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Donald Trump: Er holt zum radikalen Rundumschlag aus - wer ihn jetzt noch stoppen könnte

Im Interview mit der "New York Times" spricht Trump über seine moralischen und militärischen Machtambitionen. Bild: dpa/AP/Alex Brandon

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  • Donald Trump: Überraschendes Interview mit der "New York Times"
  • Er kann sich nur selbst stoppen - US-Präsident über seine Machtambitionen
  • Trump spricht Völkerrecht ab - wovor macht er überhaupt noch Halt?
  • Grönland-Ambitionen der USA: Darum braucht Trump Grönland für sich

US-Präsident Donald Trump hat sich am Mittwoch vier Stunden lang den Fragen der "New York Times" gestellt – und dabei ein bemerkenswertes Selbstverständnis seiner Macht offenbart. Der 79-Jährige sprach mit vier Reportern über nahezu alle großen Themen der Weltpolitik: von Grönland über die Ukraine bis hin zu Taiwan und nuklearer Abrüstung.

Donald Trump: Machtansprüche ohne Grenzen - nur er selbst kann sich stoppen

Auf die Frage nach den Grenzen seiner militärischen, wirtschaftlichen und politischen Macht gab Trump eine unmissverständliche Antwort: "Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann." In der Außenpolitik sehe er sich ausschließlich seinem eigenen Gewissen verpflichtet.

Völkerrecht adé - US-Präsident "will niemanden schaden"

Das Interview im Oval Office geriet zum Rundumschlag, bei dem Trump auch Ankündigungen zum Entzug von Staatsbürgerschaften machte und seine Haltung zum Völkerrecht relativierte. "Ich brauche kein Völkerrecht", erklärte der Präsident im Gespräch. Gleichzeitig betonte er, niemandem schaden zu wollen.

Als die Reporter nachhakten, ob sich seine Regierung denn nicht an internationale Gesetze halten müsse, ruderte Trump zunächst zurück: "Das tue ich." Doch sofort folgte die Relativierung: "Es hängt davon ab, was Ihre Definition von internationalem Recht ist."

Interview mit der "New York Times" - ein Anruf überrascht

Zwischendurch nahm Donald Trump offenbar mehrere Anrufe entgegen – unter anderem von einem "Fox-News"-Moderator, dem er mitteilte: "Ich habe tatsächlich einem Interview mit der New York Times zugestimmt – können Sie das glauben?"

"Entweder-Oder-Wahl" - Trump muss sich beim Thema Grönland entscheiden

Ein Thema, welches zudem dominierte, ist der fortwährende Grönland-Anspruch, den die US-Regierung in den vergangenen Tagen deutlich machte. Trumps Anspruch auf die zu Dänemark gehörende Arktisinsel sei "psychologisch notwendig für den Erfolg", erklärte er. Eigentum verschaffe Vorteile, die man durch bloße Verträge oder Pachtabkommen nicht erreichen könne. Als Begründung führte er die nationale Sicherheit der USA sowie die Bodenschätze der Insel an.

Auf die Frage, ob die NATO oder Grönland für ihn Priorität habe, wich Trump aus – räumte aber ein, es handle sich "möglicherweise um eine Entweder-Oder-Wahl". Ohne die Vereinigten Staaten sei das Verteidigungsbündnis ohnehin nutzlos.

Donald Trump bekräftigt eingeschränkte Unterstützung für die Ukraine

Zur Ukraine zeigte sich der Präsident zuversichtlich: Er sei bereit, eine amerikanische Beteiligung an der künftigen Verteidigung des Landes zu unterstützen. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: "Ich bin fest davon überzeugt, dass sie nicht erneut einmarschieren würden, sonst würde ich dem nicht zustimmen."

Taiwan als "Angelegenheit Chinas"

Auch zur Lage in Ostasien äußerte sich Trump bemerkenswert zurückhaltend. Was die Volksrepublik mit Blick auf Taiwan unternehme, sei letztlich Chinas Angelegenheit. Präsident Xi Jinping betrachte die demokratisch regierte Insel "als einen Teil Chinas, und es liegt an ihm, was er tun wird", so Trump. Er habe Xi allerdings mitgeteilt, dass ihn ein militärisches Vorgehen "sehr unglücklich" machen würde – und er glaube nicht, dass es dazu komme.

Die USA gelten bislang als wichtigster militärischer Unterstützer Taiwans. Peking schließt eine gewaltsame Wiedervereinigung nicht aus.

Beim auslaufenden Atomabrüstungsvertrag New Start zwischen den USA und Russland gab sich Trump gelassen. Das 2010 geschlossene Abkommen läuft im Februar aus. "Wenn er ausläuft, läuft er aus", kommentierte der Präsident. Man werde "einfach ein besseres Abkommen machen" – allerdings unter Einbeziehung Chinas, das dies strikt ablehnt.

Staatsbürgerschaft auf dem Prüfstand

Trump kündigte im Interview zudem an, seine Regierung arbeite daran, bestimmten eingebürgerten Amerikanern die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Im Fokus stünden dabei insbesondere Menschen somalischer Herkunft. "Ich würde es ohne zu zögern tun, wenn sie unehrlich wären", sagte der Präsident im Oval Office.

"Ich glaube, dass viele der Menschen, die aus Somalia gekommen sind, unser Land hassen."

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/bos/news.de/stg

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