Sergej Lawrow: Lügen-Show des Putin-Insiders - Trump-Attacke und Nazi-Vorwurf gegen Merz
Sergej Lawrow hat seine jährliche Propagandashow abgehalten. Bild: picture alliance/dpa/Pool Reuters/AP | Shamil Zhumatov
Erstellt von Tobias Rüster
20.01.2026 11.18
- Sergej Lawrow: Putin-Vertrauter attackiert Donald Trump
- Putin-Vertrauter: Zwei Russen in US-Gewahrsam
- Nazi-Vergleiche gegen Merz: Kreml instrumentalisiert deutsche Aufrüstung
- Europa rüstet auf? Lawrow klagt an - während Russland Krieg führt
- Nachbarschaftsliebe im Bombenhagel: Zynismus als Staatskunst
Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow hat seine jährliche Bilanz der russischen Außenpolitik präsentiert. Seit 2004 bekleidet der 75-Jährige das Amt des Außenministers und fungiert damit seit über zwei Jahrzehnten als diplomatisches Sprachrohr des Kremls. Die Veranstaltung gilt als Propaganda-Bühne, auf der Moskau seine internationale Politik in einem günstigen Licht darzustellen versucht. In Medien wird sie deswegen auch als "Lügen-Show" bezeichnet.
Sergej Lawrow: Putin-Vertrauter attackiert Donald Trump
Seinen Auftritt eröffnete der russische Chefdiplomat mit scharfen Worten Richtung Washington. Das amerikanische Vorgehen gegen Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro bezeichnete er als illegal und brutal - eine deutliche Attacke gegen Donald Trump.
Doch die kritische Linie hielt nicht lange. Nur kurze Zeit später schwenkte Lawrow um und pries den US-Präsidenten. Im Konflikt um die Ukraine seien die Vereinigten Staaten unter Trumps Führung die einzige westliche Nation, die "Verständnis" für die Anliegen Moskaus aufbringe. Entsprechend ernst nehme der Kreml die Vorschläge aus der amerikanischen Hauptstadt.
Die Realität sieht allerdings anders aus: Sämtliche Forderungen der USA nach einer Waffenruhe in der Ukraine hat Russland bislang zurückgewiesen. Trotz verbaler Annäherung zeigt Moskau keinerlei Bereitschaft zu konkreten Zugeständnissen im militärischen Konflikt.
Zwei Russen in US-Gewahrsam: Moskaus erfolglose Befreiungsversuche
Auf Nachfrage einer russischen Journalistin räumte Lawrow ein, dass sich weiterhin zwei russische Staatsangehörige in amerikanischer Haft befinden. Die beiden Männer gehörten zur Besatzung des Tankers "Marinera", den US-Spezialeinheiten Anfang Januar im Nordatlantik gestoppt und übernommen hatten.
- Laut Washington steht der Tanker im Verdacht, iranisches Erdöl unter Missachtung internationaler Sanktionen auf dem Schwarzmarkt zu transportieren.
Der russische Außenminister betonte, seine Regierung habe unmittelbar nach der Beschlagnahmung diplomatische Schritte zur Freilassung der Festgehaltenen eingeleitet.
- Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Zwar hätten die amerikanischen Behörden zugesichert, die beiden Russen freizulassen, doch bis zum Zeitpunkt der Pressekonferenz sei dies nicht geschehen.
Nazi-Vergleiche gegen Merz: Kreml instrumentalisiert deutsche Aufrüstung
Die deutsche Verteidigungspolitik geriet ebenfalls ins Visier des russischen Außenministers. Lawrow griff den Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz wegen dessen Forderung nach einer Stärkung der Bundeswehr scharf an und bediente sich dabei historischer Anspielungen.
Merz' Aussage, Deutschland müsse die schlagkräftigste Armee Europas aufbauen, nutzte der Putin-Vertraute für eine durchsichtige Propaganda-Taktik. Ohne es explizit auszusprechen, stellte Lawrow die geplante militärische Aufrüstung in die Nähe nationalsozialistischer Großmachtfantasien - eine bewusst gewählte rhetorische Assoziation.
Die Attacke fügt sich in ein bekanntes Muster russischer Informationspolitik ein. Der Kreml greift regelmäßig zur sogenannten Nazi-Keule, wenn es um deutsche Verteidigungsbemühungen geht. Dass Berlin seine Streitkräfte modernisiert, um sich im Ernstfall gegen potenzielle russische Aggression wappnen zu können, blendete Lawrow in seiner Darstellung vollständig aus.
Europa rüstet auf? Lawrow klagt an - während Russland Krieg führt
Der russische Außenminister warf den europäischen Staaten vor, sich auf einen militärischen Konflikt mit Moskau vorzubereiten. Europa treibe die Aufrüstung seiner Streitkräfte voran, während Russland nach eigener Darstellung um diplomatische Lösungen bemüht sei.
Die Wirklichkeit präsentiert sich gegenteilig:
- Russland startete 2022 seine Invasion der Ukraine und attackiert das Nachbarland seither militärisch. Darüber hinaus führt Moskau nach Geheimdienstinformationen Cyberattacken und Sabotageoperationen gegen europäische Nationen durch.
- Parallel dazu hat der Kreml sein Land auf Kriegswirtschaft umgestellt. Rund um die Uhr laufen die Produktionsbänder für militärisches Gerät - von unbemannten Flugkörpern über gepanzerte Fahrzeuge bis hin zu weiteren Waffensystemen.
Zur selben Zeit, da Lawrow Europa Kriegsvorbereitungen vorwirft, bombardieren russische Streitkräfte weiterhin ukrainische Städte. In Kiew brach nach nächtlichen Angriffen die Versorgung mit Elektrizität, Wärme und Wasser zusammen. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko blieben über 5.600 Wohngebäude ohne Heizung.
Nachbarschaftsliebe im Bombenhagel: Zynismus als Staatskunst
Als zentrales Anliegen für das laufende Jahr nannte Lawrow ein "harmonisches Verhältnis" zu den Nachbarstaaten Russlands. Die Formulierung wirkt besonders zynisch angesichts der Tatsache, dass russische Streitkräfte zeitgleich massive Luftangriffe auf die Ukraine durchführen.
Während Millionen Menschen in der ukrainischen Kälte ohnegrundlegende Versorgung ausharren müssen, spricht Lawrow von guter Nachbarschaft und friedlichen Absichten. Der diplomatische Veteran beherrscht die Kunst des Zynismus perfekt - kein Widerspruch zwischen Rhetorik und Realität scheint ihm zu groß, um ihn vor laufenden Kameras zu präsentieren.
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