Politik

Friedrich Merz: Krankmelden wird teuer - kein Geld am ersten Krankheitstag

Friedrich Merz: Krankmelden kostet - Regierung plant Einschnitte Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

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  • Union und SPD beraten über Einschnitte im Krankheitsfall
  • Karenztag und Bonusmodell für seltene Krankmeldungen im Gespräch
  • Ziel ist ein niedrigerer Krankenstand in Betrieben laut Friedrich Merz

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In den politischen Verhandlungen zwischen Union und SPD wird über mögliche Einschnitte im bestehenden Lohnfortzahlungssystem diskutiert. Hintergrund ist der aus Sicht der Regierung zu hohe Krankenstand in Deutschland. Kanzler Friedrich Merz sieht hier offenbar Handlungsbedarf und stellt bestehende Regelungen grundsätzlich infrage.

Krankenstand im Fokus von Bundeskanzler Friedrich Merz

Derzeit erhalten Arbeitnehmer im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen lang ihren vollen Lohn vom Arbeitgeber. Danach greift die gesetzliche Krankenversicherung mit dem sogenannten Krankengeld, das rund 70 Prozent des Bruttogehalts beträgt. In den aktuellen Gesprächen steht "Bild" zufolge unter anderem die Einführung eines sogenannten Karenztages im Raum. Dieser würde bedeuten, dass Beschäftigte am ersten Krankheitstag keinen Lohn erhalten. Ziel dieser Maßnahme wäre es, die Unternehmen finanziell zu entlasten und gleichzeitig die Zahl kurzer Krankmeldungen zu reduzieren.

Anreize für seltene Krankmeldungen

Parallel wird auch über ein Bonusmodell diskutiert. Arbeitnehmer, die sich nur selten krankmelden, könnten im Folgejahr zusätzliche Urlaubstage erhalten. Als Beispiel wird eine Grenze von etwa fünf Krankheitstagen pro Jahr genannt.

Wenn Krankheit zur Rechenaufgabe wird

Was für eine glänzende Idee: Man schleppt sich mit Magen-Darm, Fieber und allem, was der Körper so hergibt, ins Büro, verteilt das Ganze großzügig an die Kollegschaft und bekommt dafür am Ende vielleicht noch einen zusätzlichen Urlaubstag. Effizienz neu gedacht. Infektionsökonomie als Bonusmodell. Offenbar ist genau das die Art von Innovationskraft, die man braucht, um politisch Karriere zu machen. Eine Welt, in der man sich fragt, ob Krankheit vielleicht einfach ein Lifestyle-Problem ist und kein biologischer Zustand. Genial oder schlicht realitätsfern, je nachdem, aus welchem Stockwerk man auf die Gesellschaft blickt.

Wenn der erste Krankheitstag plötzlich teuer wird

Im Raum steht die Idee, den ersten Krankheitstag unbezahlt zu lassen. Ein kleiner finanzieller Impuls, damit Menschen angeblich seltener krank zu Hause bleiben. Vielleicht kommt man ja doch noch ins Büro, trotz Schüttelfrost und Kreislauf, schon allein aus Solidarität gegenüber dem Betriebsklima. Und wenn dann alle gemeinsam durch die Erkältungswelle marschieren, ist das vielleicht der neue Teamgeist. Gemeinsam husten, gemeinsam durchhalten, gemeinsam anstecken. Produktivität durch Symptomverschleppung.

Die Realität zwischen Konto und Krankheitsbett

Was dabei erstaunlich konsequent ignoriert wird: Viele Menschen bleiben nicht aus Bequemlichkeit zu Hause, sondern weil sie schlicht nicht anders können. Weil der Körper streikt. Weil Weitermachen keine Option ist, sondern ein Risiko. Gleichzeitig leben viele längst am Limit. Geld ist knapp, Rücklagen sind selten und die Vorstellung, einfach mal ein paar Tage ohne Einkommen auszukommen, wirkt eher wie ein schlechter Scherz als wie politische Planung. Wer hier glaubt, Druck im Krankheitsfall würde irgendetwas verbessern, verkennt nicht nur die soziale Realität, sondern auch die grundlegende Biologie. Viren lassen sich durch Arbeitsmoral nicht beeindrucken.

Politik im Parallelmodus

Vielleicht muss man es tatsächlich so deutlich sagen: Krankheit ist kein Disziplinproblem. Und ein leerer Kühlschrank lässt sich nicht mit Durchhalteparolen füllen. Die Vorstellung, man könne komplexe soziale und gesundheitliche Realitäten mit einfachen finanziellen Strafmechanismen lösen, wirkt wie aus einer Welt, in der niemand je einkaufen musste, Miete zahlen musste oder mit Fieber überhaupt schon einmal aufrecht gestanden hat.

Es entsteht der Eindruck eines politischen Systems, das über Menschen spricht, als wären sie Kennzahlen in einer Excel-Tabelle. Nur dass diese Excel-Tabelle hustet, fiebert und sich nicht wegoptimieren lässt und parallel dazu ausrechnet, wie der Wocheneinkauf, die Schulutensilien für die Kinder und die nächste Rechnung bezahlt werden sollen, während sie sich zusätzlich mit echten Ängsten und Sorgen herumschlägt. Der Mensch ist nun einmal keine Maschine, auch wenn wir im Zeitalter der KI leben.

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