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Neuer Wirbel um gesunkene "MV Ursa Major": Transportierte das Putin-Schiff Atomreaktor-Teile nach Nordkorea?

An Bord der Ende 2024 gesunkenen russischen "Ursa Major" sollen sich neuen Berichten zufolge Bauteile für Atomreaktoren befunden haben, die Wladimir Putin für Kim Jong-un bestimmt haben könnte. Bild: picture alliance/dpa/KCNA/KNS | Uncredited

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  • Russisches Schiff "Ursa Major" versank Ende 2024 im Mittelmeer
  • Neue Enthüllungen zu Putins Frachtschiff: Waren Atomreaktor-Bauteile für Nordkorea an Bord?
  • Deshalb wurde das Wrack der "MV Ursa Major" bis heute nicht geborgen

Das russische Frachtschiff "Ursa Major" hatte bei seinem mysteriösen Untergang im Dezember 2024 offenbar brisante Fracht an Bord: Komponenten für zwei Atomreaktoren, wie sie in U-Booten zum Einsatz kommen. Das geht aus einer umfangreichen Recherche des US-Senders "CNN" hervor, die am 12. Mai 2026 veröffentlicht wurde.

Russische "MV Ursa Major" im Mittelmeer gesunken - neue Enthüllungen zu brisanter Fracht

Das russische Schiff, das sich im Besitz eines mit dem russischen Verteidigungsministerium in Verbindung stehenden Unternehmens befand, sank am 23. Dezember 2024 nach mehreren Explosionen etwa 100 Kilometer vor der spanischen Mittelmeerküste. Zwei Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück, 14 weitere konnten gerettet werden. Die Hintergründe des Vorfalls sind bis heute ungeklärt.

Ermittlungen nach Schiffsuntergang: Sank die "Ursa Major" nach Torpedo-Angriffen?

Die nun an die Öffentlichkeit gelangten CNN-Enthüllungen legen nahe, dass die Reaktorteile an Bord der "MV Ursa Major" möglicherweise für Nordkorea bestimmt waren. Der Untergang ereignete sich nur zwei Monate, nachdem Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un Truppen zur Unterstützung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine entsandt hatte. Spanische Ermittler prüfen nun Hinweise auf einen möglichen Torpedoangriff sowie verdächtige russische Militäraktivitäten am Wrack.

Russischer Kapitän packt nach Untergang aus - Ermittler hegen beunruhigenden Verdacht

Der russische Kapitän Igor Anisimow gab gegenüber spanischen Ermittlern zunächst nur zögerlich Auskunft über die Ladung seines Schiffes. Laut einer Stellungnahme der spanischen Regierung an Oppositionsabgeordnete fürchtete er um seine Sicherheit. Unter Druck erklärte er schließlich, was sich hinter den im Frachtpapier als "Mannlochdeckel" bezeichneten Objekten verbarg: "Komponenten für zwei Atomreaktoren ähnlich denen in U-Booten." Ob die Reaktoren nuklearen Brennstoff enthielten, konnte der Kapitän nicht bestätigen. Einer mit den Ermittlungen vertrauten Quelle zufolge glaubte Anisimow, die Fracht solle im nordkoreanischen Hafen Rason abgeliefert werden.

Die spanischen Ermittler halten die gewählte Route für höchst verdächtig. Offiziell war Wladiwostok als Zielhafen angegeben. Für eine Ladung aus Kränen und leeren Containern erscheint eine monatelange Seereise um Europa wenig plausibel – zumal Russland über ein ausgedehntes Schienennetz verfügt.

Die letzten Stunden der "MV Ursa Major" geben bis heute Rätsel auf

Am 22. Dezember 2024 verlangsamte sich die "Ursa Major" in spanischen Gewässern plötzlich auf Schrittgeschwindigkeit. Spanische Rettungskräfte fragten per Funk nach, doch die Crew meldete keine Probleme. Der Kapitän selbst habe keinen Aufprall oder Knall wahrgenommen, berichtete er später den Ermittlern.

Erst einen Tag später setzte das Schiff einen Notruf ab. Drei Explosionen erschütterten die Steuerbordseite nahe des Maschinenraums. Zwei Besatzungsmitglieder – der zweite Mechaniker Nikitin und Mechaniker Jakowlew – kamen dabei ums Leben. Ihre Leichen wurden nie gefunden. Die 14 überlebenden Seeleute gingen in ein Rettungsboot und wurden von spanischen Einsatzkräften aufgenommen. Zunächst galt das Schiff als stabil. Doch dann traf das russische Kriegsschiff "Ivan Gren" ein und forderte andere Schiffe auf, zwei Seemeilen Abstand zu halten. Kurz darauf registrierte das spanische seismische Netzwerk vier weitere Explosionen. Um 23.10 Uhr war die "Ursa Major" gesunken.

Besiegelten Torpedos oder Haftminen das Schicksal des Putin-Schiffs im Mittelmeer?

Die spanischen Ermittler untersuchten auch, wie das etwa 50 mal 50 Zentimeter große Loch in den Schiffsrumpf gelangte. Das beschädigte Metall war nach innen gebogen, das Deck mit Splittern übersät. Eine Theorie der Ermittler: Ein sogenannter superkavitierender Torpedo vom Typ Barracuda könnte das Loch verursacht haben. Diese Hochgeschwindigkeitswaffen stoßen Luft vor sich aus, um den Wasserwiderstand zu verringern. Dadurch erreichen sie extreme Geschwindigkeiten und durchschlagen Schiffsrümpfe teils ohne Sprengladung. Nur wenige Staaten verfügen über solche Torpedos – darunter die USA, einige Nato-Länder, Russland und der Iran. Andere Experten widersprechen dieser Einschätzung. Mike Plunkett vom Analyseunternehmen Janes hält eine Haftmine für wahrscheinlicher: "Es klingt nach einem Hohlladungssprengsatz, der von jemandem oder etwas am Rumpf angebracht wurde." Mehrere westliche Sicherheitsvertreter bezeichneten Teile der spanischen Schlussfolgerungen als weit hergeholt, nannten aber keine alternative Erklärung.

Russisches Spezialschiff kehrte zum Wrack der "Ursa Major" zurück

Eine Woche nach dem Untergang erschien das russische Schiff "Yantar" am Unglücksort. Das offiziell als Forschungsschiff geführte Fahrzeug wird von westlichen Staaten seit Jahren verdächtigt, Spionage- und Sabotageoperationen in Nato-Gewässern durchzuführen. Laut der mit den Ermittlungen vertrauten Quelle verbrachte die "Yantar" fünf Tage über dem Wrack. Dabei registrierten Sensoren erneut vier Explosionen – möglicherweise gezielt gegen die Überreste auf dem Meeresboden gerichtet.

Auch das US-Militär zeigte Interesse an dem Gebiet. Spezielle WC135-R-Aufklärungsflugzeuge überflogen die Unglücksstelle mindestens zweimal – im August 2025 und im Februar 2026. Diese seltenen Maschinen dienen normalerweise dazu, radioaktive Partikel in der Atmosphäre aufzuspüren. Ein Sprecher der zuständigen Luftwaffeneinheit bestätigte die Funktion der Flugzeuge, äußerte sich aber nicht zu konkreten Einsätzen.

Deshalb ist das Wrack der "Ursa Major2 bis heute nicht geborgen

Die Überreste der "Ursa Major" liegen nach Angaben der spanischen Regierung in etwa 2.500 Metern Tiefe. Eine Bergung des Datenschreibers sei ohne erhebliche technische Mittel und Risiken nicht möglich, erklärten die zuständigen Behörden in Spanien. Spanische Oppositionspolitiker bezweifeln diese Darstellung allerdings. Der ehemalige Handelsschiffskapitän Juan Antonio Rojas Manrique sagte "CNN": "Heutzutage schwimmen Blackboxen normalerweise mit einem Ortungsgerät an die Oberfläche. Ich glaube, jemand hat die Blackbox."

Sollte Russland tatsächlich Atomreaktortechnik an Nordkorea geliefert haben, wäre dies ein bedeutsamer strategischer Schritt. Analyst Plunkett betonte, eine solche Entscheidung werde "nicht leichtfertig getroffen" und erfolge "nur zwischen sehr engen Verbündeten". Für Südkorea wäre eine solche Entwicklung "sehr beunruhigend". Nordkorea hatte im Dezember 2025 Bilder seines ersten Atom-U-Boots veröffentlicht – ob ein funktionierender Reaktor eingebaut ist, bleibt unklar.

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/news.de/stg

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