Spritpreis steigt weiter: Sprengt der Benzinpreis bald die 2,50-Euro-Marke?
Der Tankstellen-Interessenverband warnt vor Spritpreisen von bis zu 2,50 Euro pro Liter – und wirft den Mineralölkonzernen vor, die Krise gezielt auszunutzen. Bild: picture alliance/dpa | Harald Tittel
Erstellt von Claudia Löwe
10.03.2026 13.17
- Iran-Krieg lässt Spritpreise in Deutschland explodieren
- Bald 2,50 Euro pro Liter Sprit? Tankstellen-Interessenverband alarmiert
- Abzock-Verdacht an der Tankstelle: Nirgends zahlt man so viel für Benzin und Diesel wie in Deutschland
Der eskalierte Konflikt im Iran scheint meilenweit von Deutschland entfernt - und doch sind die unmittelbaren Folgen der israelisch-amerikanischen Luftangriffe auf Teheran bis in die Bundesrepublik spürbar. Kaum waren die ersten Schlagzeilen über Bombardierungen im Iran veröffentlicht, kletterten auch schon die Preise an Deutschlands Tankstellen in schwindelerregende Höhen. Doch das dicke Ende könnte Deutschlands Autofahrern noch bevorstehen.
Kostet Sprit bald 2,50 Euro pro Liter? Tankstellen-Interessenverband schlägt Alarm
Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) schlägt diesbezüglich aktuell lautstark Alarm: Infolge des Iran-Kriegs könnten die Kraftstoffpreise in Deutschland auf bis zu 2,50 Euro pro Liter klettern. "Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar", warnte Verbandssprecher Herbert Rabl gegenüber der "Rheinischen Post".
Abzocke mit dem Iran-Krieg? Tankstellenbetreiber rechnen mit Mineralölkonzernen ab
Der TIV erhebt im gleichen Atemzug schwere Vorwürfe gegen die Mineralölkonzerne. Diese würden die gestiegenen Einkaufskosten nicht nur weitergeben, sondern zusätzlich "zwei bis drei Prozent" aufschlagen. Laut Rabl seien die Spritpreise nirgendwo in Europa in der vergangenen Woche so stark angestiegen wie hierzulande. Die Konzerne würden austesten, was der deutsche Markt hergibt. Die Betreiber der Tankstellen profitieren von den Rekordpreisen allerdings nicht. Während die Ölkonzerne ihre Gewinne steigern, erhalten Pächter lediglich "ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit", kritisierte Rabl. An den sprudelnden Einnahmen der Konzerne würden sie nicht beteiligt.
Stattdessen müssen die Tankstellenbetreiber den Unmut der Kunden ausbaden. Die hohen Preise verderben die Stimmung – mit direkten Folgen für das Geschäft. Das Shop-Sortiment, das rund 60 Prozent der Einnahmen einer Tankstelle ausmacht, leidet erheblich unter der schlechten Laune der Autofahrer.
Österreich macht's vor: Wieso hat Deutschland keine Spritpreisbremse?
Der Tankstellen-Interessenverband fordert ein Eingreifen der Bundesregierung. Als Modell dient das Nachbarland Österreich, wo eine staatliche Regelung die Preisschwankungen beim Tanken begrenzt. "Die Regierung kann wie in Österreich eine Regel erlassen, dass die Konzerne nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen und danach nur noch absenken dürfen", erklärte Rabl. Der Unterschied ist deutlich spürbar: Während deutsche Autofahrer am Dienstagmorgen rund 2 Euro für einen Liter Benzin zahlen mussten, liegt der Preis in Österreich bei nur 1,70 Euro. Diesel kostete hierzulande zwischen 1,89 und 2,15 Euro pro Liter.
Wirtschaftsministerin Reiche kündigt wegen Spritpreis-Explosion Kartellprüfung an
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bereits reagiert und eine Untersuchung durch das Bundeskartellamt angekündigt. In einem Podcast von Table.Briefings erklärte die 52-Jährige, es werde geprüft, ob die Konzerne die Kriegssituation ausnutzen würden.
Der TIV-Sprecher zeigt sich jedoch wenig überzeugt von der Wirksamkeit dieser Maßnahme. "Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Bundesministerin Reiche nichts zu befürchten haben", sagte Rabl. Die Branchenvertreter setzen daher weiterhin auf eine gesetzliche Preisregulierung nach österreichischem Modell.
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