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Umfrage-Desaster für Friedrich Merz: Vertrauen schwindet - wenn Reformen scheitern, soll der Kanzler gehen

Viele Menschen trauen Kanzler Friedrich Merz nicht zu, Reformen durchzusetzen. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

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  • Insa-Umfrage: Bürger besorgt über die aktuelle Lage in Deutschland
  • Union und SPD gelten als Blockadeparteien
  • Sollten die Reformen scheitern, wünschen sich 67 Prozent, dass Friedrich Merz geht
  • Erhebung verdeutlicht Vertrauensverlust in die Politik

Die Stimmung in Deutschland ist auf einem Tiefpunkt angekommen. Bürger verlieren das Vertrauen in die Bundesregierung. Reformen? Fehlanzeige. Dafür Streitereien und Blockadevorwürfe Eine aktuelle Insa-Umfrage für "Bild" zeichnet ein düsteres Bild der Regierung Merz.

Umfrage aktuell zur Bundesregierung: Sorge um Deutschland wächst

Laut der repräsentativen Erhebung unter 1001 Befragten, blicken 84 Prozent der Bundesbürger mit erheblicher oder sehr großer Sorge auf die Lage im Land. Wer trägt Schuld an der Regierungsschwäche? Bei dieser Frage zeigt sich ein geteiltes Meinungsbild: 42 Prozent sehen alle Koalitionspartner gleichermaßen in der Pflicht. Allerdings weisen 37 Prozent der Union die Hauptverantwortung zu, während nur 14 Prozent primär die SPD kritisieren. Bezeichnend: Sowohl CDU/CSU als auch SPD werden von jeweils der Hälfte der Befragten als Blockadeparteien wahrgenommen.

Wenn die Reformen scheitern - zwei Drittel wollen Friedrich Merz loswerden

Bundeskanzler Friedrich Merz hat Reformen angesprochen. Taten folgten bislang noch nicht. Sollten die angekündigten Reformvorhaben scheitern, sprechen sich 67 Prozent der Deutschen für einen Wechsel im Kanzleramt aus. Bemerkenswert: Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU befürworten 46 Prozent in diesem Fall einen neuen Regierungschef. Für Friedrich Merz sind diese Zahlen alarmierend. Denn der Anteil derjenigen, die seinen Abgang fordern, übersteigt deutlich die 47 Prozent, die ein Ende der Koalition mit der SPD bevorzugen würden.

Wer macht es besser als der Bundeskanzler?

Doch wer könnte es besser machen? An der Spitze der Alternativen steht Verteidigungsminister Boris Pistorius, den 29 Prozent der Befragten als geeignetesten Kanzler sehen. Auf Platz zwei folgt CSU-Chef Markus Söder mit 25 Prozent, dahinter der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst mit 13 Prozent Zustimmung.

Kein Vertrauen mehr in die Politik?

Allerdings offenbart die Umfrage auch eine tiefe Resignation: Ein Drittel der Deutschen ist überzeugt, dass keiner der genannten Politiker die Situation verbessern würde. Diese Zahl verdeutlicht, wie sehr die Bürger mittlerweile am gesamten politischen Spitzenpersonal zweifeln.

Schwarz-Rot mit neuem Fahrplan gegen Reformstau

Schwarz-Rot ist sich in zentralen Punkten uneinig. Das zeigt sich unter anderem bei der Steuer. Vizekanzler Lars Klingbeil will Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen entlasten. Er sprach sich für höhere Steuerabgaben für Menschen mit einem sechsstelligen Einkommen aus. Die Union lehnt das bislang ab. Vor der parlamentarischen Sommerpause will die schwarz-rote Koalition ein Reformpaket auf den Weg bringen. Nach den Streitereien der letzten Wochen steht nach Angaben des "Spiegels" ein Fahrplan. Auch ein weiterer Koalitionsausschuss wurde anberaumt. "Bei einem weiteren Koalitionsausschuss vor der Sommerpause wollen wir zu den aktuell wesentlichen Reformthemen Steuer, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratierückbau im Paket zu gemeinsamen Entscheidungen kommen", zitiert der "Spiegel" aus einer Nachricht von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann an Unionspolitiker.

Frust wegen der Bundesregierung: Bürger wollen selbst entscheiden

Der Frust sitzt so tief, dass 64 Prozent der Deutschen keiner denkbaren Regierungskoalition mehr zutrauen, die drängenden Probleme des Landes zu bewältigen. Als Konsequenz fordern 74 Prozent die Einführung von Volksentscheiden zu zentralen Themen wie Wehrpflicht, Rentenreform oder Atomkraft. Lediglich 17 Prozent lehnen eine solche direkte Mitbestimmung ab. Doch die Umsetzung dieses Bürgerwunsches stößt auf erhebliche Hindernisse: Das Grundgesetz sieht bundesweite Volksabstimmungen nur im Ausnahmefall einer Neugliederung des Bundesgebietes vor. Die CDU soll auch dagegen sein.

Auch in jüngsten Umfragen zeigt sich, dass vor allem die Union bei den Wählern Punkte verliert. In der aktuellen Sonntagsfrage ist die Union nicht mehr stärkste Kraft. Dafür steigen die Werte für die AfD. Ein Unterschied von sieben Prozent. 

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