Björn Höcke: Nur Ostdeutsche sind "echte Deutsche"? AfD-Politiker löst Empörung aus
Björn Höcke spricht Westdeutschen in einem Podcast das Deutschsein ab. Bild: picture alliance/dpa | Martin Schutt
Von news.de Redakteurin Anika Bube
09.06.2026 11.06
- AfD-Politiker Björn Höcke spricht Westdeutschen faktisch ihr Deutschsein ab
- Ausgerechnet Höcke selbst wurde in Nordrhein-Westfalen geboren
- Im Podcast zeichnete der Thüringer Landeschef ein düsteres Untergangsszenario für Deutschland
Björn Höcke hat mit Äußerungen über die deutsche Identität für Aufsehen gesorgt. In einem Podcast der Schweizer "Weltwoche" zog der Thüringer AfD-Vorsitzende eine scharfe Trennlinie zwischen Ost- und Westdeutschen. "Im Westen der Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner, im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche", erklärte der 54-Jährige im Gespräch mit Herausgeber Roger Köppel. Nur im Osten seien "die Menschen noch Deutsche". Mit dieser Aussage spricht Höcke Millionen Bundesbürgern westlich der ehemaligen innerdeutschen Grenze faktisch ihr Deutschsein ab. Besonders bemerkenswert ist dabei ein Detail aus Höckes eigener Biografie.
Weitere aktuelle Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende dieses Artikels.
Der AfD-Politiker wurde in Lünen in Nordrhein-Westfalen geboren. Nach seiner eigenen Argumentation würde er damit selbst zu jenen "deutsch sprechenden Amerikanern" gehören, die er im Podcast beschreibt.
Höcke spricht von einer westdeutschen "Ersatzidentität"
Im Gespräch begründete Höcke seine These mit einem historischen Narrativ. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe sich Westdeutschland kulturell stark an den Vereinigten Staaten orientiert. Durch amerikanische Einflüsse und die europäische Integration sei eine "Ersatzidentität" entstanden, die das eigentliche Deutschsein verdrängt habe. Die Menschen in Ostdeutschland hätten sich dieses Deutschsein dagegen bewahrt. Für Höcke erklärt dieser angebliche Gegensatz auch die bis heute bestehenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.
Höcke-Lob für DDR sorgt für Stirnrunzeln
Im weiteren Verlauf des Podcasts äußerte sich Höcke auch überraschend positiv über die DDR. Menschen aus Ostdeutschland hätten ihm berichtet, die DDR sei trotz ihrer politischen Mängel ein Staat mit einer eigenständigen deutschen Identität gewesen. Dabei gilt die DDR historisch als Unrechtsstaat. Politische Gegner wurden verfolgt, Bürger überwacht und Menschen, die das Land verlassen wollten, kamen an der innerdeutschen Grenze ums Leben.
"Finis Germania": Höcke zeichnet Untergangsbild
Der Ton des Gesprächs wurde anschließend deutlich düsterer. Höcke beschwor das "Finis Germania", das Ende Deutschlands, und zeichnete das Bild einer Nation im Niedergang. Die Bundesrepublik werde vom "Hegemon" USA fremdgesteuert, behauptete er. Besonders scharf ging er mit den politischen Eliten ins Gericht. Die Führungsschicht Deutschlands sei keine "deutsche Elite" mehr. Sie habe "niemals gelernt, deutsche Interessen zu definieren". Diese Elite könne mit Deutschland nichts anfangen und hasse das Land "im schlechtesten Fall sogar".
Verfassungsschutz sieht Widerspruch zum Grundgesetz
Die Aussagen passen zu einem Nationsverständnis, das Höcke seit Jahren vertritt. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes basiert dieses Weltbild stark auf ethnisch-kultureller Abstammung und steht damit im Widerspruch zum Staatsbürgerschaftsverständnis des Grundgesetzes.
Das mehr als zweistündige Gespräch bot dem AfD-Politiker viel Raum für seine Positionen. Moderator Roger Köppel stellte seinen Gast zu Beginn als "die größte Reizfigur der deutschen Politik" vor. Kritische Nachfragen zu Höckes Aussagen, seiner politischen Vergangenheit oder seiner Verurteilung wegen der Verwendung einer verbotenen SA-Parole blieben während des Gesprächs weitgehend aus. Damit reiht sich das Interview in eine Serie von Podcast-Auftritten ein, die zuletzt wegen ihres unkritischen Umgangs mit dem AfD-Politiker für Diskussionen gesorgt hatten.
Weitere aktuelle Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie hier:
- AfD-Plan sorgt für Alarm - Innenminister warnt vor "Staatsstreich"
- "Totaler Quatsch!" AfD-Politikerin blamiert sich bei Markus Lanz
- Sendezeit kassieren, dann Moderator attackieren - der fiese Medien-Trick der AfD
- AfD verliert Markenrecht am Logo - wegen mangelnder ernsthafter Nutzung
- Absolute Mehrheit in Sicht – aber die AfD weiß nicht, wie sie regieren soll