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Berlin: Vor 40 Jahren starb der "rote Elvis"

Die Berliner Skyline an der Spree. Aktuelle News aus und über Berlin hier auf news.de. Bild: Adobe Stock / Rico Oder

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Er hätte auch als Marlboro-Mann Karriere machen können: groß, sportlich, charismatisch. Doch Dean Reed kehrte den USA den Rücken und wurde in der DDR zur Ikone. 40 Jahre nach seinem Tod am 13. Juni 1986 bleibt der "Rote Elvis" eine der widersprüchlichsten Figuren des Kalten Krieges.

Um seinen mutmaßlichen Suizid 1986 rankt sich bis heute das Gerücht, die Stasi habe ihn ermordet. DDR-Historiker Stefan Wolle hingegen glaubt nicht daran: "Das traue ich der Stasi nicht zu. Das ist einfach nicht der Stil gewesen", sagt der wissenschaftliche Berater des DDR-Museums der Deutschen Presse-Agentur.

Karriere im Sozialismus

Geboren 1938 in Denver, Colorado, machte sich Reed als Rock’n’Roll-Sänger in Lateinamerika einen Namen. In den 1960er und 70er Jahren profilierte er sich zunehmend politisch, protestierte gegen den Vietnamkrieg und die US-Politik. Er bewegte sich im Umfeld linker internationaler Akteure – vom chilenischen Präsidenten Salvador Allende bis zum Palästinenserführer Jassir Arafat.

Anfang der 70er Jahre schlug er schließlich ein ungewöhnliches Kapitel auf: Nach einer Begegnung mit der Leipziger Lehrerin Wiebke Dorndeck beim Dokumentarfilmfest in Leipzig 1971 heiratete er sie, ließ sich in der DDR nieder und wurde dort zum Star.

Singender Cowboy im Arbeiter- und Bauernstaat

Im "Arbeiter- und Bauernstaat" trat Reed als singender Cowboy auf, sang auf Deutsch, Englisch und Spanisch und schauspielerte in Filmen – oft als Westernheld. Die DDR-Führung präsentierte ihn als geläuterten Amerikaner, der sich bewusst für den Sozialismus entschieden habe.

"Die Tatsache, dass er aus den USA kam und schon als Rock’n’Roll-Sänger und als Schauspieler bekannt war, war schon etwas Besonderes. Da war die DDR auch stolz darauf und propagierte das dementsprechend groß", sagt Historiker Wolle.

Präsenz des Amerikaners genügte der DDR-Führung

Gleichzeitig war Reed mehr als nur ein politisches Aushängeschild. Er galt als charmant, zugänglich, kommunikativ – ein Entertainer, der sein Publikum erreichte. Offene ideologische Bekenntnisse vermied er laut Wolle meist. Zwar habe er sich gegen den US-Imperialismus geäußert, doch eine klare Identifikation mit dem politischen System der DDR blieb aus.

Der DDR-Führung habe das genügt: "Allein die Tatsache, dass er in der DDR präsent war, reichte politisch", sagt Wolle. "Er war für den Frieden, für die Gerechtigkeit, für die Freiheit und die Demokratie. Aber genauer gesagt hat er das nie. Das musste er ja als Schlagersänger auch nicht."

Der Historiker beschreibt Reed als "sehr sympathischen, auch klugen und intelligenten Mann, der aber ein hohes Maß an Naivität besaß

und deswegen den eigentlichen politischen Widersprüchen dann auch aus dem Weg gegangen ist".

Reed habe immer in einem Konflikt gelebt: "Auf der einen Seite konnte er als US-Bürger durch die Welt reisen, wie er wollte. Und gleichzeitig akzeptierte er ja die Tatsache, dass das für die große Zahl, also für die ganz überwiegende Zahl, 99,9 Prozent der DDR-Bürger nicht so galt", sagt Wolle.

Leben in einem ständigen Widerspruch

Diese Ambivalenz habe sein Leben geprägt. Während er sich öffentlich mit der DDR identifizierte, zeigten sich privat Zweifel und Widersprüche. "Dieser Widerspruch ist so offensichtlich, an dem führt kein Weg vorbei", sagt der Historiker.

Seine Ehe mit Wiebke Dorndeck zerbrach, 1981 heiratete er die Schauspielerin Renate Blume. Zeitzeugen berichten von Spannungen und Konflikten. DDR-Volkspolizisten herrscht er 1982 laut Protokoll der Beamten an, als sie ihn wegen einer Geschwindigkeitsübertretung anhalten: "Die Staatslimousinen, die mich gerade mit 160 Kilometer pro Stunde überholt haben, schreibt ihr nicht auf. Das ist ja wie ein faschistischer Staat hier. Ich habe das langsam wie die meisten der 17 Millionen in diesem Land bis hierher satt!"

Abschiedsbrief verschwand in Stasi-Akten

Reed war in der Krise. Er war mittlerweile auch als Sänger und Schauspieler in der DDR zunehmend weniger gefragt. Am 13. Juni 1986 verschwindet er plötzlich. Seine Witwe Blume erinnert sich in dem Dokumentarfilm "Der rote Elvis": "Er packte seine Tasche und sagte, er gehe zu den Menschen, die ihn lieben. Dabei gab er jedoch kein konkretes Reiseziel an."

Am Ufer des Zeuthener Sees bei Berlin wurde Reed wenige Tage später tot aufgefunden. Sein 15-seitiger Abschiedsbrief verschwand bis zum Ende der DDR in den Stasi-Akten.

"Mein Tod hat nichts mit Politik zu tun", schrieb der "singende Cowboy" darin. Aber der Tod war ein Politikum allerersten Ranges. SED-Chef Erich Honecker persönlich, den Reed im Brief ausdrücklich grüßen ließ, gab die Parole vom Unglücksfall aus. Im Westen tauchte die Vermutung auf, die Stasi könnte Reed beseitigt haben, weil er plante, in die USA zurückzukehren. Bis heute halten sich Mutmaßungen, der Abschiedsbrief könne von der Stasi verfasst worden sein.

Historiker Wolle sagt: "Er hatte sich furchtbar mit seiner Frau gestritten und das hat ihn alles so niedergedrückt und fertig gemacht und vielleicht kam die etwas schwierige politische Situation hinzu." Und: "Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Stasi ihre Finger im Spiel hatte. Das ist wohl tatsächlich persönlich motiviert gewesen."

Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte den bis dahin unter Verschluss gehaltenen Abschiedsbrief 2004. Der Brief sei jetzt in "einem Berliner Archiv"

aufgetaucht, heißt es in dem Zeitungsbericht – ohne nähere Einzelheiten. Das Dokument sei dem Blatt als Kopie zugespielt worden.

DDR-Museum sucht Erinnerungsstücke

Der Tod wurde zum Politikum. Während die DDR-Führung von einem Unglücksfall sprach, sahen Kritiker im Westen einen möglichen Zusammenhang mit Reeds wachsender Unzufriedenheit und Überlegungen, das Land zu verlassen. In seinem Abschiedsbrief heißt es hingegen, sein Tod habe "nichts mit Politik zu tun".

Der Brief werde heute im Bundesarchiv aufbewahrt, erklärt Simone Uthleb, Pressesprecherin des DDR-Museums. Einige Objekte von Reed bewahre das Museum aber in seinem Depot auf, darunter ein Hochzeitsfoto und eine Schallplatte. Weitere Exponate sind willkommen: "Wenn jemand Objekte oder eine ganze Sammlung hat und diese in gute Hände geben möchte, übernehmen wir sie gern", sagt Uthleb.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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