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Wladimir Putin zunehmend paranoid: Kreml-Chef dreifach gedemütigt - diese Probleme überschatten seinen "Tag des Sieges"

Wladimir Putin sieht sich ausgerechnet an seinem "Tag des Sieges" mit drei gewaltigen Problemen konfrontiert, die den Kreml-Chef zwingen, seine Protz-Parade klein zu halten. Bild: picture alliance/dpa/Pool Reuters | Ramil Sitdikov

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  • Wladimir Putin am "Tag des Sieges" mit drei tiefgreifenden Problemen konfrontiert
  • Kreml-Chef zunehmend paranoid - abgespeckte Protz-Parade als Beweis
  • Russland verliert 1.000 Soldaten pro Tag - Moskau bangt vor Ukraine-Drohnen

Am 9. Mai sind alle Augen gen Moskau gerichtet: Der "Tag des Sieges" gilt im russischen Kalender als heiligster aller Feiertage – doch in diesem Jahr gleicht die traditionelle Siegesparade auf dem Roten Platz nur noch einem Schatten früherer Prachtentfaltungen. Der Kreml sah sich gezwungen, das militärische Spektakel auf ein Minimum zu reduzieren.

Wladimir Putin gleich dreifach gedemütigt - abgespeckte Parade am "Tag des Sieges" ist der Beweis

Für Wladimir Putin bedeutet diese Entscheidung eine bittere Demütigung. Sie offenbart zugleich eine dreifache Krise, die das Regime des russischen Präsidenten nach mehr als vier Jahren Angriffskrieg gegen die Ukraine erfasst hat: katastrophale Verluste an der Front, die wachsende Bedrohung durch ukrainische Drohnenangriffe auf die russische Hauptstadt sowie eine zunehmende Paranoia des Kreml-Chefs angesichts des Sturzes anderer Autokraten weltweit.

Noch im vergangenen Jahr nahmen mehr als zwei Dutzend ausländische Staatsoberhäupter an der pompösen Zeremonie teil. Diesmal fehlen Panzerkolonnen, Raketenwerfer und die üblichen Bataillone schwerer Militärtechnik.

Kreml-Chef verliert 1.000 Soldaten pro Tag im Ukraine-Krieg

Die drastische Verkleinerung der Parade ist zunächst eine direkte Folge der verheerenden Verluste im Ukraine-Krieg, bilanziert die britische "Daily Mail". Seit fünf Monaten fallen durchschnittlich rund 1.000 russische Soldaten pro Tag – mehr, als selbst die aggressivsten Rekrutierungsmaßnahmen ersetzen können.

Nach plausiblen Schätzungen wurden bereits über 1,3 Millionen Russen getötet oder verwundet. Die materiellen Verluste sprengen jede Vorstellungskraft: Fast 12.000 Panzer wurden zerstört, mehr als 40.000 Artilleriesysteme, etwa 800 Flugzeuge sowie rund 35 Schiffe und U-Boote. Wladimir Putins Generäle können schlicht weder Truppen noch Gerät für eine Militärparade entbehren. Der sogenannte "Fleischwolf" an der ukrainischen Front hat die einst so stolze russische Armee derart dezimiert, dass für pompöse Zurschaustellungen nichts mehr übrig bleibt.

Wladimir Putin fürchtet Ukraine-Drohnen über Moskau am "Tag des Sieges"

Doch nicht nur der Mangel an militärischem Gerät zwingt den Kreml-Chef zur Zurückhaltung. In dieser Woche trafen ukrainische Drohnen mehrfach die russische Hauptstadt, darunter ein gehobenes Wohngebäude nur etwa zehn Kilometer vom Roten Platz entfernt. Die internationalen Flughäfen Wnukowo und Domodedowo mussten zeitweise den Betrieb einstellen.

Das russische Pantsir-S-Flugabwehrsystem erweist sich überdies als zunehmend unzuverlässig: Zwar werden die meisten anfliegenden Drohnen abgeschossen oder gestört, doch einige Angriffe kommen durch. Ein erfolgreicher Treffer während der Parade wäre für Putin verheerend – nicht nur wegen der Materialverluste, sondern vor allem als Propagandadesaster. Wenige Tage vor dem geplanten Protz-Spektakel in Moskau verkündete der Kreml daher einen einseitigen Waffenstillstand für den 8. und 9. Mai, der inzwischen von Donald Trump für die Dauer von 72 Stunden bestätigt wurde. Der ukrainische Präsident Selenskyj reagierte mit Spott: Moskau habe damit eingestanden, "Drohnen über dem Roten Platz" zu fürchten.

Wladimir Putin fürchtet Sturz durch Putsch nach Absetzung anderer Autokraten

Hinter der abgespeckten Parade am 9. Mai steckt jedoch noch ein dritter Faktor: nämlich Wladimir Putins wachsende Angst vor dem eigenen Sturz. Der Kreml-Chef beobachtet genau, wie andere Autokraten weltweit entmachtet oder zum Ziel von Attentaten werden. Anfang dieses Jahres griffen US-Spezialeinheiten Venezuelas Diktator Nicolás Maduro in einer chirurgisch präzisen Operation – seine Leibwächter bemerkten die Amerikaner kaum, bevor diese bereits in seinem Anwesen waren. Maduro sitzt nun in einem Hochsicherheitsgefängnis in Brooklyn. Wenige Wochen später löschte eine gemeinsame amerikanisch-israelische Aktion die iranische Führungsspitze aus, darunter den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei. Sein Sohn Mojtaba soll schwer verletzt in einem russischen Krankenhaus behandelt werden. Wladimir Putin dürfte dies schmerzhaft verdeutlich haben, dass selbst ein gescheitertes Attentat seine sorgfältig kultivierte Aura der Unbesiegbarkeit zerstören könnte – und damit seine Herrschaft.

Wladimir Putin im Bann der Paranoia: Berichte über Bunker, Geisterzüge und drei identische Büros

Die Sicherheitsvorkehrungen um Wladimir Putin haben mittlerweile paranoide Ausmaße erreicht. Ermittler von Radio Free Europe analysierten Videoaufnahmen und stellten fest: Der Präsident verfügt über mindestens drei identische Büros an verschiedenen Orten. Winzige Details verraten den Schwindel – etwa ein Türgriff, der in einem Raum etwas tiefer sitzt als im anderen. Statt zu fliegen, bevorzugt Putin für seine Reisen einen gepanzerten Privatzug, der von außen wie gewöhnliches Rollmaterial aussieht. Sein Schwarzmeer-Palast verfügt über einen mehrstöckigen Bunker mit 38 Zentimeter dicken Betonwänden, zwei unabhängigen Sauerstoffsystemen und einem Fluchtweg per U-Boot. Kreml-Mitarbeiter dürfen keine Handys tragen. Besucher werden chemischen und elektronischen Scans unterzogen. Selbst diplomatische Geschenke werden vollständig zerlegt, bevor sie in Putins Nähe gelangen.

Kreml-Chef muss Stärke demonstrieren: Putin regiert durch Angst, nicht durch Beliebtheit

Die abgespeckte Siegesparade entlarvt Putins fundamentales Dilemma: Er regiert durch Angst, nicht durch Popularität. Anders als Donald Trump, dessen Ansehen nach dem Attentatsversuch 2024 sogar stieg, kann sich ein Autokrat keine sichtbare Verwundbarkeit erlauben. Putin hat die Geschichte seines Vorgängers Josef Stalin genau studiert, der mehrere Attentatsversuche überlebte und dafür sorgte, dass die Bevölkerung nie davon erfuhr. Ebenso analysierte er, wie nach Stalins Tod 1953 der Geheimdienstchef Lawrentij Berija die Macht ergreifen wollte und von der Armee gestoppt wurde.

Die Konsequenz: Putin umgibt sich bewusst mit schwachen, älteren Männern in Spitzenpositionen, um das Aufkommen jüngerer Rivalen zu verhindern. Das Fehlen eines offensichtlichen Nachfolgers schützt ihn vor Verrat – garantiert aber auch, dass Russland nach seinem Fall auseinanderbrechen dürfte.

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