Wladimir Putin: Russische Schattenflotte vor Rügen – Gefahr vor Deutschlands Küste
Putins Schattenflotte vor Rügen: Immer mehr Tanker passieren deutsche Gewässer Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Gavriil Grigorov
Erstellt von Mia Lada-Klein
01.07.2026 11.25
- Greenpeace registriert 136 Schattenflotten-Tanker nahe Rügen
- Reeder warnen vor schweren Folgen für Umwelt und Schifffahrt
- Schiffe weichen offenbar verstärkt auf die Route entlang Deutschlands aus
Vor der deutschen Ostseeküste werden offenbar immer häufiger Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte gesichtet. Nach Recherchen der Umweltorganisation Greenpeace nutzen zahlreiche Schiffe inzwischen eine Route entlang der deutschen Küste, wie "Bild" berichtet. Experten warnen vor erheblichen Risiken für Umwelt und Schifffahrt.
Deutlich mehr Tanker vor der deutschen Ostseeküste
Nach Angaben von Greenpeace haben zwischen Anfang März und Mitte Juni insgesamt 136 Tanker der russischen Schattenflotte den Seeweg nahe der Insel Rügen genutzt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres sei kein einziges entsprechendes Schiff auf dieser Route registriert worden. Die Schiffe stehen im Verdacht, russisches Öl zu transportieren und dabei westliche Sanktionen zu umgehen. Immer wieder wird berichtet, dass Tanker ihre Identität verschleiern oder zeitweise mit abgeschalteten AIS-Transpondern unterwegs sind, wodurch ihre Position und Identität schwerer nachzuverfolgen sind.
Warum die Schiffe ihre Route geändert haben
Nach Einschätzung von Greenpeace könnte die veränderte Streckenführung mit dem härteren Vorgehen Schwedens zusammenhängen. Seit März kontrollieren die schwedischen Behörden den Schiffsverkehr zwischen Südschweden und der Insel Bornholm deutlich intensiver. Mehrere Tanker wurden dort gestoppt, zwei Schiffe sogar festgesetzt. Deshalb weichen offenbar zahlreiche Tanker auf die längere Route entlang der deutschen Ostseeküste aus. Den Angaben zufolge fuhren 31 Schiffe sogar durch die deutsche Zwölf-Meilen-Zone.
Route führt von Russland an Rügen vorbei
Die Tanker starten meist in russischen Ostseehäfen wie Primorsk oder Ust-Luga. Statt wie früher nördlich an Bornholm vorbeizufahren, wählen viele inzwischen den Weg südlich der Insel in Richtung Rügen. Von dort geht es weiter durch den Fehmarnbelt und den Großen Belt bis in die Nordsee. Schwedische Behörden waren bereits im März gegen einen Tanker vorgegangen. Der Kapitän der "Sea Owl I" wurde nach einer Kontrolle vor Trelleborg festgenommen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen unter anderem wegen des "Verdachts auf Urkundenfälschung, schwere Straftaten sowie Verstöße gegen das Seerecht" ein.
Reeder schlagen Alarm
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Ein Sprecher warnte gegenüber der "Bild" eindringlich vor den möglichen Folgen:
"Die sogenannte Schattenflotte gefährdet genau das, sie ist eine Gefahr für Mensch, Umwelt und die Schifffahrt insgesamt."
Besonders problematisch sei, dass viele dieser Schiffe die üblichen Sicherheits- und Umweltstandards nicht erfüllten.
"Viele dieser Schiffe entziehen sich den geltenden Sicherheits- und Umweltstandards. Kommt es zu einem Unfall, können die Folgen gravierend sein."
Sorge vor Umweltkatastrophen wächst
Mit der steigenden Zahl der Tanker in deutschen Gewässern wächst auch die Sorge vor möglichen Havarien oder Ölunfällen in der Ostsee. Umweltverbände kritisieren seit Längerem, dass viele Schiffe der Schattenflotte in schlechtem technischen Zustand sein und teilweise ohne ausreichenden Versicherungsschutz unterwegs sein sollen. Angesichts der zunehmenden Fahrten entlang der deutschen Küste dürfte die Debatte über strengere Kontrollen weiter an Fahrt aufnehmen.
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