Wladimir Putin: Russland errichtet Drohkulisse - Kremlchef nimmt drei Nato-Länder ins Visier
Wladimir Putin errichtet eine Drohkulisse rund ums Baltikum. Bild: picture alliance:dpa:Pool Sputnik Kremlin | Valeriy Sharifulin
Erstellt von Franziska Kais
01.06.2026 07.14
- Wladimir Putin nimmt drei Nato-Länder ins Visier
- Kremlchef errichtet Drohkulisse gegen die Nato rund ums Baltikum
- Russland könnte Litauen, Lettland und Estland ohne Bodenoffensive isolieren
Seit Beginn des Ukraine-Krieges vor über vier Jahren ist die Sorge groß, der Konflikt könnte sich auf weitere europäische Länder ausweiten. Auf die baltischen Staaten Estland, Lettland und Finnland hat sich der Konflikt längst ausgewirkt. Unbemannte Fluggeräte aus Russland dringen in den baltischen Luftraum ein, Navigationssysteme über der Ostsee werden massiv gestört und kritische Infrastruktur gerät regelmäßig ins Visier.
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Wladimir Putin nimmt drei Nato-Länder ins Visier - Drohkulisse im Baltikum
Für den russischen Präsidenten haben diese drei Nato-Länder sowohl geschichtliche als auch geografische Bedeutung, wie Historiker Jan C. Behrends von der Viadrina-Universität gegenüber "Bild" erläutert. Bis zum Jahr 1991 standen die baltischen Nationen unter sowjetischer Kontrolle. "Der Kreml betrachtet sie als sein rechtmäßiges Einflussgebiet", so der Experte. Die Sorge ist deshalb groß, dass Wladimir Putin langfristig versuchen könnte, diese drei EU-Mitgliedsstaaten einzukesseln.
Kreml-Angriff im Suwalki-Korridor wahrscheinlich - Schwachstelle der westlichen Verteidigung
Als Schwachstelle für die westliche Verteidigung gilt der sogenannte Suwalki-Korridor. Dieser schmale Landstreifen von lediglich 65 Kilometern Breite verbindet Polen mit Litauen und stellt damit den einzigen Landweg zwischen Westeuropa und den baltischen Staaten dar. Ein Durchschneiden dieser Verbindung würde Wladimir Putins Machtposition erheblich stärken.
Putin-Angriff ohne Soldaten - Russland könnte Baltikum ohne Bodenoffensive isolieren
Militäranalyst Franz-Stefan Gady weist in diesem Zusammenhang im Interview mit der "Bild" auf einen beunruhigenden Umstand hin: Eine klassische Invasion wäre für die Abtrennung des Baltikums gar nicht erforderlich. "Ferngesteuerte Minen, Drohnen und Raketenartillerie reichen aus, um die Region unter Feuerkontrolle zu nehmen", erklärt der Experte. Das Ergebnis wäre eine vollständige Isolation der drei Länder, ohne dass russische Streitkräfte auch nur einen Fuß über die Grenze setzen müssten.
Hybride Kreml-Attacken treffen das Baltikum bereits jetzt
Der verdeckte Krieg Russlands gegen die baltischen Staaten ist längst Realität. Seit 2022 haben die Störungen von GPS-Signalen, die von der Exklave Kaliningrad ausgehen, massiv zugenommen. Diese Manipulationen gefährden sowohl den Schiffsverkehr als auch den Flugbetrieb über der Ostsee erheblich. Darüber hinaus zielt der Kreml auf digitale und physische Infrastruktur ab. Desinformationskampagnen ergänzen diese Angriffe. Der estnische Sicherheitsexperte Erkki Koort hält einen direkten militärischen Angriff derzeit noch für unwahrscheinlich, da die russischen Streitkräfte in der Ukraine gebunden sind. Dennoch warnt er: "Immer wenn die russische Armee an der Front schlecht dasteht, erhöht sie das Ausmaß hybrider Angriffe."
Narwa als Putins Einfallstor im Inneren des Baltikums - Ukraine-Waffenstillstand als Bedrohung
Neben den externen Bedrohungen existiert auch eine potenzielle Gefahr aus dem Inneren der Region. Die estnische Grenzstadt Narwa bietet dem Kreml besondere Einflussmöglichkeiten, da dort überwiegend russischsprachige Menschen leben. Zudem sieht Historiker Behrends eine konkrete militärische Bedrohung vor allem für den Fall eines Waffenstillstands in der Ukraine. "Denn dann würden dort mehrere Hunderttausend russische Soldaten frei, die der Kreml an anderer Stelle einsetzen könnte", warnt der Experte. Die derzeit in der Ukraine gebundenen Truppen könnten dann für andere Operationen verfügbar werden.
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