Drohung an den Kreml: Ex-Soldat wollte die "ganze Wahrheit" zeigen – Anti-Putin-Rebel festgenommen
Ein Ex-Soldat wurde verhaftet, nachdem er ein Gespräch mit Wladimir Putin forderte. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Gavriil Grigorov
Erstellt von Sabrina Böhme
29.06.2026 09.57
- Ex-Soldat forderte Treffen mit Wladimir Putin
- Er wollte dem Kremlchef die ganze Wahrheit über den Zustand in Russland erklären
- Experten sprechen von Aufruf zur Meuterei
Im Laufe des anhaltenden russischen Angriffskriegs in der Ukraine machen Soldaten immer wieder die Missstände in Russlands Armee öffentlich. Einer von ihnen ist Alexander Lunin. Der ehemalige Frontsoldat hat auf Instagram ein Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin über die wahre Lage an der Front gefordert – und ein Treffen mit der Polizei bekommen.
Anti-Kreml-Rebel festgenommen
Lunin sei für elf Tage in Ordnungshaft genommen worden, teilte ein Bekannter des Militärbloggers auf dessen Telegramkanal mit. Zuvor hatten Beamte bereits eine nächtliche Durchsuchung in Lunins Haus in der westrussischen Region Woronesch durchgeführt.
Ausbeutung in Russlands Armee? Ex-Soldat wollte Wladimir Putin die Wahrheit zeigen
Ausgangspunkt war ein Video Lunins, das unter anderem in Russland Wellen schlug. Der Mann hatte im eigentlich in Russland verbotenen Netzwerk Instagram erklärt, er müsse Putin bei einer Live-Audienz die "ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert", sagen. An der Front würden Soldaten von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt, klagte er.
"Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml", drohte er. Zugleich behauptete er, von ranghohen Militärs und Beamten zu der Forderung veranlasst worden zu sein. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Video etwa zehn Millionen Mal aufgerufen und erhielt Hunderttausende Likes.
Putin-Sprecher Peskow reagiert auf Instagram-Video
Auf das Video musste schließlich auch der Kreml reagieren. Von der Forderung nach einer Audienz bei Putin habe man gehört, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Man muss sich das erst einmal anschauen", gab er sich angesichts zunehmender Kritik an der Kriegsführung Russlands – auch bei der eigenen Truppe – zunächst zurückhaltend.
Während Lunin offenbar weiter auf ein Treffen mit Putin hoffte, wurde anschließend die Justiz aktiv. In der Nacht durchsuchte die Polizei nach Angaben von Lunins Ehefrau das Wohnhaus des Ex-Frontsoldaten, den sie dabei aber zunächst nicht antrafen. Er wurde demnach später auf dem Weg nach Moskau verhaftet.
Russland-Experten sehen Aufruf zur Meuterei
Sicherheitsexperte Dr. Gerhard Mangott ordnete die Aussagen des Ex-Soldaten gegenüber "Bild" eindeutig ein: "Das ist nichts anderes als ein Aufruf zur Meuterei. Eine Drohung, die ihm auf die Füße fallen könnte." Die Festnahme Lunins bestätigt diese Einschätzung.
Die von Lunin geschilderten Zustände beim Militär halten Fachleute hingegen für glaubwürdig. Historiker Prof. Dr. Klaus Gestwa betonte, die angesprochenen Missstände und Schikanen seien "keineswegs aus der Luft gegriffen". Russland-Experte Dr. Matthias Uhl verwies darauf, dass Befehlsverweigerer tatsächlich "in Gruben gesteckt werden" – genau wie Lunin es beschrieben hatte.
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