Politik

Wladimir Putin: Er geht durch die "Hölle" - muss der Kreml-Chef die Krim jetzt aufgeben?

2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Nun spitzt sich die Lage vor Ort zu. Massive ukrainische Drohnenangriffe bringen Russlands Vorherrschaft ins Wanken. Bild: dpa/APA Images via ZUMA Press Wire/President Of Russia

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  • Krim-Krise spitzt sich zu - kein Treibstoff mehr auf der Halbinsel
  • Massive Drohnenangriffe - Kiew will Krim weitestgehend isolieren
  • Wie ernst ist die Lage für Wladimir Putin wirklich? Das sagen die Experten

Nach massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf Ölanlagen hat Russland ein umfassendes Tankverbot für die besetzte Krim verhängt. Seit Sonntagmorgen ist der Kraftstoffverkauf an sämtlichen Tankstellen der Halbinsel eingestellt – auch private Unternehmen dürfen keinen Treibstoff mehr abgeben. Aber wie geht es weiter auf der Krim? Wladimir Putin muss um die annektierte Halbinsel bangen. Die Ukraine versucht, die Krim zu isolieren. Die Hintergründe.

Ukraine-Drohnen treffen Öldepot auf der Krim - Krimbrücke zeitweise gesperrt

In der Nacht trafen ukrainische Angriffe ein Öldepot in der Hafenstadt Kertsch sowie eine Öltransportanlage in der russischen Region Krasnodar. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Schläge und sprach von "erfolgreicher Arbeit" der Geheimdienste. Nach Angaben des russischen Besatzungschefs Sergej Aksjonow kamen mindestens vier Menschen ums Leben, 28 weitere wurden verletzt.

Im Kraftstoffterminal von Kertsch brach ein Großbrand aus, eine dichte Rauchwolke legte sich über die Region. Auch die strategisch wichtige Krim-Brücke zum russischen Festland wurde zeitweise für den Autoverkehr gesperrt. "Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren", erklärte Aksjonow in einer Videobotschaft.

Kiews Plan: Die Krim zur Insel machen

Die Angriffe folgen einer klaren Strategie der ukrainischen Führung. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow kündigte bereits an, die Halbinsel durch systematische Drohnenangriffe zu isolieren. "Es sieht so aus, als ob sich die Krim in Kürze in eine Insel verwandelt", sagte der Minister in einem Interview gegenüber der Presse.

Wladimir Putin unter Druck - Krim seit Wochen von Ukraine-Angriffen betroffen

Seit Wochen nimmt die Ukraine gezielt Brücken, Bahnstrecken und Treibstofflager unter Beschuss. Betroffen waren unter anderem die Verbindungen bei Tschonhar und im Raum Armjansk-Perekop sowie eine Eisenbahnbrücke auf der strategisch wichtigen Strecke zwischen Kertsch und Dschankoj. Für die Russen beginne "eine Hölle, die sie nur schwerlich meistern werden", so Fedorow.

Auch Robert Browdi, Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, bekräftigte das Ziel: Man werde Bedingungen schaffen, die es Militärs und Rüstungsmitarbeitern "extrem erschweren" würden, sich auf der Krim aufzuhalten.

Treibstoff nur noch für Behörden – Tourismus bricht ein

Die Versorgungslage auf der Krim hat sich dramatisch zugespitzt. Kraftstoff wird nach Angaben von Statthalter Aksjonow ausschließlich an staatliche Stellen abgegeben, die für kritische Infrastruktur und Sicherheit zuständig sind. Auch der Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, musste die geplante Benzinzuteilung für Autofahrer am Sonntag absagen – die Lieferungen verzögerten sich weiter.

Selbst kremlnahe Militärblogger wie Rybar räumen ein, dass die Treibstoffkrise das Ergebnis eines "konsequenten Drucks auf die Versorgungsrouten der Halbinsel" sei. Nach Angriffen auf eine Eisenbahnbrücke über den Nord-Krim-Kanal wurde der Bahnverkehr teilweise eingestellt.

Besonders hart trifft es den Tourismus: Laut dem Krim-Medium Inzhir Media wurden bereits rund 80 Prozent der Buchungen für Juni storniert. Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken schrecken offenbar viele russische Urlauber ab, die die Halbinsel normalerweise im Sommer besuchen.

Moskau fürchtet ukrainische Landungsoperationen

Die verstärkten Angriffe haben auch militärische Konsequenzen für Russland. Nach Angaben des Sprechers der ukrainischen Marine, Dmytro Pletenchuk, baut Moskau die Verteidigungsstellungen auf der Krim massiv aus. Hintergrund seien wachsende Befürchtungen vor amphibischen Operationen der Ukraine.

"Der Feind betrachtet das als eine absolut reale Bedrohung", sagte Pletenchuk dem "Kyiv Independent". Die Russen verstärkten aktiv jene Küstenabschnitte, die für Landungen besonders anfällig seien. Die Halbinsel galt lange als zentraler logistischer Knotenpunkt für die russischen Streitkräfte und spielte eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Truppen in den besetzten Gebieten.

Inzwischen geraten jedoch die Nachschubwege zunehmend unter Druck. Neben Treibstofflagern und Ölanlagen werden auch militärische Transportkapazitäten sowie wichtige Straßen- und Schienenverbindungen gezielt angegriffen. Die Beeinträchtigungen der Logistik wirken sich nach ukrainischen Angaben bereits auf die Zahl der russischen Angriffe entlang der Frontlinie aus.

Muss Wladimir Putin die Krim aufgeben? Experten sehen keine Isolation

Trotz der sichtbaren Versorgungsprobleme bezweifeln Fachleute, dass die Ukraine die Krim vollständig von Russland abschneiden kann. Russlandexperte Stefan Meister beobachtet bislang vor allem Benzinengpässe, während die Lebensmittelversorgung offenbar weiter funktioniere, erklärte er gegenüber der "Bild". Das eigentliche Ziel Kiews sei derzeit nicht die Rückeroberung, sondern die Schwächung der Krim als Logistikdrehscheibe und Ausgangsbasis für Luftangriffe.

Energieexpertin Tatiana Mitrova bestätigt, dass die ukrainischen Angriffe die Versorgung "sichtbar schwieriger und teurer" machten. Von einer vollständigen Isolation könne jedoch keine Rede sein – Russland verfüge weiterhin über alternative Versorgungswege und Reserven.

Das Institute for the Study of War konstatiert inzwischen "wirtschaftliche Schmerzen" auf der Halbinsel. Treibstoffengpässe, Verkehrsprobleme und der einbrechende Tourismus belasteten die russische Besatzungsökonomie erheblich. Eine unmittelbare Gefahr für die russische Kontrolle sehen die Experten dennoch nicht.

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