Ukraine-Krieg aktuell: Wladimir Putin stimmt laut Trump Feuerpause zu - Selenskyj bleibt skeptisch
Donald Trump will Wladimir Putin zu einer Feuerpause im Ukraine-Krieg überredet haben - eine offizielle Bestätigung aus dem Kreml lässt weiter auf sich warten. Bild: picture alliance/dpa/AP | Susan Walsh
Erstellt von Claudia Löwe
30.01.2026 13.49
- Extremwinter in der Ukraine kurz vor viertem Jahrestag des Kriegsbeginns
- Wladimir Putin zu Waffenruhe bereit laut Behauptung von Donald Trump
- Ukrainischer Präsident Selenskyj skeptisch nach Angriffen auf Energieversorgung
In knapp einem Monat wird der am 24. Februar 2022 von Wladimir Putin begonnene Ukraine-Krieg seit genau vier Jahren toben - nun behauptet US-Präsident Donald Trump, dem Kreml-Chef in einem persönlichen Gespräch die Zusage für eine einwöchige Feuerpause abgerungen zu haben. Während eine offizielle Bestätigung von Trumps Aussage aus dem Kreml weiter auf sich warten lässt, macht sich die Ukraine auf extreme Winterwitterung gefasst, die der ukrainischen Bevölkerung inmitten des Krieges alles abverlangt.
Wladimir Putin bereit für Feuerpause? Donald-Trump-Behauptung vom Kreml nicht bestätigt
Nach einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin verkündete US-Präsident Donald Trump während einer Kabinettssitzung in Washington eine einwöchige Pause russischer Angriffe auf ukrainische Städte und Energieanlagen. Als Begründung nannte der Republikaner die extreme Kälte in der Ukraine. "Ich habe Präsident Putin persönlich gebeten, eine Woche lang nicht auf Kiew und die anderen Städte zu schießen. Und er hat dem zugestimmt, und ich muss Ihnen sagen, das war sehr nett", erklärte Trump. Allerdings: Aus Moskau fehlte zunächst jede offizielle Bestätigung dieser Vereinbarung. Auch ein konkreter Startzeitpunkt für die angebliche Feuerpause wurde nicht genannt.
Kreml stimmt begrenzter Waffenruhe bis Sonntag zu
Russland hat nach Angaben des Kremls der Bitte von US-Präsident Donald Trump um eine begrenzte Waffenruhe in der Ukraine bis Sonntag (01.02.2026) zugestimmt. Dies solle eine günstige Atmosphäre für Verhandlungen schaffen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Nachrichtensendung "Westi" des Staatsfernsehens in Moskau. Auch Trump hatte zuvor gesagt, Putin folge dieser Bitte.
Andere russische Medien zitierten Peskow zunächst nur mit der Bestätigung einer Anfrage aus Washington. "Tatsächlich hat sich Präsident Trump mit einer persönlichen Bitte an Präsident Putin gewandt, für eine Woche bis zum 1. Februar auf Angriffe auf Kiew zu verzichten, um günstige Bedingungen für Gespräche zu schaffen", sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Auf Nachfrage, ob Putin zugestimmt habe, antwortete Peskow: "Das versteht sich, es war eine persönliche Bitte von Präsident Trump." Das geht aus dem von "Westi" veröffentlichten Mitschnitt der Äußerungen des Kremlsprechers hervor.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte zunächst zurückhaltend auf die Ankündigung. Er bedankte sich zwar für die amerikanischen Bemühungen um ein Angriffsmoratorium, betonte jedoch: "Die Lage jetzt in der Nacht und in den kommenden Tagen, die tatsächliche Situation in unseren Energieanlagen und Städten" werde zeigen, ob die Waffenruhe Realität werde.
Extremwinter in der Ukraine - Kiew droht bei Eiseskälte der Kollaps
Die humanitäre Lage in der ukrainischen Hauptstadt ist dramatisch. Aktuell müssen mehr als 450 Wohnblöcke in Kiew ohne Fernwärme auskommen. Nach einem schweren Angriff auf Heizkraftwerke am 24. Januar waren zeitweise rund 6.000 Gebäude – etwa die Hälfte der Millionenstadt – von der Wärmeversorgung abgeschnitten. Im besonders betroffenen Stadtteil Trojeschtschyna konnten laut Bürgermeister Vitali Klitschko zwar 100 Häuser wieder ans Netz angeschlossen werden, doch die meisten ungeheizten Gebäude befinden sich weiterhin in diesem nordöstlichen Bezirk. Auch die Wasserversorgung fällt immer wieder aus. Angesichts der vorhergesagten Wetterlage, die Kiew in den kommenden Tagen heimsuchen soll, ein alarmierender Umstand: Für das letzte Januar-Wochenende erwarten Meteorologen einen drastischen Temperatursturz auf bis zu minus 20 Grad in der Nacht. Klitschko hat die Bewohner bereits aufgefordert, Kiew wenn möglich vorübergehend zu verlassen. Der Stromversorger musste zu Notabschaltungen greifen – viele Einwohner der Hauptstadt haben derzeit nur fünf bis acht Stunden täglich Elektrizität.
Wladimir Putin als "Verräter" beschimpft nach angeblicher Waffenruhe-Zusage
Bereits vor Donald Trumps öffentlicher Ankündigung kursierten Gerüchte über eine bevorstehende Teilwaffenruhe – sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Der Militärblogger Romanov Light berichtete, das Verteidigungsministerium in Moskau habe den russischen Streitkräften bereits am Morgen des 29. Januar um 07.00 Uhr Ortszeit Angriffe auf Kiew, das Umland sowie sämtliche Infrastrukturobjekte untersagt. Die Reaktionen in russischen Militärkreisen fielen scharf aus. Romanov Light veröffentlichte mehrere Beiträge von Soldaten, die das angebliche Angriffsverbot als "Verrat" bezeichneten. Auch der einflussreiche Blog Rybar, der dem russischen Verteidigungsministerium nahesteht, kritisierte eine mögliche Waffenruhe aus humanitären Gründen als "sinnlos". In beiden Kanälen wird der Beschuss ziviler Infrastruktur als legitimes Druckmittel gegen Kiew betrachtet. Rybar argumentierte, Schläge gegen das geschwächte Energienetz seien "ein sehr guter Hebel" gegen die Ukraine.
Teilwaffenruhe in Aussicht gestellt, doch die Ukraine bleibt in Alarmbereitschaft
Nicht alle in der Ukraine vertrauen der angekündigten Teilwaffenruhe. Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, rief seine Landsleute auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Russland könne den extremen Frost gezielt ausnutzen, um erneut massiv gegen das Energienetz vorzugehen, warnte er bei Telegram.
Tatsächlich blieb es in der Nacht auf den 30. Januar nicht vollständig ruhig. Der Gouverneur der umkämpften Region Saporischschja, Iwan Fedorow, meldete einen Drohnenangriff auf die Gebietshauptstadt. Ein Industrieobjekt sei getroffen worden und in Brand geraten, Verletzte habe es ersten Erkenntnissen zufolge nicht gegeben.
Russland hat die Ukraine in diesem vierten Kriegswinter mit systematischen Luftangriffen überzogen. Das ohnehin stark beschädigte Strom- und Wärmenetz wurde gezielt attackiert – allein in der ersten Januarhälfte trafen zwei schwere Angriffswellen die Hauptstadt Kiew.
Friedensverhandlungen zwischen Ukraine, Russland und USA in Abu Dhabi
Am 1. Februar sollen ukrainische und russische Vertreter in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate zusammenkommen. US-Außenminister Marco Rubio stellte eine erneute Beteiligung der USA an den Gesprächen in Aussicht. Der dem russischen Verteidigungsministerium nahestehende Blog Rybar spekulierte, die angekündigte Angriffspause könnte mit dieser bevorstehenden Verhandlungsrunde zusammenhängen. In Abu Dhabi versuchen die Konfliktparteien unter amerikanischer Vermittlung, eine Lösung für den seit vier Jahren andauernden Krieg zu finden.
Selenskyj bestätigte auf der Plattform X, dass die Frage der Energiesicherheit bei den jüngsten Gesprächen mit russischen und US-Vertretern in den Emiraten thematisiert worden sei. "Wir gehen davon aus, dass die Vereinbarungen umgesetzt werden", schrieb der ukrainische Präsident. In der Vergangenheit hatte der Kreml jedoch wiederholt Hoffnungen auf ein Kriegsende geweckt – und dann weiter angegriffen.
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