Iran-Krieg jagt Gas- und Ölpreis hoch: Spritpreis-Knall an der Tankstelle - was steht Deutschland noch bevor?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vertritt den Standpunkt, dass Deutschland infolge des Iran-Krieges keine Energieengpässe zu befürchten hat. Bild: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Erstellt von Claudia Löwe
02.03.2026 16.15
- Iran-Krieg lässt Spritpreise explodieren - Abzocke-Vorwürfe gegen Tankstellen
- Erdgas und Öl nach Eskalation in Nahost teuer wie nie
- Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Keine Energie-Knappheit in Deutschland zu befürchten
Die von Israel und den USA Ende Februar auf den Iran verübten Luftangriffe und die damit verbundene Eskalation des Nahost-Konfliktes macht sich auch in Deutschland bemerkbar - und zwar im Geldbeutel von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Der Iran-Krieg treibt die Kraftstoffpreise in der Bundesrepublik auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Am Sonntag (01.03.2026) kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,794 Euro, Diesel lag bei 1,759 Euro. Zuletzt waren die Preise Ende Mai beziehungsweise Anfang April 2024 so hoch.
Sprit-Preise explodieren wegen Iran-Krieg - Heizöl-Kosten auf Rekordhoch
Der ADAC verzeichnete allein von Freitag bis Montag um 10.30 Uhr einen Anstieg von 5 Cent bei E10 und 5,2 Cent bei Diesel. "Ich befürchte, dass es heute an den Zapfsäulen noch weiter nach oben geht", warnte ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Für Autofahrer hat ADAC-Experte Laberer einen Rat: "Gerade in volatilen Zeiten können die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen besonders hoch ausfallen." Wer sparen wolle, solle abends tanken, da die Preise dann in der Regel niedriger seien als morgens. Zudem gelte: Sollte der Ölpreis nicht bald sinken, könne der Aufwärtstrend noch Tage anhalten.
Noch dramatischer entwickelte sich der Heizölmarkt: Laut dem Portal Heizoel24 kletterte der Preis am Vormittag des 2 März 2026 zwischenzeitlich auf über 120 Euro pro 100 Liter – am 27. Februar, kurz vor den Angriffen im Iran, hatte er noch deutlich unter 100 Euro gelegen.
Straße von Hormus blockiert: Kein Tankerverkehr im Nadelöhr des Welthandels
Die Straße von Hormus ist ein wichtiges Nadelöhr für den internationalen Handel mit Öl und Flüssiggas. Bild: picture alliance/dpa/dpa Grafik | dpa-infografik GmbH
Der Auslöser für die Preisexplosion liegt im Persischen Golf: Nach den Angriffen hat der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt. Die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman ist die einzige Seeverbindung vom Persischen Golf zum offenen Meer. Täglich passieren rund 20 Prozent der weltweiten Öltransporte diese Route – jede Störung verunsichert die internationalen Märkte.
SPD wirft Tankstellen "Abzocke" vor nach Eskalation im Nahen Osten
Die rasanten Preissprünge stoßen auf heftige Kritik aus der Politik. Der Sprecher der SPD-Seeheimer, Esra Limbacher, attackierte die Tankstellenbetreiber scharf: "Was wir an vielen Tanksäulen in unserem Land erleben, ist schlicht und ergreifend Abzocke!" Der Sozialdemokrat verwies darauf, dass der aktuell verkaufte Kraftstoff noch zu wesentlich günstigeren Rohölpreisen eingekauft worden sei. Zwischen dem Weltmarkt und der Zapfsäule vergingen normalerweise mehrere Wochen. "Es ist inakzeptabel, wenn geopolitische Unsicherheiten als Vorwand für überzogene Margen genutzt werden", kritisierte Limbacher. Er forderte zudem Fairness in beide Richtungen: Wer steigende Weltmarktpreise umgehend an die Kunden weitergebe, müsse dies bei sinkenden Preisen ebenso handhaben.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Deutschland hat "keine Knappheiten" zu befürchten
In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" fühlte Moderator Matthias Deiß der CDU-Politikerin am 1. März 2026 auf den Zahn und hakte nach, wie es angesichts des Iran-Krieges um die Energieversorgung in Deutschland bestellt ist. 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen werden über die derzeit blockierte Straße von Homus abgewickelt, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer verbindet. "Was sind die Folgen für Deutschland, was die Versorgung angeht?", wollte der ARD-Moderator von Katherina Reiche wissen. Erst kürzlich hatte die CDU-Politikerin Schelte für unzureichende Füllstände von Deutschlands Gasspeichern einstecken müssen. Die Bundeswirtschaftsministerin rechnet trotz der angespannten Lage in Nahost nicht damit, dass Deutschland das Gas ausgehen wird. "Was wir beobachten werden, ist die Preisentwicklung, aber tatsächlich keine Knappheiten", sagte Reiche in der Sendung "Bericht aus Berlin". Zwar sei mit steigenden Energiepreisen zu rechnen, Versorgungsengpässe gebe es jedoch nicht.
Deutschland erhalte aus der vom Iran-Krieg betroffenen Region "keine signifikanten Mengen an LNG", betonte Reiche. Rund 90 Prozent der Gasversorgung bestünden aus Pipeline-Gas, etwa aus Norwegen, Belgien oder den Niederlanden, lediglich rund zehn Prozent aus Flüssiggas. Dieses stamme "zu überwiegendem Teil aus den USA, aber auch aus anderen Ländern wie Kanada oder Angola". Auch bei Öl sieht die Ministerin Deutschland breit aufgestellt. Die größten Lieferanten seien Kasachstan, Norwegen und die USA, deren Anteil zuletzt gestiegen sei. "Wir haben also unsere Ölquellen diversifiziert", sagte Reiche. Es könne zwar zu Preissteigerungen kommen, "da jetzt zu spekulieren, wäre allerdings zu früh". Wie stark sich die Lage auf die Preise auswirke, hänge von der Dauer des Konflikts ab.
Bundesregierung reaktiviert Taskforce, um Energiepreisentwicklung genau im Blick zu haben
Die Bundesregierung hat angesichts der Eskalation ihre Krisenmechanismen hochgefahren. Die Taskforce, die bereits während der Gasmangellage zum Einsatz kam, beobachtet nun mehrfach täglich die Entwicklung an den Energiemärkten. "Eingriffe in den Markt macht man erst dann, wenn sie absolut unvermeidbar sind", stellte Wirtschaftsministerin Reiche klar. Direkte staatliche Interventionen stehen derzeit nicht auf der Agenda. Die wirtschaftlichen Risiken träfen Deutschland in einer Phase, in der die Konjunktur ohnehin stark von staatlichen Investitionsprogrammen abhänge. Etwas Entspannung könnte mittelfristig von den Förderländern kommen: Die OPEC+ hat angekündigt, ihre Produktion ab April um 206.000 Barrel pro Tag zu steigern. Aktuell liegt die tägliche Fördermenge bei 106,6 Millionen Barrel.
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