Bundesinstitut warnt: Welche Risiken drohen bei Vitamininfusionen in "Drip-Spas"?
Die Vitamininfusionen gehen direkt in die Blutbahn - doch echten Nutzen bringen sie nicht. Bild: AdobeStock / Seventyfour
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
19.05.2026 14.30
- Drip-Spas versprechen mehr Energie, Schönheit und Leistungsfähigkeit durch Vitamininfusionen
- Wissenschaftliche Belege für einen Nutzen bei gesunden Menschen fehlen bislang weitgehend
- Experten und Behörden warnen stattdessen vor möglichen Risiken der Anwendungen
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Sich endlich mal wieder schöner, jünger und rundherum gesünder fühlen - das klingt zu gut, um wahr zu sein. Und trotzdem versprechen sogenannte "Drip-Spas" mit ihren Vitamininfusionen genau das. Dabei werden Patienten intravenös Nährstoffe per Infusion - auch "Drip" genannt - eingeflößt, um ihre Leistung zu steigern. Das Problem: In der Regel handelt es sich bei den Infusionen um schlichte Geldmacherei mit kaum echter Wirkung.
Was wird bei den "Drip"-Infusionen verabreicht?
Der Schädel brummt, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit - das ist ein Kater. Gegen den hilft in der Regel nichts außer viel zu trinken, etwas zu essen und abzuwarten. Zuerst in Berlin, mittlerweile aber auch in vielen weiteren deutschen Städten buchbar sind sogenannte "Hangover-Drips": Dabei handelt es sich um Infusionen aus einer Mischung verschiedener Vitamine, Mineralstoffe, und Aminosäuren. Diese werden intravenös verabreicht - also mit einer Nadel direkt in die Blutbahn, ohne den Umweg über den Magen-Darm-Trakt zu nehmen.
Ursprünglich kommt der Trend aus den USA, doch inzwischen gibt es die Drip-Spas oder "Drip Bars" auch in Deutschland - und das nicht nur gegen den Kater. So versprechen viele Anbieter, Vitamin- und Nährstoffmangel auszugleichen und so wieder für mehr Energie im Alltag zu sorgen. Andere werben wiederum mit Vorteilen für Haut und Haare, sportliche Leistungen oder sogar für die Psyche. Die Kosten pro Sitzung betragen laut Stiftung Warentest bis zu 400 Euro. Doch inwiefern lassen sich die Behauptungen der Anbieter belegen?
Gesundheitliche Vorteile lassen sich nicht nachweisen
Die Antwort: Eigentlich so gut wie gar nicht. "Es gibt keine belastbaren wissenschaftlichen Daten, dass Vitamininfusionen bei gesunden Menschen eine Wirkung erzielen", erklärt Prof. Dr. Johannes Georg Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM), gegenüber der "Apotheken Umschau". Auch Nachweise für die Wirksamkeit bei chronischen Erkrankungen fehlen - ein echter gesundheitlicher Nutzen lässt sich schlichtweg nicht nachweisen.
Schlimmer noch: Die Anwendungen der Infusionen können mit gewissen Risiken für die Gesundheit einhergehen. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt: Arzneimittel zur Infusion unterliegen in Deutschland strengen behördlichen Zulassungsverfahren - Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität sowie ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis müssen bestätigt werden, sonst dürfen sie eigentlich nicht in den Verkehr gebracht werden. Bei Drip-Spas sei dieser behördliche Nachweis nicht erbracht.
Unsicherheit über Inhaltsstoffe birgt Risiken
Die Infusionslösungen seien demnach in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, ihre Sicherheit lässt sich also nicht belegen. Allerdings sei vor allem für vulnerable Personengruppen mit Gefahren wie Hypervitaminosen (Vitamin-Überdosis), Hyperhydration und Störungen im Elektrolyt- und Säuren-Basen-Haushalt zu rechnen. Auch das Risiko allergischer Reaktionen auf die Mittel besteht. Zudem könne eine unsachgemäße Handhabung der Drip-Infusionen zu einem Austritt der Infusionslösung ins Gewebe, Luftembolien sowie Kreislaufproblemen führen.
Grundsätzlich gilt:Es handelt sich hierbei um einen Lifestyle-Trend mit fragwürdigem Nutzen. Wer seinem Körper wirklich etwas Gutes tun will, fährt mit ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und Bewegung meist deutlich besser - und spart sich nebenbei auch mögliche Risiken durch die vermeintlichen Wundermittel.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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