Donald Trump: Ukraine-Waffen nach Nahost - Pentagon-Überlegungen alarmieren Europa
Ukraine-Waffen sollen in den Nahen Osten gehen. Donald Trump bestätigt Umleitungen in andere Länder. Bild: picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein
Erstellt von Sabrina Böhme
27.03.2026 09.16
- Bericht: US-Verteidigungsministerium prüft offenbar, Waffen für die Ukraine in den Nahen Osten zu schicken
- US-Militär verbraucht zu viel Munition
- Selenskyj sieht"definitiv einen Einfluss" des Iran-Kriegs auf Donald Trump
- Sorge vor ausbleibenden Waffen im Ukraine-Krieg
US-Waffen, die für die Ukraine vorgesehen sind, könnten stattdessen in den Nahen Osten gehen. Das soll das US-Verteidigungsministerium derzeit prüfen, wie aus einem Bericht der "Washington Post", der sich auf drei mit den Gedanken vertraute Personen beruft, hervorgeht. Eine abschließende Entscheidung steht noch aus.
Enormer Munitionsverbrauch: Trump-Ministerium will offenbar Ukraine-Waffen in Iran schicken
Hintergrund der Überlegungen ist der enorme Verbrauch an Munition im laufenden Konflikt mit dem Iran. Seit dem Angriffsbeginn am 28. Februar hat das US-Zentralkommando bereits mehr als 9.000 Ziele attackiert – in einem Zeitraum von knapp vier Wochen.
Im Zentrum der Überlegungen steht das Nato-Programm "Prioritized Ukraine Requirements List" (PURL). Über diese Initiative beschaffen europäische Partnerländer US-Waffen für Kiew – und finanzieren sie selbst. Insgesamt haben die beteiligten Staaten rund vier Milliarden Dollar für das Programm zugesagt. Die Bedeutung von PURL für die ukrainische Verteidigung ist erheblich: Seit letztem Sommer kamen 75 Prozent aller Raketen für die ukrainischen Patriot-Batterien aus diesem Programm. Auch nahezu die gesamte Munition für andere Luftabwehrsysteme des Landes wurde darüber geliefert. Gerade hochwertige Abfangraketen für Systeme wie Patriot und THAAD gehören zu den am meisten nachgefragten Gütern. Die Ukraine benötigt diese dringend zur Abwehr der anhaltenden russischen Angriffe auf Städte und Infrastruktur.
Europäische Hauptstädte schlagen wegen US-Kriegsführung Alarm
In europäischen Regierungszentralen wächst die Unruhe über die amerikanische Kriegsführung. Diplomaten befürchten, dass Washington seine Munitionsvorräte in einem Tempo verbraucht, das sowohl eigene Bestellungen verzögern als auch die PURL-Lieferungen an die Ukraine gefährden könnte. Zwei europäische Diplomaten äußerten diese Bedenken gegenüber der "Washington Post". "Sie verbrauchen wirklich sehr viel Munition, daher stellt sich nun die Frage, wie viel sie im Rahmen des Abkommens weiterhin liefern werden", zitiert die "Washington Post" einen Diplomaten.
Die USA haben bereits Abfangraketen aus anderen Weltregionen – darunter Europa und Ostasien – zum Zentralkommando im Nahen Osten verlegt. Damit sollen die Verteidigungskapazitäten gegen iranische Drohnen- und Raketenangriffe gestärkt werden. Ein europäischer Vertreter relativierte jedoch die unmittelbaren Auswirkungen: Eine mögliche Umleitung würde erst die Lieferungen nach den kommenden ein bis zwei Monaten betreffen. Kurzfristige Sendungen befänden sich bereits auf dem Weg.
Donald Trump: "Das machen wir ständig"
Auf die Berichterstattung angesprochen, bestätigte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag (26. März) die Praxis solcher Umschichtungen. "Wir haben sie in anderen Ländern, wie in Deutschland und überall in Europa", sagte Trump gegenüber Reportern. "Manchmal nehmen wir von einem und nutzen es für ein anderes."
NATO-Generalsekretär Mark Rutte ging nicht direkt auf mögliche Bedenken des Bündnisses ein. Er betonte jedoch: "Diese wichtige US-Ausrüstung für die Ukraine, einschließlich Abfangraketen, fließt weiterhin." Gleichzeitig mahnte Rutte eine Steigerung der Rüstungsproduktion an. Schon vor den US-Angriffen auf den Iran habe die Waffenherstellung nicht mit dem Tempo globaler Konflikte Schritt gehalten. "Wir müssen mehr produzieren", forderte er.
Selenskyj sieht Auswirkungen des Nahost-Konflikts
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die Patriot-Lieferungen bislang nicht eingestellt worden seien. Dennoch räumte er ein, der Krieg im Nahen Osten habe "definitiv einen Einfluss" auf Trump und dessen künftige Entscheidungen.
Besonders brisant: Das Pentagon hat den US-Kongress darüber informiert, rund 750 Millionen Dollar aus dem PURL-Fonds umzuwidmen. Das Geld soll zur Auffüllung eigener Militärbestände im Iran-Krieg dienen – ursprünglich war es für die Ukraine vorgesehen. Die ukrainische US-Botschafterin Olga Stefanishyna sprach von einer "Phase erheblicher Unsicherheit". Kiew halte seine Partner über den Bedarf an Luftabwehr auf dem Laufenden. Anfängliche Störungen durch die Nahost-Operationen seien jedoch abgemildert worden.
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