsten Dämpfer seiner Amtszeit. Gleichzeitig verloren mehrere seiner Vertrauten wichtige Positionen im Bundesvorstand. Die politische Isolation des 51-Jährigen nimmt zu. Seine einst solide Machtbasis im Osten Deutschlands schrumpft zusehends. Selbst in seinem Heimatland Sachsen bröckelt der Rückhalt für den Co-Vorsitzenden.
Zwischen Weidel und Chrupalla schwelt seit langem ein Machtkampf. Streitpunkte sind unter anderem seine russlandfreundliche Haltung und unterschiedliche strategische Ausrichtungen. Während die promovierte Ökonomin auf einen wirtschaftsliberalen Kurs setzt und die Partei regierungsfähig machen will, orientiert sich Chrupalla stärker am ostdeutschen Wählerpotenzial und tritt radikaler auf. Sein Verbleib an der Parteispitze erscheint nur noch als Frage der Zeit.
Höcke stärkt seine Position – doch die Grenzen sind erreicht
Der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke nutzte den Parteitag in seiner Heimatstadt, um eigene Leute im Bundesvorstand zu platzieren. Mit Stefan Möller und der bayerischen Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner sitzen nun zwei enge Vertraute des 54-Jährigen im Führungsgremium.
Möller, seit 2014 Co-Vorsitzender in Thüringen, gilt als erfahrener Stratege und Organisator. Er soll sich künftig um den Umgang mit dem Verfassungsschutz kümmern. Den Thüringern war der bisherige Kurs der Bundespartei in dieser Frage zu zurückhaltend. "Es geht uns darum, wirklich klare Kante zu zeigen und sich nicht in die Defensive drängen zu lassen", hatte Höcke vor dem Parteitag erklärt.
Dennoch bleibt Höckes Einfluss begrenzt. Im neuen Machtgefüge dominieren Weidel und das Münzenmaier-Netzwerk. Das Bündnis verspricht Aufstiegschancen – etwas, das Höcke seinen Anhängern nicht bieten kann.
Jüngerer AfD-Vorstand ohne Mäßigungskurs
Der neu zusammengesetzte Bundesvorstand ist deutlich jünger und klar auf Weidel ausgerichtet. Fast alle von ihr unterstützten Kandidaten setzten sich in Erfurt durch. Mit Jean-Pascal Hohm, dem 28-jährigen Chef der Jugendorganisation "Generation Deutschland", zog ein weiterer Vertreter des Münzenmaier-Netzwerks in das Führungsgremium ein.
Die Partei präsentierte sich auf dem Parteitag professionell und geschlossen. Der Parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann bezeichnete die AfD als "geölte Maschine". Einen Mäßigungskurs, wie ihn andere rechte Parteien in Europa eingeschlagen haben, lehnt die Partei ab. Der neue stellvertretende Vorsitzende Sven Tritschler betonte in seiner Bewerbungsrede: "Gerade jetzt an der Schwelle zur Macht" dürfe die Partei sich "nicht verbiegen".
Der Verfassungsschutz beobachtet mehrere der neu gewählten Funktionäre bereits. Das gerichtliche Hauptsacheverfahren zur Einstufung der Partei steht noch aus.
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