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Donald Trump: Die Psychologie der Macht - warum Trumps Botschaften so stark wirken

Trumps Botschaften zielen oftmals direkt auf Unsicherheiten in der Gesellschaft ab. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

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  • Donald Trump nutzt die Macht der Kommunikation gezielt aus
  • Seine Botschaften sorgen für Aufmerksamkeit - und bieten Orientierung
  • Expertin Kira Lange erklärt, welche psychologische Wirkung seine Worte haben

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Donald Trump ist mehr als nur ein Politiker - er ist ein politisches Phänomen. Kaum ein anderer versteht es so gut wie er, die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie für sich zu nutzen. Seine Auftritte sind perfekt inszeniert, seine Botschaften oft zugespitzt und emotional aufgeladen. Für seine Kritiker wirkt das gefährlich, für seine Anhänger hingegen klar und authentisch. Doch warum entfalten Trumps Worte so eine Wirkung?

Hinweis: Personen der Öffentlichkeit sind in der Regel nur in ausgewählten und inszenierten Situationen zu beobachten. Daher lassen sich zwar öffentliche Verhaltensweisen und rhetorische Muster beschreiben, aber keine verlässlichen Aussagen über Persönlichkeit oder psychische Gesundheit treffen. Gerade bei Donald Trump wird häufig über Narzissmus oder narzisstische Persönlichkeitszüge spekuliert. Eine solche Einordnung wäre aus der Ferne jedoch unseriös; beschreiben lassen sich nur öffentliche Aussagen, Auftritte und rhetorische Muster.

Warum Trumps "Make America Great Again" die Massen begeistert

Trumps Sprache wirkt nicht, weil sie politische Probleme besonders genau erklärt - sondern weil sie Menschen in unsicheren Zeiten Rollen anbietet: Gegner, Opfer, Retter und Gemeinschaft.Auch seine Wortwahl folgt diesem Muster: Begriffe wie "groß", "wunderschön", "großartig" oder "unglaublich" verstärken den Eindruck von Stärke, Erfolg und Überlegenheit. Eines der bekanntesten Beispiele: "Make America Great Again". Seine Lieblingsphrase, "Wie es noch niemand zuvor gesehen hat", benutzte Trump laut einer Auswertung der "Associated Press" 2024 sogar über 400 Mal in verschiedenen Variationen in seinen Auftritten. Hier nur einige Beispiele aus dem rhetorischen Arsenal des US-Präsidenten:

Muster Beispiel Wirkung
Superlative "großartig", "unglaublich", "wie nie zuvor" Erzeugt Größe, Stärke, Ausnahmezustand
Feindbild Medien, Demokraten, Justiz, "Establishment" Stärkt Lagerdenken
Wiederholung MAGA, "America First" Macht Botschaften merkfähig
Opfer-Erzählung "Sie verfolgen mich", "Hexenjagd" Mobilisiert Anhänger emotional, delegitimiert Kritik
Retter-Narrativ "Nur ich kann das lösen" Baut Führungsfigur auf

Die Beispiele zeigen: Trumps Sprache funktioniert nicht nur über einzelne Schlagworte, sondern über wiederkehrende Rollen, die auchineinandergreifen. Der Superlativ dramatisiert die Lage, das Feindbild benennt Schuldige, die Opfer-Erzählung erklärt Kritik als Angriff und das Retter-Narrativ bietet eine Lösung an: Trump selbst. So entsteht eine geschlossene politische Erzählung, die weniger über Sachargumente funktioniert als über Identität, Zugehörigkeit und Abgrenzung.

Kira Lange, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Expertin für psychische Balance und Resilienz, erklärt gegenüber News.de: "Zugespitzte Aussagen und eine starke Selbstdarstellung können Aufmerksamkeit erzeugen, Emotionen ansprechen und Botschaften leichter merkbar machen."

Gleichzeitig sorgen derartige Aussagen dafür, dass bestehende Überzeugungen weiter verstärkt und komplexe Themen vereinfacht dargestellt werden. Wer komplexe Themen auf einfache Formeln herunterbrechen kann, erreicht auch Menschen, die sich von der klassischen Politik nicht angesprochen oder stark vernachlässigt fühlen.

Alle gegen alle? Polarisierung als Versprechen von Klarheit

Polarisierende Aussagen teilen die Welt in klare Lager: Wir gegen sie, richtig gegen falsch, Stärke gegen Schwäche. Gehen die Zwischentöne verloren, kann das jedoch für demokratische Debatten zum Problem werden. Psychologisch kann die Taktik aber genau deshalb attraktiv wirken. "Polarisierende Aussagen schaffen klare Positionen und reduzieren Komplexität", erklärt Lange. "Für manche Menschen können sie Orientierung, Zugehörigkeit oder das Gefühl vermitteln, dass Probleme eindeutig benannt werden."

Wirtschaftskrisen, Inflation, soziale Ungerechtigkeit, steigende Gewalt, Kriminalität und Kriege prägen vielerorts die öffentliche Wahrnehmung. So bekommen Menschen zunehmend den Eindruck, dass die Welt zunehmend unübersichtlich, bedrohlich oder ungerecht wird. Lange erklärt dazu: "Besonders in Zeiten von Unsicherheit werden klare und entschlossene Botschaften häufig als attraktiv wahrgenommen."

Daten belegen: Trumps Sprache hat sich radikalisiert

Dass diese Muster nicht nur punktuell auftreten, sondern Trumps Sprache über Jahre prägen, legt eine Analyse der Politikwissenschaftler Nikita Savin und Daniel Treisman nahe. Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher eine monatliche Reihe öffentlicher Trump-Ansprachen von 2015 bis 2024 und verglichen sie mit Reden anderer US-Präsidentschaftskandidaten sowie internationaler Politiker.

Trumps Phrasenfelder: Entwicklung 2016 bis 2024

Die Studie misst Wort- und Phrasenfelder als Anteil an allen Wörtern in Trumps öffentlichen Reden. Angaben in Prozent; Ausnahme: They/We-Verhältnis.

1. Gewalt- und Konfliktvokabular steigt
00,40,81,21,6 201620202024 Gewalt gesamt 2024: 1,21 %
Gewalt gesamt Kriminalität Krieg
2. Ausgewählte Phrasenfelder 2024
„We“
3,06
„They“
2,50
Gewalt
1,21
Anti-Eliten
0,35
Kriminalität
0,32
Krieg
0,22
„The people“
0,15
3. Datenübersicht
Phrasenfeld201620202024
Gewalt gesamt0,580,911,21
Kriminalität0,060,140,32
Krieg0,140,220,22
Anti-Eliten0,490,200,35
„They“-Wörter1,892,132,50
„We“-Wörter3,703,523,06
„The people“0,210,170,15
They/We-Verhältnis0,510,610,82

Quelle: Nikita Savin & Daniel Treisman, „Donald Trump’s Words“, Political Science Quarterly, DOI 10.1111/psq.70016; NBER Working Paper 32665. Die Studie misst Wörter bzw. Wörterbücher/Phrasenfelder, nicht absolute Zählungen einzelner Slogans.

Insbesondere sein Gebrauch von Gewalt-, Kriegs- und Kriminalitätsvokabular im internationalen Vergleich gehört inzwischen zu den extremsten Ausprägungen innerhalb westlicher Demokratien. Klassische Themen wie die ökonomische Leistungsfähigkeit traten hingegen stark in den Hintergrund. Das ist kein Zufall: Die Betonung der Gefahr lässt das Versprechen einer starken Führung noch attraktiver wirken.

Trump: Ein Mann des Volkes?

Eine der zentralen Fragen im Fall Trump: Warum bleibt seine Anhängerschaft so loyal, selbst wenn er kritisiert wird, widersprüchliche Aussagen trifft oder politische Kontroversen auslöst. "Starke Loyalität entsteht häufig, wenn Politiker das Gefühl vermitteln, die Werte, Sorgen oder Identität ihrer Anhänger zu vertreten", erklärt Lange. Menschen orientierten sich nicht nur an politischen Inhalten, "sondern auch an Zugehörigkeit, Vertrauen und emotionaler Bindung". Wer sich von einer politischen Führungsperson repräsentiert fühlt, bewertet einzelne Entscheidungen oft anders als Außenstehende.

Trump dient vielen Amerikanern als Identifikationsfigur - für sie spricht er das aus, was ein Großteil der Gesellschaft aus unterschiedlichen Gründen als nicht mehr "sagbar" empfindet. Das sorgt dafür, dass Kritik von außen im Zweifelsfall sogar die Bindung stärken kann, weil sie als Angriff auf die eigene Gruppe verstanden wird.

Trumps politische Wirkung lässt sich nicht allein über einzelne Aussagen oder Wahlkampfslogans erklären. Seine Sprache schafft ein emotionales Ordnungssystem: Sie dramatisiert Krisen, benennt Gegner, stellt Trump selbst als Angegriffenen dar und bietet ihn zugleich als Lösung an. Genau diese Verbindung aus Bedrohung, Zugehörigkeit und Stärke macht seine Kommunikation für viele Anhänger so wirksam - und für demokratische Debatten so problematisch.

Zur Expertin

Kira Lange ist Heilpraktikerin für Psychotherapie in Rinteln, Niedersachsen. Bild: Wiebke Ostermeier (Lichtemomente.net)

Kira Lange ist Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie Expertin für Trauma- und Resilienzberatung. In ihrer Praxis (u. a. im Resilienz Zentrum Rinteln) unterstützt sie Klienten dabei, psychische Belastungen, Krisen und Traumafolgestörungen konstruktiv zu bewältigen und emotionale Balance wiederzufinden. Unter dem Leitgedanken "Damit das Schwere leichter wird" begleitet sie Menschen auf dem Weg zu mehr innerer Widerstandsfähigkeit und persönlicher Weiterentwicklung.

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