Carsten Müller in der Kritik: "Was soll die Hetze?" CDU-Mann tritt mit Bettler-Foto Kontroverse los
Der CDU-Abgeordnete Carsten Müller hat mit einem Facebook-Post eine Debatte über Sozialleistungen und Migration befeuert, die seit Wochen anhält. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
Von news.de-Redakteurin Claudia Löwe
27.01.2026 08.14
- CDU-Politiker tritt Migrationsdebatte mit Facebook-Foto los
- Bettler in Luxuskleidung am Bahnhof empört Bundestagsabgeordneten Carsten Müller
- "Wenn ein CDU'ler zum AfD'ler wird..." Facebook-Community sagt CDU-Politiker die Meinung
Die Worte, die Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte Oktober 2025 bei einem Termin in Potsdam am Rande fallen ließ, traten eine gewaltige Lawine los: Merz' Aussage zu dem seiner Ansicht nach im "Stadtbild" dauerpräsenten Migrationsproblem brachte dem CDU-Chef heftige Kritik ein. Nun schlägt ein weiterer CDU-Politiker in die gleiche Kerbe und sieht sich mit nicht minder aufgebrachten Reaktionen konfrontiert.
Friedrich Merz tritt "Stadtbild"-Debatte los - das waren die kontroversen Worte des Bundeskanzlers
Bei seinem Besuch in Potsdam wurde Friedrich Merz von einem Reporter auf das Erstarken der AfD angesprochen. Er erklärte daraufhin unter anderem, dass man nun frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik korrigiere und das man Fortschritte mache: "Wir haben in dieser Bundesregierung die Zahlen August '24/August '25 im Vergleich um 60 Prozent nach unten gebracht." Merz fügte an: "Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen."
CDU-Politiker Carsten Müller postet Foto von vermeintlichem Bettler in Luxuskleidung
Eine ähnliche Tonart stimmte nun Carsten Müller an, der als Abgeordneter für die CDU im Bundestag sitzt und seine Wähler zudem mit Facebook-Posts auf dem Laufenden hält. Konkret schürte ein von Müller gemachtes Foto eine aufgebrachte Diskussion über Sozialleistungen für Menschen mit Migrationshintergrund. Bereits am 8. Januar hatte der CDU-Abgeordnete seinen auf dem Kölner Hauptbahnhof entstandenen Schnappschuss bei Facebook gepostet und mit folgenden Worten versehen:
- "Auch so sieht Armut in Deutschland aus: Markenschuhe von Adidas, Jacke von Moncler, auf dem Pappschild steht 'BITTE FÜR ESSEN DANKE' und die Ansprache durch den Bettler erfolgt in sehr gebrochenem Deutsch."
- "Das macht mich sehr, sehr ärgerlich, ist ein Schlag ins Gesicht für alle wirklich Bedürftigen und zeigt weiteren - allerdings differenzierten - Handlungsbedarf auf. In diesem konkreten Fall z.B. auch für die Sicherheitskräfte der Bahn."
- "Das Foto habe ich soeben selbst im Hauptbahnhof Köln gemacht."
Heftige Reaktionen Post zu bettelndem Migranten: CDU-Mann Carsten Müller von Kritikwelle überrollt
Der Anblick des mutmaßlichen Bettlers, dessen Gesicht nicht zu erkennen ist, empörte Carsten Müller demnach nicht nur aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes, das Müllers Angaben zufolge eine kostspielige Garderobe erkennen lasse, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass Deutsch nicht die Muttersprache der abgebildeten Person zu sein schien. Als die Facebook-Diskussion in den Kommentaren bereits in vollem Gange war, ergänzte Müller: "Das war kein Kind, sondern ein Mann, und er behauptete, in diesem Aufzug im Land mit großzügigsten Sozialleistungen Geld für Essen haben zu wollen." Doch da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen und ein Schwall deutlicher Kritik prasselte auf Müller herab:
- "Dieses Posting schürt Hass und stellt alle, die vermeintlich Markenkleidung anhaben, unter Generalverdacht und es unterstützt Parteien, die das Feuer weiter zu schüren wissen. Einen differenzierten Blick fände ich hingegen angemessen."
- "Das sagt genau gar nichts! Ich habe auch schon höherwertige Klamotten ans Sozialkaufhaus oder anderweitige Wohltätigkeitsorganisationen zur Weitergabe gespendet. Niemand, der es sich anders leisten kann, steht grundlos in der Kälte und bettelt!"
- "Kennen Sie die Geschichte dieses jungen Mannes? Wissen Sie woher er die Kleidung hat? Wissen Sie ob er satt ist oder Hunger hat? Ich weiß es nicht - würde aber auch nicht, und vor allem nicht öffentlich - über jemanden urteilen und ihn stigmatisieren. Wie heißt es so schön: Du sollst erst ein paar Meilen in den Spuren eines Anderen gelaufen sein, bevor du ihn und seine Situation einschätzen kannst. Das gelingt sicherlich nicht bei einer oberflächlichen Begegnung oder besser Sichtung auf einem Bahnsteig. Sehr schade, dass Sie sich in dieser Form an der Spaltung beteiligen.
- "Mir wäre ein solcher Beitrag dermaßen peinlich. Sie wissen NICHTS über den Mann und woher die Klamotten stammen. Ein Mindestmaß an Verstand und ein kleines bisschen weniger Vorurteil hätten Sie von Ihrem Beitrag abgehalten."
- "Wenn ein CDU'ler zum AfD'ler wird. Ein sehr armseliges Posting eines Hobbypolitikers aus Braunschweig.Schämen Sie sich."
- "So eine pauschale Aussage schürt nur Hass. Viele Menschen spenden ihre getragenen Markensachen und diese sind dann noch gut tragbar."
- "Bro die Jacke ist Fake. Was soll die Hetze?"
- "Dient der Post nur von dazu, vom Versagen Ihrer Partei abzulenken? Oder dient er dazu, sich auf die widerwärtige Stufe der AfD zu stellen und gegen Ausländer zu hetzen um Stimmen zu fangen? Oder sind Sie selbst ein Rassist? Haben Sie mit diesem Menschen das Gespräch gesucht und seine Situation mal hinterfragt? Nicht? Ich hätte da tatsächlich mal einige Fragen an Sie. Gerne auch persönlich. Wie sieht es mit einem Termin aus?"
"Das bleibt so!" Carsten Müller bleibt trotz scharfer Kritik bei seiner Linie
Selbst einige Wochen später blieb Carsten Müllers Bahnhof-Foto ein vieldiskutiertes Thema, nicht zuletzt, weil die "Braunschweiger Zeitung" und die "Bild" der Debatte Beiträge widmeten. Der CDU-Politiker beharrt jedoch weiter auf seinem Standpunkt: "Schräge Dinge spreche ich geradeheraus an. Das bleibt so."
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