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Ukraine-Krieg: Putins Antwort auf Kriegsende-Aussage – tödliche Angriffe in der Nacht

Ein zerstörtes Wohnhaus nach einem russischen Raketenangriff in der Ukraine. Bild: picture alliance/dpa/AP | Evgeniy Maloletka

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  • Russland überzieht die Ukraine in 24 Stunden mit schweren Drohnen- und Raketenangriffen
  • Selenskyj über "Terror"-Nacht: einer der "längsten und massivsten russischen Angriffe" seit Kriegsbeginn
  • Putins Sprecher Peskow fordert Gebietsabtretungen für Frieden. Ukraine gegen Forderungen
  • Ukrainischer Präsident wünscht sich, dass Donald Trump Xi Jinping überredet, die Unterstützung für Russland einzustellen

Der ukrainische Geheimdienst warnte zuletzt vor massiven russischen Angriffen auf ukrainische Gebiete. Beobachter rechneten nach Berichten über mögliche Aufrüstungen auf russischer Seite mit längeren Attacken. Nur wenige Tage nach dem Ende einer dreitägigen Waffenruhe macht Russland ernst und hat die Ukraine mit einer massiven Angriffswelle überzogen. Seit Mittwoch feuerte das russische Militär insgesamt 1.560 Drohnen auf das Nachbarland ab, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. Der ukrainische Staatschef bezeichnete die Attacken als "Terror" und sprach von einem der "längsten und massivsten russischen Angriffe" seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren.

Kein Frieden im Ukraine-Krieg: Massive Angriffe in 24 Stunden

In der Nacht zum Donnerstag (14. Mai) lösten die Behörden landesweit Luftalarm aus. Die ukrainische Flugabwehr meldete den Einsatz von 56 Raketen und Marschflugkörpern sowie 675 Drohnen allein in dieser Nacht. Den Großteil der Flugobjekte habe man abfangen können. Besonders schwer traf es die Hauptstadt Kiew, wo mindestens ein Mensch starb und Dutzende verletzt wurden.

Ein Toter, mehrere Verletzte: Putins Streitkräfte zielten auf Wohngebäude

Im Bezirk Darnytsia brachte der nächtliche Angriff ein mehrstöckiges Wohngebäude zum teilweisen Einsturz. Bewohner wurden unter den Trümmern begraben. Die Behörden bestätigten mindestens einen Toten, während der Zivilschutz am Morgen 40 Verletzte meldete. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge mussten 31 Menschen, darunter ein Kind, stationär in Krankenhäusern behandelt werden.

Rettungskräfte des ukrainischen Katastrophenschutzes konnten 27 Personen aus den Trümmern befreien. Nach Angaben des Bürgermeisters wurden 18 Wohnungen vollständig zerstört. Auch am Morgen stiegen noch Rauchschwaden aus dem Trümmerberg auf, während die Einsatzkräfte weiter nach möglichen Verschütteten suchten. Der Chef der Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatchenko, erklärte, Russland habe die Stadt mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen attackiert.

Augenzeugin berichtet von Raketen-"Terror"

Die 78-jährige Anwohnerin Lyudmila Gluschko erlebte die Angriffe hautnah mit. Gegen drei Uhr morgens habe sie zahlreiche Explosionen und das Geräusch heranfliegender Raketen gehört. "Dann fing das Haus an zu wackeln, es gab einen lauten Knall", schilderte sie. "Die Fenster in meinem Haus gingen zu Bruch."

Präsident Selenskyj sprach von Schäden an 20 verschiedenen Stellen in der Hauptstadt. Neben Wohnhäusern sei auch eine Schule getroffen worden. In den Bezirken Obolonskyi und Holosiivskyi liefen ebenfalls Rettungseinsätze. Insgesamt meldeten die Behörden Zerstörungen in sechs Kiewer Bezirken. Auch im Umland der Hauptstadt gab es nach Angaben der Rettungskräfte Verletzte. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko betonte, die Angriffe hätten gezielt zivile Infrastruktur und Wohngebäude in mehreren Städten ins Visier genommen.

Massive Angriffe treffen die ganze Ukraine

Neben Kiew gerieten auch zahlreiche weitere ukrainische Städte unter Beschuss. Krementschuk, Bila Zerkwa, Charkiw, Sumy und Odessa wurden ebenfalls von russischen Drohnen attackiert. Die Angriffe am Mittwoch erstreckten sich bis in den äußersten Westen des Landes in die Region Transkarpatien. Die Slowakei reagierte auf die Bedrohungslage und schloss vorübergehend ihre Grenzübergänge zur Ukraine. Auch Ungarn äußerte Besorgnis über die Situation.

Am Mittwochabend schlug nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe eine russische Hyperschallrakete vom Typ Kinschal in Starokostjantyniw ein, wo sich ein ukrainischer Luftwaffenstützpunkt befindet. Gleichzeitig startete die Ukraine Gegenangriffe: Schwärme ukrainischer Drohnen flogen auf russisches Territorium, wobei offenbar Erdölanlagen am Finnischen Meerbusen zu den Zielen gehörten.

Druck auf Ukraine - Putin-Sprecher verbreitet Kremlpropaganda

Mit den massiven Angriffen verfolgt der Kreml das Ziel, die Ukraine zu Zugeständnissen bei Friedensverhandlungen zu zwingen. Kremlsprecher Dmitri Peskow forderte erneut, Selenskyj müsse seine Truppen aus dem Gebiet Donezk abziehen. Erst danach könne es einen Waffenstillstand geben. Die ukrainische Seite weist diese Forderung kategorisch zurück und lehnt es ab, kontrollierte Gebiete an Russland abzutreten.

Angriffe als Putins Antwort auf Frieden – Selenskyj hofft auf Trumps Unterstützung

Am Dienstag ließ Putin demonstrativ einen erfolgreichen Test der Atomrakete RS-28 Sarmat verkünden, die Ende des Jahres einsatzbereit sein soll. Gleichzeitig sprach der Kremlchef in dieser Woche darüber, dass sich der Krieg dem Ende nähern soll - und Tage später lässt er sein Militär schwere Schläge auf Städte ausüben. Selenskyj verwies darauf, dass der massive Angriff zeitlich mit dem China-Besuch von US-Präsident Donald Trump zusammenfiel. Er hoffe, Trump könne Peking dazu bewegen, seine Unterstützung für den russischen Angriffskrieg einzustellen.

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/news.de/dpa/stg

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