Spitzen-Treffen bei Merz: Parteichefs beraten über Steuerpläne - was kommt auf die Bürger zu?
Die Parteichefs wollen sich bereits am Sonntag zum Gespräch im Kanzleramt treffen. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
26.06.2026 14.27
- Die Parteichefs der Koalitionspartner treffen sich in kleiner Runde schon am Sonntag
- Im Gespräch sollen drei Punkte geklärt werden: Steuerreform, GKV-Reform und Haushalt
- Besonders die Steuerreform könnte für Steuerzahler weitreichende Folgen haben
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Nächste Woche ist es wieder so weit: Der Koalitionsgipfel von CDU, CSU und SPD findet wieder statt. Davor wollen sich die Parteichefs der drei Koalitionspartner am Sonntag in kleiner Runde treffen. Nach Informationen von BILD geht es dabei unter anderem um eine weitreichende Vereinfachung des Steuerrechts. Welche Änderungen genau diskutiert werden, erfahren Sie hier.
Diese Streitpunkte wollen die Parteichefs angehen
Laut Informationen der "Bild" soll es am Sonntag konkret um drei Themen gehen: Die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherungen, die Steuerreform und den Haushalt. An allen drei Stellen gibt es derzeit noch Streit zwischen den Koalitionspartnern. Bei der Krankenkassen-Reform gibt es vor allem Kritik seitens der SPD: Die Versicherten würden zu stark belastet werden.
Bei der Steuerreform hakt es aktuell an den von der SPD geforderten Mehrbelastungen für Topverdiener - diese möchte die CDU verhindern. Beim Haushalt steht die Frage im Raum, ob neue Schulden aufgenommen werden sollen, da Milliarden fehlen. Die Union hält dagegen und will lieber einen Sparkurs einschlagen.
Dem Bericht der "Bild" zufolge sollen die Streitigkeiten um die Steuerreform durch breite Steuervereinfachungen gelöst werden. Dabei sollen unter anderem Ausnahmen und Einzelfall- zugunsten Pauschalregeln weichen. Welche Gruppen mehr oder weniger dadurch belastet werden, ist aktuell noch unklar. Neben der Vereinfachung sollen allerdings auch noch weitaus brisantere Vorschläge auf dem Tisch liegen - und für Steuerzahler könnten die echte Veränderungen bringen.
Steuererklärung nur noch alle zwei Jahre?
Zum einen soll es auch um die Möglichkeit gehen, die Steuererklärung nicht mehr jährlich, sondern nur alle zwei Jahre abzugeben. Dieser Vorschlag geht zurück auf den 2023 verblichenen Ex-Innenminister Wolfgang Schäuble. Mögliche Vorteile für Steuerzahler wären unter anderem weniger Aufwand, Druck und eine Reduktion der Bürokratie.
Für Arbeitnehmer mit gleichbleibendem Einkommen könnte das den Aufwand tatsächlich verringern. Schwieriger dürfte das Modell für Menschen mit stark wechselnden Einnahmen sein - etwa Selbstständige, Vermieter oder Beschäftigte, die regelmäßig den Arbeitgeber wechseln.Gleichzeitig bleibt auch unklar, ob Steuern weiterhin jährlich abgerechnet werden oder ob Bürger möglicherweise länger auf Erstattungen oder Nachzahlungsbescheide warten müssten. An diesen Punkten würde die Koalition in jedem Fall noch nachschärfen müssen.
Finanzamt soll Vorschläge für Bürger vorbereiten
Zum anderen könnte allerdings auch ein Modell kommen, das es so zwar bereits gibt, bislang jedoch nur auf Landesebene. Die Rede ist vom sogenannten "Hessen-Modell": In Hessen können sich Bürger vom Finanzamt ihre Steuererklärung bereitstellen lassen. Das reduziert den eigenen Aufwand erheblich. Rund 212.000 Bürger hätten bereits einen Vorschlag für ihre Steuererklärung erhalten, heißt es seitens der hessischen Regierung.
Das Modell könnte vor allem Menschen helfen, deren Steuerfälle überschaubar sind. Der Staat kennt bereits viele relevante Angaben: Lohn, Rentenzahlungen, Sozialversicherungsbeiträge und zum Teil auch Kapitalerträge. Doch das Finanzamt kennt nicht automatisch alle Ausgaben, mit denen Steuerpflichtige ihre Belastung senken können. Dazu zählen beispielsweise Fahrtkosten, Handwerkerleistungen, Spenden oder bestimmte Krankheitskosten. Wer den behördlichen Vorschlag ungeprüft übernimmt, könnte deshalb unbewusst Geld verschenken.
Einfacher heißt nicht automatisch billiger
Was könnten mögliche Folgen der Pläne der Koalition sein? Pauschalen machen das Steuerrecht verständlicher und reduzieren den Prüfaufwand. Doch Gleichzeitig behandeln sie sehr unterschiedliche Lebenssituationen gleich - das könnte sich letztlich doch als eher ungerecht Lösung erweisen. So sind beispielsweise ein Pendler mit hohen Fahrtkosten, eine Familie mit erheblichen Betreuungsausgaben oder ein Arbeitnehmer mit einem beruflich bedingten Zweitwohnsitz stärker auf individuelle Abzüge angewiesen sein als andere Steuerpflichtige.
Ein denkbarer Musterfall verdeutlicht das Problem:
Eine Arbeitnehmerin pendelt täglich 50 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und macht deshalb hohe Fahrtkosten geltend. Wird ihr individueller Abzug durch eine niedrigere Pauschale ersetzt, wäre ihre Steuererklärung zwar einfacher - ihre Steuerlast könnte aber steigen.
Ob das tatsächlich geschieht, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Genau diese Details sind bislang offen. Tatsächlich könnte die Steuerlast allerdings zur Gegenfinanzierung in verschiedenen Bereichen steigen: Die Koalition erwägt dem Bericht zufolge höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol.
Darum sollte sich die Koalition dringend kümmern
Vor einer Einigung sollte die Bundesregierung drei Fragen klären:
- Welche steuerlichen Ausnahmen sollen konkret gestrichen werden?
- Welche Gruppen würden durch die neuen Pauschalen gewinnen oder verlieren?
- Wie hoch ist die Gesamtbelastung, wenn Einkommen-, Tabak- und Alkoholsteuern gemeinsam betrachtet werden?
Der politische Reiz der Reform liegt auf der Hand: Ein einfacheres Steuersystem lässt sich gut vermitteln. Doch über die tatsächliche Wirkung entscheiden nicht die Zahl der Formulare oder die Häufigkeit der Steuererklärung, sondern die konkreten Beträge, mit denen die Steuerzahler belastet werden. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob das Steuerrecht einfacher wird. Sondern: Wer profitiert - und wer muss für die Vereinfachung Einbußen hinnehmen?
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