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Getreideabkommen: Putin droht mit Angriff auf Schiffe! Experten fordern Nato-Reaktion

Nachdem das Russland das Getreide-Abkommen mit Kiew nicht verlängerte, befürchten Militärexperten eine Eskalation. Bild: picture alliance/dpa | Ulf Mauder

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Russland hatte das Abkommen zur Verschiffung von ukrainischem Getreide gestoppt. Moskau behauptet, westliche Staaten hätten angeblich die zugesicherten Erleichterungen für russische Dünge- und Nahrungsmittelexporte nicht ausreichend umgesetzt. International steht Russland dagegen in der Kritik, Hunger als Waffe einzusetzen. Es kamen Befürchtungen auf, dass es zu einer Eskalation im Schwarzen Meer kommen könnte. Russland hatte angekündigt, Schiffe in betroffenen Gebieten des Schwarzen Meeres als mögliche Gegner einzustufen. Droht auf dem Wasser ein Konflikt?

Schwarzes Meer: USA warnt vor Angriffen auf zivile Schiffe

Die USA haben nach Russlands Entscheidung zum Getreideabkommen vor Angriffen auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer gewarnt. Russland habe in den Zufahrten zu ukrainischen Häfen weitere Seeminen verlegt, zitierte der Sender CNN am Mittwoch (Ortszeit) den Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Adam Hodge. "Wir glauben, dass dies ein koordiniertes Vorgehen ist, um etwaige Angriffe auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer zu rechtfertigen und der Ukraine die Schuld für diese Angriffe zuzuschieben."

Britisches Verteidigungsministerium warnt: Russischer Schwarzmeerflotte können Angriffe von Ukraine-Drohnenschiffen drohen

Das britische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass der russischen Schwarzmeerflotte bei Patrouillen Angriffe von ukrainischen Drohnenschiffen und Raketen drohen. Die Briten blickten in ihrem täglichen Update bei Twitter am Donnerstag auf das Getreideabkommen, das bisher den Export von ukrainischem Getreide über den Seeweg ermöglichte. "Die russische Schwarzmeerflotte wird nun wahrscheinlich eine aktivere Rolle einnehmen, um jeglichen laufenden Handel zu unterbrechen", schrieben die Briten. Die Blockadeoperationen seien jedoch durch ukrainische, unbemannte Wasserfahrzeuge und Marschflugkörper zur Küstenverteidigung gefährdet.

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Annalena Baerbock verurteilt Putins Entscheidung und Drohung scharf

Den Kurs der Regierung in Moskau verurteilte Baerbock scharf. "Dass der russische Präsident (Wladimir Putin) das Getreideabkommen aufgekündigt hat und nun auch noch den Hafen von Odessa bombardiert, ist nicht nur ein erneuter Angriff auf die Ukraine, sondern es ist ein Angriff auf die Menschen, auf die ärmsten Menschen auf dieser Welt", sagte sie.

Auch Russlands Drohung, in Zukunft Schiffe in bestimmten Gebieten des Schwarzen Meeres als mögliche Gegner zu behandeln, kritisierte Baerbock. Dies zeige, dass Putin nicht nur die Ukraine direkt mit Waffen angreife, sondern auch die internationale Ordnung. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen habe aber zuletzt sehr klar gemacht, dass man sich nicht erpressen lasse, sondern alle Kräfte und Anstrengungen unternehmen werde, um weiter Getreideexporte aus der Ukraine zu ermöglichen.

Nach gestopptem Getreideabkommen: Militär-Experten sprechen sich für Nato-Reaktion aus

Einige Militär-Experten äußerten sich nun zu der Situation und forderten auch eine Reaktion der Nato. "Putin spielt mit dem Feuer, indem er unverhohlen damit droht, Getreidelieferungen anzugreifen, die von armen Ländern, [...] dringend benötigt werden. [...] Die Nato ist sehr wohl in der Lage zu reagieren, wenn Russland unsere Hand zwingt", zitiert die "Bild"-Zeitung denEx-Nato-Admiral James Stavridis. "Jetzt, wo US-Präsident Joe Biden zu Recht erklärt hat, dass Russland den Krieg verloren hat, sollten die USA eine Nato-Seestreitmacht anführen, um einen sicheren und freien ukrainischen Schiffsverkehr zu ermöglichen", sagte der schwedische Russlandexperte Anders Aslund. Dennoch glaube er nicht daran, dass Putin einen Nato-Marinekonvoi angreifen würde. Russland sei dafür zu schwach.

Historiker und Russland-ExperteJan Claas Behrends schreib dazu auf Twitter, dass es wichtig sei, dass die Nato- und Deutsche Marine jetzt das Schwarze Meer sichere, um es für den freien Handel sicher zu machen. Das stelle aber keine "Kriegshandlung" dar. Carlo Masala von der Bundeswehr Universität in München fragte sich auf dem Kurznachrichtendienst: "Wann fangen wir an, Russland rote Linien in der Ukraine zu setzen? Sabotiert ihr den Getreideexport, eskortieren wir Schiffe, wie wäre es damit?" Er forderte, dass der Westen reagieren solle, um Hunger und weitere Migrationsbewegungen durch das aufgekündigte Getreideabkommen zu verhindern. "Dagegen gibt es hoffentlich eine klare Antwort der Türkei und anderer Nato-Mitgliedsstaaten." Nato-Berater Edwart Hunter Christie hingegen schlägt vor, dass die Ukraine sich in dem Gebiet auch selbst verteidigen könnte. Dafür wären Raketen und andere militärische Mittel nötig.

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/bua/news.de/dpa

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